Argentiniens neuer Präsident trifft Kirchenspitze

Kritik an Plänen für straffreie Abtreibung

Die neue Linksregierung in Argentinien und die katholische Kirche wollen bei der Armutsbekämpfung zusammenarbeiten. In der Debatte um Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen gehen die Meinungen weit auseinander.

Abtreibung in Argentinien bleibt illegal / © Harald Oppitz (KNA)
Abtreibung in Argentinien bleibt illegal / © Harald Oppitz ( KNA )

Nur gut eine Woche nach Beginn seiner Amtszeit hat der neue argentinische Staatspräsident Alberto Fernandez die Spitze der katholischen Bischofskonferenz in Buenos Aires empfangen. Beide Seiten steckten bei dem Treffen ihre Reviere ab.

Kirche legte Protest ein

So nutzten die Bischöfe die Gelegenheit, um gegen die neue Regelung für Schwangerschaftsabbrüche zu protestieren. Die Bischöfe hätten ihre Überraschung und ihr Unbehagen über die Vorlage des Gesundheitsministeriums deutlich gemacht, hieß es in einer Stellungnahme des Episkopats nach dem Treffen im Casa Rosada, dem Sitz des argentinischen Präsidenten. Die neue Regelung würde praktisch jede Abtreibung autorisieren, heißt es in dem Schreiben. Die Kirche verteidige aber stets das Leben von der Empfängnis an.

Mitte Juni hatte das Abgeordnetenhaus der Gesetzesinitiative nach einer Marathonsitzung mit hauchdünner Mehrheit zugestimmt. Der damalige konservative Präsident Mauricio Macri hatte zuvor den Fraktionszwang seines Regierungsbündnisses "Cambiemos" freigegeben. Anschließend lehnte der Senat den Vorstoß allerdings ab. Gegner und Befürworter hatten zuvor ihre jeweiligen Lager zu Massendemonstrationen mobilisiert. Die seit wenigen Tagen im Amt befindliche Regierung hat nun eine neue Vorlage veröffentlicht, die Schwangerschaftsabbrüche liberalisiert. Ausgearbeitet wurde das Protokoll von Elizabeth Gomez Alcorta, einer Juristin und Feministin, die Argentiniens erstes Frauen- und Gleichstellungsministerium leitet.

Motivation für Chile und Brasilien

In Argentinien ist seit 1921 wie in vielen anderen lateinamerikanischen Ländern eine Abtreibung nach einer Vergewaltigung oder bei Lebensgefahr der Mutter legal. Schwangerschaftsabbrüche nach der Fristenregelung, wie in vielen europäischen Ländern zulässig, sind in Lateinamerika nur in Uruguay, Kuba und Mexiko-Stadt erlaubt. Die Debatte in Argentinien hat nun auch in Chile und Brasilien Frauenbewegungen motiviert, ähnliche Kampagnen zu starten. Argentiniens Feministinnen hatten im Wahlkampf das Fernandez-Lager unterstützt. Fernandez stellte eine neue Abtreibungsregelung angesichts vieler Todesfälle bei illegalen Schwangerschaftsabbrüchen in Aussicht.

Beim Treffen mit dem neuen Staatsoberhaupt mahnten die Kirchenvertreter dringende soziale Maßnahmen insbesondere angesichts der schwierigen Lebensmittelversorgung und des Hungers im Land an, wie es weiter hieß. Es sei nun notwendig, den Schwächsten der Gesellschaft Priorität einzuräumen. Die angespannte Wirtschaftslage führe dazu, dass immer mehr perspektivlose Jugendliche dem Drogenkonsum verfielen.

Fernandez identifiziert sich aufgrund von Franziskus mit der Kirche

Fernandez erklärte, keine andere Institution kenne die Probleme durch Hunger und Drogen so gut wie die Kirche, dank ihrer sozialen Arbeit. Die Regierung und die Kirche seien Verbündete, die nun zusammenarbeiteten. Er selbst habe sich noch nie so sehr mit der Kirche identifiziert wie seit Beginn des Pontifikats von Papst Franziskus, so der neue Präsident.

Kein Thema war laut argentinischen Medienberichten ein möglicher Besuch von Papst Franziskus in seinem Heimatland. Seit seiner Wahl zum Kirchenoberhaupt 2013 hat der erste Papst aus Lateinamerika Argentinien noch nicht wieder betreten. Vor wenigen Wochen erklärte Franziskus, auch 2020 sei ein Besuch wegen dringender anderer Verpflichtungen noch nicht geplant.

An dem Treffen nahmen neben dem Vorsitzenden der Argentinischen Bischofskonferenz, Bischof Oscar Vicente Ojea (San Isidro), auch dessen Stellvertreter, Kardinal Mario Aurelio Poli, Erzbischof von Buenos Aires, teil. An der Seite von Präsident Fernandez waren Außenminister Felipe Sola, Religionsminister Guillermo Oliveri sowie der Sekretär für strategische Angelegenheiten, Gustavo Beliz, bei dem Gespräch dabei.

Alberto Fernandez und Cristina Fernandez de Kirchner / © Fernando Gens (dpa)
Alberto Fernandez und Cristina Fernandez de Kirchner / © Fernando Gens ( dpa )
Autor/in:
Tobias Käufer
Quelle:
KNA
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