13.04.2019

Nachfolger von Kardinal Ezzati bittet Opfer um Vergebung "Unendliche Schuld"

Der neue Übergangsleiter des Erzbistums Santiago in Chile, Bischof Celestino Aos, ist am Freitag mit Opfern sexuellen Missbrauchs durch Priester zusammengekommen. Er bat um Entschuldigung für die erlittene Gewalt der Opfer.

Nach chilenischen Medienberichten besuchte Bischof Celestino Aos den Sitz der Opfer-Initiative "Para la confianza" und bat um Entschuldigung für die erlittene Gewalt. Die Gründer der Initiative, James Hamilton, Juan Carlos Cruz und Jose Andres Murillo, lobten demnach die Geste, bekräftigten aber die Forderung nach konkreten Schritten.

Übergriffige Priester geschützt und Aufklärung behindert

Das Erzbistum Santiago steht im Mittelpunkt des landesweiten Missbrauchsskandals in Chile. Sowohl der Ende März in Ruhestand getretene Bistumsleiter Kardinal Ricardo Ezzati als auch dessen Vorgänger Kardinal Francisco Javier Errazuriz stehen unter dem Vorwurf, über Jahrzehnte übergriffige Priester geschützt und eine Aufklärung behindert zu haben.

Bischof Aos suchte das Zentrum von "Para la confianza" unmittelbar nach seiner Rückkehr aus Rom auf, wo er eine Woche lang mit Kurienmitgliedern und Papst Franziskus über die Lage der Kirche in Santiago beraten hatte.

Konkrete Taten zur Wiedergutmachung

Die Zeitung "La Tercera" zitierte den Opfervertreter Hamilton mit den Worten, Aos habe um Entschuldigung gebeten und von einer "unendlichen Schuld" gesprochen. Nach den Worten des Bischofs gehe es darum, einen Prozess der Wiedergutmachung zu beginnen. Dies sei zugleich der einzige Weg, wie die katholische Kirche Vertrauen wiedergewinnen könne.

Der Mitgründer der Initiative, Cruz, sagte "La Tercera", die Zeit der Worte sei vorbei; die vielen Opfer erwarteten "konkrete Taten".

Geforderte Entschädigung

Ende März hatte ein Berufungsgericht in Santiago eine Entschädigungsforderung von Cruz, Hamilton und Murillo für den erlittenen sexuellen Missbrauch für rechtens erklärt. Demnach muss die Kirchenleitung den drei Klägern umgerechnet je 130.000 Euro zahlen. Das Erzbistum Santiago teilte mit, man werde nicht gegen die Entscheidung vorgehen.

Tiefgreifende Kirchenreformen

Unterdessen sprach sich Aos in einem Interview der spanischen Zeitung "El Pais" erneut für tiefgreifende Kirchenreformen aus. Es gelte die "wirkliche Dimension der Taten zu begreifen", so der Bischof. "Sie anzuerkennen und der Wahrheit ins Gesicht zu sehen, nur das wird uns frei machen."

Auch müsse man fragen, wie es zu dieser "nicht zu rechtfertigenden" Situation habe kommen können. Aos räumte ein, in der Vergangenheit habe man diese Selbstprüfung "mit Lügen vollzogen, in dem Versuch, den guten Ruf der Kirche zu wahren".

(KNA)

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