Rom statt Jerusalem: Das "Studienjahr" muss umziehen
Rom statt Jerusalem: Das "Studienjahr" muss umziehen
Pater Nikodemus Schnabel
Pater Nikodemus Schnabel

17.08.2020

Studienjahr muss von Jerusalem nach Rom umziehen "Gesundheit und Vernunft gehen vor"

In Jerusalem zu studieren, ist für Theologiestudierende ein absolutes Highlight. Wegen der Corona-Pandemie muss das theologische Studienjahr der Benediktinerabtei Dormitio in Jerusalem jedoch vorerst von dort nach Rom umziehen.

DOMRADIO.DE: Für deutsche Studierende ist das Studieren in Jerusalem leider wegen der Corona-Pandemie nicht möglich. Warum genau geht das nicht?

Pater Nikodemus Schnabel OSB (Studienpräfekt des Theologischen Studienjahres Jerusalem): Wir hoffen, dass es noch möglich wird. Vielleicht kann ich schon Hoffnung verbreiten. Das Studienjahr fängt in Rom an, soll aber nicht nach Rom verlegt werden, sondern, wenn sich die Corona-Infektionszahlen ändern, nach Jerusalem umziehen.

Es geht einfach um Verantwortung. Wir haben in Israel und Palästina momentan wirklich eine Explosion von Fällen. Es gibt viele Neuinfektionen und das Robert-Koch-Institut hat eine Liste, wonach Länder beurteilt werden. Und da entspricht Israel sozusagen der Farbe rot. Das Auswärtige Amt und der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) haben auch entschieden: Nein, in dieser Situation können wir keine deutschen Studierenden dorthin schicken. Wir müssen einfach schauen, dass sich die Situation zum Guten verändert. Deswegen gibt es jetzt die Lösung, in Rom anzufangen.

DOMRADIO.DE: Wie ist die Entscheidung denn bei den Studierenden aufgenommen worden? Die haben sich ja auf Jerusalem erstmal gefreut, oder?

Schnabel: Natürlich, aber ich sage mal: Jeder kriegt ja mit, in was für Zeiten wir leben. Die Alternativen wären gewesen, es ganz ausfallen zu lassen oder alles virtuell über Videokonferenzen zu machen. Ich glaube, da haben wir alle genug von. Dieser Kompromiss kommt ja nicht, weil wir einfach mal Lust dazu haben und sagen "warum nicht mal Rom", sondern es ist die Möglichkeit, wie das Studienjahr unter diesen besonderen Umständen, unter denen die ganze Welt gerade ächzt, stattfinden kann.

Wir haben auch schon kommuniziert, dass das Studienjahr dieses Jahr später anfängt, nämlich am 15. September. Das Studienjahr hätte eigentlich schon längst begonnen. Es startet traditionell im August und geht bis Ostern. Wir haben aber schon im Frühjahr entschieden, dass wir das Studienjahr diesmal bis Pfingsten laufen lassen und entsprechend später anfangen.

DOMRADIO.DE: Die Deutsche Bischofskonferenz und der Deutsche Akademische Austauschdienst finanzieren dieses Studienjahr. Waren die mit der Verlegung sofort einverstanden?

Schnabel: Der DAAD, also der Hauptfinanzier, ist sogar der, der die Entscheidung letztlich getroffen hat. Die haben sich natürlich auch abgestimmt und haben dann lange darüber beraten. Die haben sich die Entscheidung auch nicht einfach gemacht. Das Direktorium hat so entschieden, und wie gesagt, ich kann das vollkommen nachvollziehen. Gesundheit geht vor. Vernunft geht vor.

DOMRADIO.DE: Man könnte aus Not auch eine Tugend machen. In Rom zu studieren, ist sicher für Theologiestudentinnen und -studenten nicht das Schlimmste, was sie sich vorstellen können, oder?

Schnabel: Ja, absolut. Ich glaube, dass dieses Studienjahr eine ganz besondere Chance sein wird. Ich bin optimistisch veranlagt. Das Studienjahr soll ja noch möglichst nach Jerusalem ziehen. Und ich glaube, ein Studienjahr, das zum Teil in Rom beginnt und dann nach Jerusalem zieht, kann diese beiden total spannenden Städte zum Klingen bringen. Wir sind ja quasi am Mittelmeer. Das heißt, die Städte sind eigentlich verwandt, haben viel Geschichte gemeinsam.

Wir haben ja ein ökumenisches Programm, für evangelische und katholische Studierende gemeinsam. Wir haben die Schwerpunkte Judentum, Islam, Archäologie und Bibel. Das geht natürlich auch in Rom. Das Spannende wird sein, diese beiden Städte in den Dialog zu bringen. Die Erfahrung für unsere christlichen Theologie-Studierenden wird sein, in einer Stadt zu leben, wo das Christentum überdominant ist, das Judentum und der Islam in Minderheit leben, und dann in eine Stadt zu kommen, wo das Christentum eine ganz kleine Minderheit ist, Judentum und Islam ganz dominant sind.

Ich glaube, diese Dialoge können ganz spannende Ergebnisse erzielen. Ich freue mich darauf, und ich glaube, das kann ein ganz tolles, besonderes Studienjahr werden.

DOMRADIO.DE: Sie sind Studienpräfekt für die Studierenden. Was sind da Ihre Aufgaben?

Schnabel: Ich habe eine Doppelfunktion: Ich bin einerseits der Delegierte von Sant'Anselmo in Rom. Das ist, finde ich, auch eine Chance, dass wir zum ersten Mal in unserer Mutterhochschule in Rom sind. In Sant'Anselmo wird das Studienjahr  beginnen. Das ist meine eine Aufgabe.

Die andere Aufgabe als Studienpräfekt kann man so beschreiben: Ich bin der "Verbindungsoffizier" zwischen meinem Kloster und den Studierenden. Oder man kann auch sagen, so eine Art Spiritual. Also, ich schaue einfach, dass das Studienjahr auch eine geistliche Erfahrung wird. Das ist ja eigentlich das, wofür das Studienjahr steht. Wir machen ein geistig-geistliches Programm. Das heißt, wir machen Wissenschaft und Theologie auf höchstem Niveau, kritisch, so, wie sich es gehört. Aber das Studienjahr ist ja im Schatten unserer Benediktinerabtei in Rom und soll die Chance bieten, das mit dem Glauben, mit der eigenen Biografie zu verbinden. Das ist insbesondere mein Job. Für die wissenschaftliche Exzellenz sorgt unsere Studiendekanin, die Alttestamentlerin Prof. Dr. Johanna Erzberger.

DOMRADIO.DE: Die Theologiestudierenden können sich auf Rom freuen. Das wird ein besonderes Studienjahr für Sie und für die Studentinnen und Studenten. Worauf freuen Sie sich ganz besonders?

Schnabel: Ich freue mich, dass es anfängt. Das meine ich ganz ehrlich, weil ich glaube, dass diese ganze Corona-Zeit, dieses ganze Gefühl, ausgebremst zu sein, aufhören muss. Die Fragen, ob das auch klappt und dieses Zittern, ob das Studienjahr stattfinden kann, müssen ein Ende haben. Da bin ich jetzt einfach dankbar, dass ganz, ganz viele da mitgewirkt haben und dass es überhaupt möglich ist - wenn auch mit diesem sehr originellen Beginn.

Ich mag einfach originelle Wendungen. Ich mag auch Herausforderungen, und ich freue mich einfach selbst und werde jetzt mal in Rom versuchen, unser Studienjahr dort zu adaptieren, dort irgendwie auch zu übertragen. Es wird sicher eine große Herausforderung, aber das mag ich. 

Das Interview führte Dagmar Peters.

(DR)

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