Kardinal Anders Arborelius (l.)
Kardinal Anders Arborelius (l.)
Leere Straßen in Schweden: Die Regierung setzt auf Freiwilligkeit.
Leere Straßen in Schweden: Die Regierung setzt auf Freiwilligkeit.

03.04.2020

Kardinal Arborelius über Schwedens Corona-Sonderweg Mittels Freiwilligkeit aus der Krise?

Die Kitas und Schulen sind geöffnet, die Skigebiete eingeschränkt in Betrieb: Schweden regelt die Corona-Pandemie anders als die meisten Länder. Bislang funktioniert das noch ganz gut, sagt Anders Kardinal Arborelius im Interview.

DOMRADIO.DE: Wie geht es Ihnen im Moment?

Anders Kardinal Arborelius (Erzbischof von Stockholm): Ich fühle mich gut, ich bin gesund. Aber halte mich abseits, ich bin ja über 70 Jahre alt; und alle älteren Leute sind ja gebeten, sich weitgehend aus dem öffentlichen Leben herauszuhalten.

DOMRADIO.DE: Die Einschränkungen sind ansonsten bislang gering. Wenn Sie sich jetzt Stockholm ansehen, welches Bild ergibt sich für Sie?

Arborelius: Es gibt schon weniger Leute in den Bussen und der U-Bahn, auch auf den Straßen. Aber jetzt hatten wir schönes Wetter, und da waren viele Leute unterwegs, um nach dem Winter die Sonne zu genießen.

DOMRADIO.DE: Wenn Sie das sehen und dabei wissen, dass andere Länder soziale Kontakte komplett unterbinden – wie beurteilen Sie das?

Arborelius: Also, hier in Schweden hat man bis jetzt viel auf Freiwilligkeit gesetzt. Aber jetzt wird es allmählich strenger. Mehr als 49 Personen dürfen wir nicht zusammenbringen, gerade diese Woche haben wir beschlossen, keine öffentlichen Gottesdienste zu halten – wenn dann nur ganz bescheiden für kleine Gruppen, etwa Ordensschwestern. Auch zu Ostern gibt es keine größeren Gottesdienste bei uns.

DOMRADIO.DE: Was bedeutet das für die Seelsorge? In Deutschland ist das aktuell sehr schwierig…

Arborelius: Das ist natürlich die große Herausforderung. Für viele Leute ist das eine große Enttäuschung, aber wir versuchen über das Internet und andere Kanäle den Kontakt aufrecht zu erhalten. Und ich finde, dass das die meisten Menschen gut akzeptieren. Es sind jetzt andere Wege für das geistliche Leben offen. Aber gerade für Ostern ist es natürlich tragisch, dass wir die Ostergottesdienste nicht zusammen feiern können.

DOMRADIO.DE: Was haben Sie sich denn für Ostern überlegt?

Arboreilus: Wir werden aus dem Dom die Feiern übertragen und versuchen viele Gemeinden über das Internet zu erreichen, auch in verschiedenen Sprachen. Wir haben in Schweden ja eine katholische Gemeinschaft, die aus verschiedenen Sprachen besteht. Wir wissen, dass zum Beispiel unser Gottesdienstangebot auf Arabisch schon jetzt jeden Sonntag von etwa 3.000 Menschen genutzt wird.

DOMRADIO.DE: Aber einzelne Seelsorgebesuche sind theoretisch in Schweden noch möglich?

Arborelius: Krankenhäuser und Altenheime dürfen nicht betreten werden. Aber zu Hause kann man Kranke nach Möglichkeit besuchen. Dabei muss man natürlich sehr vorsichtig sein. Das ist für jeden eine Herausforderung, vorsichtig zu sein, aber dabei offen für die Nöte der Seelsorge zu sein.

DOMRADIO.DE: Also Schweden setzt viel auf Freiwilligkeit, was aus deutscher Sicht schwer zu verstehen ist. Bei uns versucht der Staat für alles Regeln zu finden, wieso funktioniert das in Schweden besser als bei uns?

Arborelius: Das ist schwer zu sagen, aber die meisten Schweden verlassen sich auf die Behörden und sind ziemlich gehorsam. Wir beobachten, dass die meisten Todesopfer in den ärmeren Regionen zu beklagen sind, dort wo viele Einwanderer wohnen, zum Beispiel bei den Somaliern, bei den Syrisch-Orthodoxen.

Also das Ganze hat auch eine soziale Komponente und eine sprachliche. Die Regelungen und Vorsichtsmaßnahmen sind vielleicht nicht für alle Leute hier in Schweden verständlich. Und deswegen haben wir Angst, denn es gibt hier viele nicht-registrierte Menschen. Das sind Menschen ohne Papiere, die ihr Geld nicht mehr in der Schwarzarbeit verdienen können.

Und die Botschaften überlegen sich jetzt, wie sie den Menschen, zum Beispiel aus der Ukraine, aus Lateinamerika helfen können, wenn das Einkommen wegbricht. Also es gibt auch soziale Nöte in dieser Hinsicht.

DOMRADIO.DE: Können Sie denn da als Kirche helfen?

Arborelius: Ja, wir versuchen das. Aber als kleine Kirche haben wir nicht so viele Möglichkeiten. Aber wir versuchen mit anderen Organisationen und öffentlichen Stellen zusammenzuarbeiten, das ist jetzt eine große Aufgabe in Schweden.

DOMRADIO.DE: Sie sind nicht nur Erzbischof von Stockholm, sondern auch Kardinal mit engen Kontakten in den Vatikan. Wie klappt das denn aktuell mit der Koordinierung, hinzureisen ist nicht möglich…

Arborelius: Ja, ich habe im Juni den nächsten Termin im Vatikan. Ich weiß nicht, ob das möglich sein wird, dort hinzukommen. Vielleicht müssen wir das dann auch digital lösen.

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch.

(DR)

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