Beim Abschlussgottesdienst des 104. Katholikentags in Würzburg hat Bischof Heiner Wilmer den Blick auf Kriege und Not gelenkt. Angesichts der Lage im Sudan rief der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz dazu auf, Hoffnung nicht als Rückzug zu verstehen, sondern als Auftrag zum Handeln.
Mit einem Blick auf die Krisen der Welt begann er seine Predigt. "Die Welt brennt", sagte er und nannte den Sudan als Beispiel. Dort spiele sich derzeit eine humanitäre Katastrophe ab: 32 Millionen Menschen seien auf Hilfe angewiesen, 12 Millionen seien auf der Flucht. Diese Zahlen dürften nicht abstrakt bleiben, sondern müssten als Schicksale einzelner Menschen wahrgenommen werden – als die Gesichter der Kinder, der Mütter, oder der alten Männer, die dort leiden, hungern und um ihr Leben fürchten.
Brandherde löschen - aber wie?
Bischof Wilmer stellte die Situation im Sudan der Erfahrung des Katholikentags in Würzburg gegenüber. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer hätten Tage voller Begegnungen erlebt. Zugleich seien sie Teil einer Welt, in der Menschen leiden. Daraus folge Verantwortung. "Brandherde löscht man nicht durch Zuschauen", sagte Wilmer.
In diese Lage hinein stellte er das Wort Jesu aus dem Johannesevangelium: "Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart." Der Name Gottes bedeute in seiner hebräischen Deutung: "Ich bin für euch da." In Jesus leuchte diese Zusage auf. Er stehe für Versöhnung und Frieden. Dieser Name Gottes sei keine Formel, sondern Gegenwart und Auftrag.
Geboren um zu handeln
Aus dieser Zusage erwachse für Christen die Kraft zum Handeln. Wilmer betonte: Menschen seien nicht geboren, um zu verzweifeln, sondern um zu handeln, Brandherde zu löschen und Frieden zu stiften. Der Glaube befähige dazu, mitten in der Welt Verantwortung zu übernehmen - nicht neben dem Leid, sondern im Leid, in Kriegen, Städten und Familien.
Mit Bezug auf den Römerbrief sprach Wilmer von Hoffnung als Gabe und Aufgabe. Wer hofft, sehe die Wirklichkeit und wolle sie zur Liebe hin verändern. Hoffnung bedeute nicht, den Ausgang schon zu kennen, sondern aufzustehen und den nächsten Schritt zu gehen.
Keine Angst vor dem "Schmutz der Straße"
Der Bischof beschrieb die Kirche als Gemeinschaft, die ihre engen Kreise verlassen müsse. Christen sollten keine Angst vor dem "Schmutz der Straße", dem Durcheinander der Welt oder einer „verbeulten Kirche“ haben. Eine Kirche, die hinausgehe und Brandherde löschen wolle, werde müde, angegriffen oder missverstanden werden, aber sie werde leuchten.
Wilmer verwies auch auf Papst Leo XIV. als Anwalt des Friedens. Christsein heiße, sich nicht einschüchtern zu lassen und Gottes Friedensliebe sichtbar zu machen. Die Feuer des Krieges sollten sich in Friedenslichter wandeln.
Zum Schluss verdichtete Wilmer seine Predigt zu einem Appell: Die Welt brenne, sei aber nicht verloren. Gott schenke Kraft, Geduld und Ausdauer. Deshalb sollten Christen nicht warten oder zögern, sondern hinschauen, anpacken und losgehen.