Bischof Luis Flavio Cappio (Archiv, 2013)
Bischof Luis Flavio Cappio (Archiv, 2013)

04.10.2021

Brasilianischer "Umweltbischof" Cappio erreicht Altersgrenze Bischof von Barra wird 75

Seit Jahrzehnten engagiert sich Luis Flavio Cappio sozial und politisch. Er kämpft für die Umwelt und die Menschenrechte der indigenen Bevölkerung in seiner Heimat Brasilien. An diesem Montag feiert der Bischof von Barra seinen 75. Geburtstag.

Der Franziskaner erreicht damit die Altersgrenze, mit der Bischöfe dem Papst gemäß dem Kirchenrecht ihren Amtsverzicht anbieten müssen; oft belässt dieser die Leiter wichtiger Diözesen noch einige Zeit darüber hinaus im Amt. Wie der auch "Amazonasbischof" genannte Österreicher Erwin Kräutler (82) steht Bischof Cappio in besonderer Weise für das soziale und politische Engagement der Kirche in Brasilien.

Am 4. Oktober 1946 in eine wohlhabende Familie im Bundesstaat Sao Paulo geboren, trat Cappio nach seinem Theologie- und Wirtschaftsstudium in den "Bettelorden" der Franziskaner ein. 1971 geweiht, wirkte er bis 1974 als Arbeiterpriester in der Millionenstadt Sao Paulo. Danach ging er als Seelsorger in eine arme Region des nordöstlichen Bundesstaates Bahia. Papst Johannes Paul II. ernannte ihn 1997 zum Bischof von Barra, einer armen Gegend am Rio Sao Francisco.

Einsatz für den Rio Sao Francisco

International bekannt wurde Cappio, als er 1992 mit drei weiteren Aktivisten über ein ganzes Jahr eine Wallfahrt von der Quelle bis zur Mündung des 2.700 Kilometer langen Rio Sao Francisco machte, um auf die Probleme des Flusses und seiner Anwohner hinzuweisen. 2005 und 2007 trat der Bischof zweimal in den Hungerstreik, um gegen ein milliardenteures Umleitungsprojekt des Sao Francisco zu protestieren.

Das 2007 von Ex-Präsident Luiz Inacio Lula da Silva gestartete Riesenprojekt sollte bis zu zwölf Millionen Menschen mit Wasser versorgen, droht aber inzwischen zu einem Milliardengrab und zu einer ökologischen Katastrophe zu werden. Ein 400 Kilometer langer Nordkanal soll das Flusswasser aus dem Teilstaat Pernambuco hoch nach Ceara bringen; der Ostkanal soll bis nach Paraiba reichen. Die Baukosten stiegen seither auf das Dreifache.

Riesenprojekt bedroht ökologisches Gleichgewicht

Das Projekt leidet unter anderem an nicht fertiggestellten Etappen, fehlenden Pumpen sowie Problemen mit Dämmen und Kanälen. Die Sonneneinstrahlung zersetzt bereits an vielen Stellen den Beton. Wegen fehlender Klärwerke vermischen sich ungereinigte Abwässer mit dem Flusswasser. Der Bau sollte 2012 fertig werden; derzeit geht man von 2022 aus.

Bischof Cappio hatte bereits im Vorfeld erklärt, der Bau von Zisternen sei deutlich effektiver und günstiger als die Umleitung des Flusses. Zudem bedrohe die Wasserentnahme das ohnehin angeschlagene ökologische Gleichgewicht. Immer wieder kritisierte Cappio, die riesigen Wasserprojekte in Brasilien beruhten auf völlig veralteten Technologien.

(KNA)

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