Weihbischof Ansgar Puff sprach in seiner Predigt in der Kapitelsmesse am Samstag der vierten Osterwoche über das Sehen. Als Kind hätte seine Mutter ihn oft gebeten, sie einmal anzuschauen, wenn sie den Verdacht hatte, dass er flunkerte. Sein Blick hätte dann alles verraten.
Immer mehr Menschen benutzten zum Telefonieren den Bildschirm, stellte der Weihbischof fest. Sie wollten ihre Gesprächspartner sehen, nicht nur hören. "Sehen schafft eine besondere Beziehung, schafft eine besondere Nähe. Vielleicht kann man sagen: Wir sind Augen-Menschen", so Ansgar Puff.
Auch der Apostel Philippus sei so ein Augen-Mensch gewesen. "Komm und sieh", werde er beim Kennenlernen Jesu aufgefordert. Im jüdischen Verständnis sei klar: Gott kann man nicht sehen. Schon Mose wollte Gott sehen - umsonst. Deswegen sei Philippus verwundert und fordere, den Vater zu sehen.
Jesu Antwort "Ich und der Vater sind eins" mache deutlich: Es gebe noch eine viel intensivere Art, Gott zu begegnen, als ihn zu sehen. Es gebe eine tiefere Nähe, die die Distanz aufhebe, "und das ist das Eins-Sein aus Liebe." Eben diese Liebe lebe Jesus mit seinem Vater, betonte der Weihbischof in seiner Predigt im Kölner Dom: "Jesus ist das Gesicht Gottes".
Diese besondere Nähe, das tiefe Eins-Sein, schenke uns Jesus auch heute im Empfang der Eucharistie. "Manchmal staune ich darüber, aber oft denke ich auch: Das ist einfach zu groß, um es zu verstehen. Darum sagt Jesus mir im Herz: Glaub es doch."