Domkapitular Hans-Josef Radermacher hat in seiner Predigt am fünften Sonntag im Jahreskreis die Bedeutung und den Auftrag der Kirche für die Welt betont.
Für viele Zeitgenossen sei die Kirche heute eine Institution, die sich aus der Öffentlichkeit heraushalten solle. Zudem befinde sich die katholische Kirche auf dem Weg zur Minderheit. Jesus sage jedoch im Evangelium: "Ihr seid das Salz der Erde, ihr seid das Licht der Welt."
Wie ein Leuchtturm Orientierung geben
Rademacher erklärt, dass die Kirche nicht nur für sich und ihre Mitglieder da sei. Sie solle vielmehr wie ein Leuchtturm Orientierung geben und verhindern, dass die Welt verkommt. Dafür müsse sie jedoch "raus aus dem Schneckenhaus". Zugleich stellte Domkapitular Radermacher die Frage, ob dieser Anspruch auch heute noch gelte? In einer müden und sündigen Kirche? Darf sie sich nach den erschütternden Zahlen von Missbrauch und Vertuschung überhaupt noch zu Wort melden? Hat sie nicht selbst ihr Licht gelöscht?
Doch Jesus sage nicht, werdet Salz und Licht, sondern ihr seid das Salz und das Licht, betont Radermacher. Die Kraft der Kirche komme nicht aus der Heiligkeit der Christen, sondern von Gott selbst. Radermacher erinnert, dass die Kirche auch am Anfang klein gewesen sei, doch das Salz sei stark genug gewesen, um die Welt zu durchdringen.
Optimistisch bleiben
Trotz des Niedergangs der Kirche dürfe man optimistisch bleiben, weil Gott der Kirche sein Wort anvertraut habe. Das gelte nicht nur für die Tagespolitik, sondern für die Fundamente der Welt. Die Welt brauche Leuchttürme, die Orientierung geben.
In ihrer 2000-jährigen Geschichte habe die christliche Botschaft viel bewegt und zum Frieden beigetragen, sagte Radermacher. Wolle die Welt wirklich auf diesen Dienst verzichten? Auch eine Kirche in der Minderheit könne leuchten und heilen, weil der Herr selbst in ihr lebe. Zum Schluss erinnerte er die Gläubigen daran, dass Jesu Wort jedem Einzelnen gelte: "Ihr seid das Salz der Erde, ihr seid das Licht der Welt."