Schild mit der Aufschrift "Eritrea"
Schild mit der Aufschrift "Eritrea"

02.07.2019

Misereor: In Eritrea herrscht weiter ein Klima der Angst "Unter Beobachtung"

Vor einem Jahr hat Eritrea ein Friedensabkommen mit Äthiopien beschlossen. Doch noch immer bestimme laut Misereor ein Klima der Angst das ostafrikanische Land. Christen wie Muslime stünden unter Beobachtung, hieß es.

Im autoritär regierten Eritrea herrscht nach Einschätzung des katholischen Hilfswerks Misereor nach dem Friedensschluss mit Äthiopien weiter ein Klima der Angst. "Das Regime scheint hochgradig verunsichert wegen der politischen Öffnung in Äthiopien und des wachsenden Erwartungsdrucks in der eigenen Bevölkerung" - so schätzt Misereor-Geschäftsführer Martin Bröckelmann-Simon die Lage im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) ein. Er beklagt einen politischen Stillstand in Eritrea. Der 62-Jährige hatte das ostafrikanische Land zu Jahresbeginn besucht.

Katholische Einrichtungen beschlagnahmt

In Eritrea sind unter Präsident Isayas Afewerki nur vier Religionsgemeinschaften zugelassen, die streng überwacht werden. "Die Christen stehen wie die Muslime unter Beobachtung", sagte Bröckelmann-Simon. Aber die Beschlagnahme katholischer Hospitäler, Polikliniken und Gesundheitsstationen im Juni sei unerwartet gekommen. "Es hat vorher keine erkennbaren Anzeichen dafür gegeben", sagte der Misereor-Geschäftsführer. Noch sei der Status der 40 Einrichtungen nicht endgültig geklärt.

Das Regime verfolge gegenüber der katholischen Kirche seit langem eine Politik der Nadelstiche."Da wird den Kliniken verboten, Medikamente einzuführen, die Registrierung von Fahrzeugen wird verzögert, oder die Geldbeträge auf Konten werden beschränkt", sagte Bröckelmann-Simon. Nun seien katholische Kliniken geschlossen worden, und Patienten hätten ihre Behandlung abbrechen müssen.

Knapp 50 Prozent der Bevölkerung Christen

In Eritrea sind 49 Prozent der fünf Millionen Einwohner Christen, vor allem eritreisch-orthodoxer Konfession. Katholiken machen vier Prozent der Bevölkerung aus. Etwa 50 Prozent der Menschen bekennen sich zum Islam.

Die Eritreer knüpfen laut Bröckelmann-Simon hohe Erwartungen an den Friedensschluss. "Der Kriegszustand mit Äthiopien ist weggefallen, also auch der Grund, den gesamten Alltag zu militarisieren und den Nationaldienst für viele Menschen endlos auszudehnen", sagte er. "Die Mauer um Eritrea ist offen geworden, und die Frustration wächst, das kann auch in Gewalt enden. Das ist die große Sorge der katholischen Bischöfe Eritreas."

"Eritrea gilt für manche als ein Element von Stabilität"

Mit seiner geostrategischen Lage am Roten Meer befinde sich Eritrea in einer hochkomplexen Gemengelage. Bröckelmann-Simon nannte den Jemen-Krieg, den Konflikt zwischen Saudi-Arabien und dem Iran, den Krisenstaat Somalia, das instabile Äthiopien und die Auseinandersetzungen im Sudan. "Eritrea gilt für manche als ein Element von Stabilität am Horn von Afrika. Niemand möchte eine Eskalation riskieren. Aber das darf nicht der Vorwand sein, nicht gegen Menschenrechtsverletzungen zu protestieren", warnte er.

Elvira Treffinger

(epd)

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