In der Predigt am Mittwoch der vierten Fastenwoche erläuterte Weihbischof Ansgar Puff im Kölner Dom, warum der Anspruch Jesu, "Gottes Sohn zu sein", für die Juden seiner Zeit unerträglich war. "Wer sich Gott gleichstellte, galt als Gotteslästerer - und musste sterben", erklärte Puff. Doch Jesus beanspruche nicht, Gott zu ersetzen, sondern er ist der "Auf-Gott-Hörende". Er gehorche dem Vater so innig, dass beide eins seien. Diese liebevolle Nähe ermächtige Jesus, "Leben zu spenden und Gericht zu halten".
Puff betonte, dass es hier nicht um ein "verurteilendes Gericht" gehe, sondern um die Entscheidung, die Jesus von jedem Menschen fordere. Das Gericht bezeichne im Evangelium den Moment der Wahrheit, in dem sich offenbare, "ob man Jesus annimmt oder verwirft".
"Wer ihm vertraut, empfängt Leben - wer ihn ablehnt, bleibt in der Finsternis". Auch Papst Leo habe in seiner Fastenbotschaft das Zuhören als Schlüssel betont: "Wer Jesus hört, drückt aus: Du bist mir wichtig."
Puff rief auf, die leise, aber eindringliche Stimme Jesu zu vernehmen - "durch das Gewissen, die Schrift oder tägliche Ereignisse". "Wer so hört, kann aus dem 'Grab' der Sorgen auftauchen", wie Lazarus. "Denn Jesus sagt: 'Ich liebe dich - für dich bin ich gestorben und auferstanden.' Wer das hört, kann sein persönliches Ostern feiern."