Ein Pfarrer hält die Bibel in der Hand
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Abtreibungsgegner demonstrieren in Washington - "March for Life" (24.01.2020)
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Ein Plakat bei einer Pro-Life-Demonstrant in Washington
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14.02.2020

US-Pfarrer Bucci und sein Feldzug gegen Abtreibungsbefürworter Don Camillo und Peppone in Rhode Island - nur böser

Don Camillo und Peppone haben Nachahmer im wirklichen Leben gefunden. Im US-Bundesstaat Rhode Island leisten sie sich einen Schlagabtausch, der landesweit Aufmerksamkeit findet. Doch der Ausgang könnte bitterer werden.

Pfarrer Richard Bucci (72) lässt keinen Zweifel daran, was er von dem neuen Gesetz hält, das die Abgeordneten des Neuengland-Staates Rhode Island im Juni 2019 beschlossen haben. Der im Juni 2019 verabschiedete "Reproductive Privacy Act" sei ein schwerer Verstoß gegen die katholische Lehre und ein Angriff auf das menschliche Leben. Wer daran mitgewirkt habe, verdiene nicht, die Heilige Kommunion zu empfangen.

Gegen den erbitterten Widerstand der Kirche hatte der Senat von Rhode Island das Gesetz gebilligt. Es erleichtert Frauen Zugang zu Abtreibung und Verhütungsmitteln, schützt Ärzte vor Klagen und entbindet von der Verpflichtung, den Ehemann vor einem Schwangerschaftsabbruch zu informieren. Das Gesetz, so die Befürworter, setze eigentlich nur das Urteil des US-Verfassungsgerichts "Roe v. Wade" von 1973 um, das Abtreibung im Grundsatz legalisierte.

Kampagne Pfarrer Buccis gegen katholische Abgeordnete

Der Pfarrer der "Sacred Heart"-Kirche von West Warwick beließ es nicht dabei, seinen Zorn von der Kanzel zu predigen. Er knöpfte sich die Gesetzgeber persönlich vor. Dazu brachte er eine Liste mit 44 Namen katholischer Abgeordneter in Umlauf, die für das Gesetz gestimmt hatten. Darüber der Satz: "Im Einklang mit der Lehre der katholischen Kirche über die vergangenen 2.000 Jahre", so heißt es darin, "können folgende Mitglieder des Parlaments die Heilige Kommunion nicht empfangen". Laut Pfarrer Bucci dürfen die Personen auf der Liste nicht als Trauzeugen, Paten, Lektoren bei Hochzeiten und Beerdigungen oder in anderer kirchlicher Funktion tätig werden.

Persönliche Fehde des Pfarrers?

Die Demokratin Carol Hagan McEntee, die zu den Aufgelisteten und zugleich zur Gemeinde des erbosten Pfarrers gehört, vermutet mehr dahinter. "Das ist Rache an meiner Familie", meint sie und führt als angeblichen Grund an: Ihre Schwester Ann habe öffentlich gemacht, dass sie als Schülerin der katholischen Schule der "Sacred Heart"-Gemeinde von Buccis Vorgänger wiederholt sexuell belästigt worden sei. Es gehe dem Pfarrer in ihrem Fall weniger um das neue Gesetz, sondern um ihren Einsatz für Missbrauchsopfer.

Auch für den demokratischen Senator Adam Satchel ist der Vorfall sehr konkret. Er darf bei der Taufe seiner Nichte in "Sacred Heart" nicht wie geplant als Pate teilnehmen. Ganz besonders aber hat der "Don Camillo" von West Warwick Hagan McEntee im Visier. Bucci sorgte persönlich dafür, dass sie die Trauerrede für eine Familienangehörige nicht halten konnte - und die Beerdigung verlassen musste. Moderner als weiland Peppone in dem italienischen Filmklassiker konterte die Abgeordnete den Pfarrer: im TV-Sender CBS.

Kritikwürdige Aussagen Buccis

Das aber brachte Pfarrer Bucci nur noch weiter auf. Missbrauch und Abtreibung seien nicht vergleichbar, sagte er im Lokalfernsehen. "Pädophilie tötet niemanden - Abtreibung tut es." Mit diesem Satz erreichte er nicht nur nationale, sondern weltweite Aufmerksamkeit. Und eine weitere heftige Reaktion von Hagan McEntee. "Es ist eindeutig, dass er nicht versteht, worum es geht." Die Leben der Missbrauchsopfer seien zerstört; und vielen habe die Tat sehr wohl den Tod gebracht. "Sie starben an einer Überdosis oder durch Suizid."

Bischof hält sich raus

Das katholische Bistum Providence erklärte, es gebe detaillierte Anweisungen, wer welche Sakramente empfangen dürfe. Nach dem Kirchenrecht sei es "die Pflicht des Pfarrers, diese Regeln in seiner Gemeinde anzuwenden", sagte eine Sprecherin dem Lokalsender WJAR - und gab gleichzeitig zu verstehen, der Bischof werde sich nicht in die eskalierte Fehde nicht einmischen: "Die seelsorglichen Alltagsentscheidungen werden in den Ortsgemeinden getroffen."

Damit dürfte das Kräftemessen zwischen der geistlichen und der politischen Macht in Warwick noch eine Weile weitergehen. Beobachter fürchten, es werde nicht so ein versöhnliches Ende nehmen wie einst zwischen Don Camillo und Peppone. Damals winkte der kommunistische Bürgermeister seinem kirchlichen Gegenspieler mit ein wenig Wehmut hinterher, als dieser auf Weisung des Bischofs die Stadt verließ.

Bernd Tenhage
(KNA)

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