Karin Kortmann
Karin Kortmann
Zweite Synodalversammlung
Zweite Synodalversammlung

11.10.2021

Kortmann zeigt sich von Roms Sicht auf Synodalen Weg enttäuscht "Hier geht es nicht nur um nette Treffen"

Wie sieht der Vatikan den Synodalen Weg in Deutschland? Und gibt es überhaupt Schnittmengen zwischen dem deutschen Reformweg und dem nun begonnenen synodalen Prozess der Weltkirche? ZdK-Vizepräsidentin Karin Kortmann gibt Antworten.

DOMRADIO.DE: Braucht die Kirche Priester? Soll das Zölibat weiterhin gelten? Sollen Bischöfe gewählt werden? Der Synodale Weg, der über Reformen in der Kirche in Deutschland berät, diskutiert teils über radikale Reformen. Parallel dazu hat am Wochenende der Synodale Prozess der Weltirche in Rom begonnen, der letzlich wegweisend für eine Veränderung in der katholischen Kirche sein wird. Der Synodale Weg stößt nicht nur auf Gegenliebe in Rom. Papst Franziskus hat die Eröffnung der Weltsynode auch mit einem Appell an die Einheit der Kirche begonnen. Betrachten Sie das auch als einen Appell an Deutschland?

Karin Kortmann (Vizepräsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken / ZdK): Ja, auf jeden Fall. Die Stimmen, die wir jetzt aus Rom hören, bedeuten ja, dass wir keine Mehrheitsentscheidungen treffen, wir sind keine parlamentarische Demokratie. Es wird sehr stark auf das Bischofsamt hingewiesen und damit auf die letzte Verantwortung.

Darüber kann man ja auch reden, aber dass es schon fast mantramäßig genannt wird, zeigt, welche Sorgen in Rom herrschen, dass sich Teilkirchen verselbstständigen und man eben nicht wahrnimmt, dass sich in unterschiedlichen Ländern auch kirchliche Strukturen verändern, entsprechend dem, was Gläubige auch gesellschaftspolitisch im Rahmen von Demokratie, Mitbestimmung, Teilhabe erreicht haben.

DOMRADIO.DE: Zum Konzept der Weltsynode gehört es, dass zunächst nicht über konkrete Themen gesprochen wird. Das soll sich auf dem Weg der kommenden zwei Jahre ergeben. Welche der Vorschläge, die zuletzt bei der Synodalversammlung in Frankfurt diskutiert worden sind, glauben Sie, werden in ähnlicher Weise unter den Bischöfen in Rom diskutiert werden können?

Kortmann: Ich weiß nicht, ob sie unter den Bischöfen diskutiert werden, aber die Stimmen der Gläubigen heißen doch "Lasst mehr Frauen in Leitungsämtern zu und überprüft doch bitte die Möglichkeiten einer kooperativen Gemeindeleitung" bis hin zu der Frage "Können auch Laien predigen?" Das Diakonat der Frau schwebt wie eine Wolke über allen Teilen der Weltkirche, ohne dass wir die Weltkirche infrage stellen.

Aber bei der Frage, was der Bedarf in den Ortskirchen ist und wie man darauf produktiv und konstruktiv reagieren kann, wünsche ich mir sehr, dass es nicht nur beim Hören bleibt und nachher alle mit geschwollenen Ohren da sitzen, sondern solche Prozesse auch zu Entscheidungen führen. Es kann nicht sein, dass diese nur von Bischöfen getroffen werden, denn dann sind wir bei dem, was wir bisher haben und dann wird sich nichts verändern.

DOMRADIO.DE: Aber trotzdem stellt sich die Frage, wie Synodaler Weg hier in Deutschland und der synodale Prozess im Vatikan zusammenspielen. Was können Sie sich da vorstellen? Welche Gespräche kann es da geben?

Kortmann: Wir haben eine Blaupause, die man vielleicht an der einen oder anderen Stelle übernehmen kann. Allein, dass sich Menschen des Glaubens zusammensetzen und sagen, dass sie einen zweijährigen oder zweieinhalbjährigen Prozess gehen, da sind wir deckungsgleich mit dem, was Papst Franziskus sagt. Wir hören aufeinander und teilen uns unsere Sorgen, Nöte und Wünsche mit und leiten daraus aber auch Entscheidungen ab. Also ein Prozess, der alle einbindet, ist glaube ich, das erste Wichtige.

Das Zweite ist, dass wir Beobachter und Beobachterinnen bei der Synodalversammlung aus anderen Nachbardiözesen und -ländern haben, die uns auf das aufmerksam machen, was bei ihnen diskutiert wird, was sie bei uns wahrnehmen. Der Dialog ist das Grundprinzip dieses Synodalen Wegs, das gehört dazu.

Und eben, dass Entscheidungen nachher nicht nur in einer bischöflichen Gemeinschaft getroffen werden, sondern dass die Transparenz des Weges auch die Transparenz der Entscheidung selbstverständlich mit einbezieht.

DOMRADIO.DE: Man hat anfangs gedacht, dass der Papst einige Veränderungen umsetzen würde. Meinen Sie, dass er tatsächlich die Kraft hat, grundsätzliche Dinge, die aus deutscher Sicht schief laufen, dann auch zu verändern?

Kortmann: Bisher habe ich nicht den Grund der Hoffnung. Wir haben mehrfach darum gebeten, ein Gespräch seitens des Synodalpräsidiums "Synodaler Weg" von der deutschen Seite mit Papst Franziskus oder Vertretern seiner Kurie zu bekommen. Das ist bisher nie aufgegriffen worden. Der Nuntius sitzt bei uns bei den Synodalversammlungen hörend dabei, gibt keine Wortmeldung ab. Ein dialogisches Prinzip ist etwas anderes.

Insofern hoffe ich sehr, dass Papst Franziskus verstanden hat, dass es nicht nur um nette Treffen geht, sondern dass hier mit brennender Sorge darauf geschaut wird, dass die Kirche so in eine Sackgasse läuft, in der sie auch keine gesellschaftspolitische Bedeutung mehr hat und die Gläubigen sich verschnupft und auch enttäuscht von diesem Machtapparat abwenden, der doch so viel Gestaltungsmöglichkeiten hätte und den wir so dringend sowohl in der Kirche, wie aber auch in der Gesellschaft benötigen.

Das Interview führte Carsten Döpp.

(DR)

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