Indonesierin Natania spricht über Weltsynode, Jugend und Frauen

"Wir müssen immer wieder dranbleiben"

Agatha Lydia Natania hat am Wochenende an der Eröffnung der katholischen Weltsynode im Vatikan teilgenommen. Die 26-jährige Indonesierin und Katholikin stellte sich am Rande der Eröffnung Fragen von Journalisten.

Agatha Lydia Natania / © Roland Juchem (KNA)
Agatha Lydia Natania / © Roland Juchem ( KNA )

KNA: Frau Natania, was erwarten Sie sich von dieser Weltsynode?

Agatha Lydia Natania (Mitarbeiterin des ASEAN Institute for Peace and Reconciliation Indonesia im Außenministerium in Jakarta und Geschäftsführerin der ASEAN Youth Organization): Junge Menschen müssen nach Gottes Willen beteiligt werden. Viele junge Menschen verlassen die Kirche, weil sie das Gefühl haben, die Kirche höre ihnen nicht zu. Aber jetzt können wir sagen: Die Tür ist offen, bring dich ein! Weil wir kreativ sind, viel Energie haben, können wir in diesem synodalen Prozess auch andere Menschen zusammenbringen.

KNA: Sie sagten, Sie würden nicht genügend gehört, Sie erwarten mehr. Was genau?

Natania: Meist werden wir nur gefragt, wie wir die Dinge erleben. Aber das reicht nicht. Wenn wir uns wieder und wieder treffen, einen kontinuierlichen Dialog führen, könnten wir berichten und evaluieren, was sich zwischenzeitlich tut und geändert hat. Diese Synode bietet die Chance, uns mit Bischöfen und anderen direkt, persönlich auszutauschen und ihnen unsere Ideen mitzugeben.

KNA: Braucht es Veränderungen?

Natania: Ja, aber das ist nicht leicht. Wenn wir uns bemühen, auch einmal in den Schuhen des anderen zu gehen, verstehen wir ihn besser, können uns besser einander unterstützen.

KNA: Wie geht das in Ihrem Land?

Natania: In Indonesien sind wir eine sehr multikulturelle Gesellschaft; interreligiösen und interkulturellen Dialog machen wir ständig. Wir Katholiken sind eine Minderheit; darunter leiden viele Jugendliche. Der synodale Weg könnte ihnen Schwung geben, sich mit anderen auszutauschen. Für Länder in Europa, die nicht diesen Hintergrund haben, ist das schwieriger.

KNA: Was sagen Sie alten Menschen, die fürchten, dass die Synode ein Chaos wird; dass plötzlich die Lehren der Kirche nicht mehr gelten könnten?

Natania: Diese Haltung schlug uns schon bei einem Nachtreffen zur Jugendsynode entgegen. Wir hatten das Gefühl: Okay, wir sind jetzt zwar hier, aber man will uns nicht wirklich. Es wird ein längerer Prozess, sich zu verständigen. Wir kommen mit frischen Ideen und Vorstellungen, und man sagt uns, das sei zu viel, zu schnell. Gut, dann wird es eben dauern - aber wir bleiben dran.

KNA: Was müsste sich in der Kirche ändern, damit sie anziehender für junge Menschen wird?

Natania: Das hängt sehr von örtlichen Gegebenheiten ab. Dort kann man am ehesten etwas machen, wenn man Jugendliche nicht nur aushelfen lässt. Auch mangelt es immer noch am Dialog zwischen Bischöfen, Priestern und jungen Menschen.

KNA: Haben Sie als Frau spezielle Erwartungen an die Kirche?

Natania: Junge Menschen wie Frauen sollten auch bei Entscheidungen mehr beteiligt werden. Schwester Nathalie Becquart (auf der Führungsebene) im Synodensekretariat etwa ist ein Anfang. Vielleicht gibt es bald mehr. Wie ich schon sagte: Wir müssen in kontinuierlichem Dialog bleiben und immer wieder schauen: Was hat sich geändert, wie geht es weiter?

KNA: Was genau wollen Sie in die Synode einbringen?

Natania: Wir wollen künftig an der Vorbereitung jeder Synode beteiligt werden und unsere Ideen einbringen. Nicht nur einmal gehört werden, sondern mitmachen, Initiativen mit ausarbeiten.

Das Interview führte Roland Juchem.

Autor/in:
Roland Juchem
Quelle:
KNA
Mehr zum Thema