Weihbischof Ansgar Puff stellte in seiner Predigt am vierten Fastensonntag zunächst fest, dass das Evangelium auf den ersten Blick wie eine Heilungsgeschichte erscheine. Ein Mann, der von Geburt an blind ist, werde von Jesus geheilt. Jesus nehme Lehm, bestreiche damit die Augen des Mannes und sende ihn zum Teich Schiloach, damit er sich dort wasche. Der Blinde gehorche dem Auftrag, obwohl er den Sinn nicht verstehe. Als er zurückkomme, könne er sehen.
Doch nach Puff liegt das eigentliche Wunder nicht nur in der Heilung der körperlichen Augen. Entscheidend sei, dass sich dem Mann die "Augen seiner Seele" öffnen. Er erkenne, dass Jesus in Gottes Auftrag gehandelt hat und dass Gott sich um ihn kümmert. Damit beginne er zu sehen, dass Gott ihn liebt. Der Weihbischof erklärte, dass das Evangelium deshalb nicht nur von der Heilung der Augen im Kopf spreche, sondern von der Heilung der "Augen des Herzens". Mit dem Herzen erkenne der Mensch, wem er vertrauen könne, was ihm gut tue und wer ihn wirklich liebe. Es gehe im Kern um die Fähigkeit zum Glauben und zum Vertrauen auf Gott.
Die Liebe Gottes im Alltag
Parallel dazu beschrieb Puff eine gegenteilige Entwicklung: eine Geschichte der Erblindung. Die Pharisäer, die sich intensiv mit der Religion beschäftigten, untersuchten das Geschehen und kritisierten Jesus, weil er am Sabbat Lehm geknetet habe. Aus ihrer Sicht könne jemand, der den Sabbat breche, nicht von Gott kommen. Obwohl sie theologisch gebildet seien, könnten sie das Wirken Gottes in Jesus nicht erkennen. Ihr Misstrauen wachse weiter, bis sie sich schließlich gegen Jesus stellten.
Der Weihbischof richtete anschließend den Blick auf die Gegenwart und stellte die Frage, ob Menschen heute die Liebe Gottes im Alltag sehen oder übersehen. Das Evangelium zeige nach seiner Auslegung drei Schritte, die helfen können, diese Liebe zu erkennen: ein Ereignis, ein Wort Jesu und die eigene Reaktion.
Ereignis, Wort Jesu und Reaktion
Ein Ereignis könne sowohl etwas Belastendes als auch etwas Beglückendes sein. Es könne eine Krankheit sein oder die Geburt eines Kindes. Gemein sei diesen Situationen, dass sie den Alltag unterbrechen und den Menschen aus Gewohnheiten herausführen. Beim Blindgeborenen sei dieses Ereignis das unerwartete Handeln Jesu gewesen. Damit solche Situationen nicht in Ratlosigkeit enden, brauche es nach Puff ein Wort Jesu. Dieses könne etwa beim Lesen der Bibel entdeckt werden. Wer in einer schwierigen oder neuen Situation ein Wort der Schrift lese, könne darin einen Hinweis finden, der hilft, das Geschehen zu verstehen.
Der dritte Schritt sei die persönliche Reaktion. Der Mensch bleibe frei und müsse entscheiden, ob er sich dem Wort anvertraue oder sich dagegen stelle. Der Blindgeborene entscheide sich, dem Wort Jesu zu folgen und zum Teich zu gehen. In diesem Gehorsam entstehe das Wunder. Zum Abschluss betonte Puff, dass diese Erfahrung auch heute möglich sei. Wenn Menschen Ereignisse ihres Lebens im Licht eines Wortes Gottes betrachten und darauf antworten, könnten sich die "Augen des Herzens" öffnen. Dann beginne der Mensch zu sehen, dass Gott ihn begleitet und liebt. Dieses Sehen führe zu Vertrauen und Freude.