Im Jahr 2014 wurde Papst Johannes Paul II. heiliggesprochen
Im Jahr 2014 wurde Papst Johannes Paul II. heiliggesprochen
 Papst Johannes Paul II. zeigt sich am 16. Oktober 1978 auf dem Balkon des Petersplatzes im Vatikan
Papst Johannes Paul II. zeigt sich am 16. Oktober 1978 auf dem Balkon des Petersplatzes im Vatikan
April 2014 Heiligsprechung Johannes XXIII. und Johannes Paul II.
April 2014 Heiligsprechung Johannes XXIII. und Johannes Paul II.
Plaket mit den Heiligen Pius X., Johannes Paul II. und Johannes XXIII., sowie Papst Franziskus und Papst Paul VI.
Plaket mit den Heiligen Pius X., Johannes Paul II. und Johannes XXIII., sowie Papst Franziskus und Papst Paul VI.

14.11.2020

Kirchenhistoriker fordert Umdenken bei Papst-Heiligsprechungen Wurde Johannes Paul II. zu schnell ein Heiliger?

Das Bild des Heiligen Papstes Johannes Paul II. hat Kratzer bekommen, seitdem es neue Erkenntnisse über Missbrauchs-Vertuschung gibt. Der Kirchenhistorker Klaus Unterburger fordert ein Umdenken, nicht nur, wenn es um JP2 geht. 

DOMRADIO.DE: "Santo Subito", so schnell wie kaum ein anderer wurde Papst Johannes Paul II. heiliggesprochen. Mit Blick auf die neuen Erkenntnisse, zu schnell?

Prof. Dr. Klaus Unterburger (Kirchenhistoriker Uni Regensburg): Als Forderung ist es zunächst mal ein Anliegen von vielen Gläubigen gewesen, die vor allem das Sterben dieses Papstes gesehen haben, das Leiden, das geduldige Leiden. Es gibt ganz klare Kriterien und Verfahrensregeln für einen solchen Heiligsprechungsprozess. Da ist die Frage, ob man sich nicht etwas mehr Zeit hätte lassen können, bevor man dann zur Heiligsprechung geschritten ist.

DOMRADIO.DE: Der Seligsprechungsprozess war ja in der Tat wegen der Nähe Johannes Pauls zum pädokriminellen Gründer der Legionäre Christi dann ins Stocken geraten. Aber es waren dann wohl andere Verdienste, die dann 2011 doch noch so Seligsprechung geführt haben. Welche sind das denn gewesen?

Unterburger: Da kann man natürlich ganz vieles aufzählen. Bei der Seligsprechung geht es ja prinzipiell nicht darum, dass jemand in allen Bereichen der perfekte Mensch ist. Es geht vielmehr darum, dass man im Glauben, Hoffnung, Liebe in den Tugenden, so herausragend dem Anruf der Gnade gefolgt ist, dass man sein Leben ganz dafür eingesetzt hat. Und das bezeugt man.

Aber die Frage ist, ob nicht doch in diesem Bereich der Papst, wie viele in der Kirche, ein Stück weit weggesehen hat oder das in der Ausübung seines Amtes falsch eingeschätzt hat. Da gibt es ja zahlreiche Fälle im Pontifikat Johannes Pauls II.

DOMRADIO.DE: Nun räumt der McCarrick-Bericht des Vatikans zwar eine Mitwisserschaft Johannes Pauls ein, verteidigt die aber gleichzeitig mit der Herkunft des Papstes aus dem ehemaligen Ostblock, wo es ja immer wieder Diffamierungskampagnen gegen kirchliche Würdenträger gab. Und außerdem habe McCarrick in einem Brief versichert, dass an diesen Anschuldigungen nichts dran sei. Klingt das nicht eher nach einer Entlastung?

Prof. Klaus Unterburger (Kirchenhistoriker Uni Regensburg): Ja, das klingt nach einer Entlastung und ist natürlich eine Struktur, die all diese Prozesse irgendwie begleitet. Da muss man immer abwägen zwischen Schutz der Opfer - oder der vermeintlichen Opfer - und Schutz der Täter - oder vermeintlichen Täter. Aber ich meine, man muss eben sagen, dass die Kirche ganz lange nach der Logik des Schutzes der Täter agiert hat, also grundsätzlich immer die Sorge hatte, dass das Ansehen der Kirche irgendwie geschmälert wird. Und natürlich spielt der Papst da irgendwie auch eine Rolle, aber das betrifft, glaube ich, ohnehin die gesamte Kirche. Und da musste man in den letzten Jahrzehnten extrem umlernen.

DOMRADIO.DE: Würde man das Leben eines jeden Heiligen lückenlos durchleuchten, dann müsste man vermutlich diese kritische Diskussion bei vielen Glaubensvorbildern führen. Muss man denn als Heiliger ein makelloses und vollkommen fehlerlosen Leben geführt haben?

Unterburger: Nein, das muss man ganz sicher nicht geführt haben. Und man muss auch bedenken natürlich, dass die Heiligen immer Kinder ihrer Zeit sind, dass sie natürlich von irgendwelchen selbstverständlichen Voraussetzungen, die in einem bestimmten Zeitalter niemand hinterfragt hatte, geprägt sind.

Aber da ist natürlich der Fall hier schon nochmal ein bisschen anders. Denn es geht nicht nur darum, dass der Heilige immer gute Absichten hatte, sondern es kommt ja auch auf die Taten drauf an. Die Ausübung des Papstamtes ist natürlich so eng mit dieser Persönlichkeit Johannes Pauls II. verbunden, dass es da auch nicht nur um irgendeinen Makel geht, irgendeine Schwäche, die vielleicht zeitbedingt war und die er nicht durchschauen konnte, glaube ich.

DOMRADIO.DE: Auch in den vergangenen Jahren wurden weitere Päpste des 20. Jahrhunderts selig- und heiliggesprochen, Johannes XXIII. und Paul VI. Viele Missbrauchsfälle in der Kirche haben sich auch in deren Zeit als Päpste ereignet. Wünschen Sie sich denn diesbezüglich auch eine Untersuchung in diese Richtung?

Unterburger: Das wäre absolut wünschenswert. Denn es ist mitnichten so, dass diese Phänomene erst in den letzten 20, 30 Jahren vorgekommen sind, sondern es gibt da eine lange Tradition in der Kirche. Natürlich ist unser Wissen um medizinische und psychologische Auswirkungen und Ähnliches gewachsen, aber ich glaube, es gehört einfach zu den strukturellen Bedingungen in der Kirche, die aufgearbeitet werden sollen. Und es wäre dringend wünschenswert, dass eben auch diese Bereiche, die ja teilweise unter dem Siegel des Beichtgeheimnisses sind, aber durchaus aktenkundig sind, aufgearbeitet werden.

DOMRADIO.DE: Es gibt auch die Forderung, dass die Kirche grundsätzlich davon absehen sollte, dass Päpste heiliggesprochen werden. Wie stehen Sie dazu?

Unterburger: Man kann der Praxis, dass Päpste ihre Vorgänger in dieser hohen Zahl heiligsprechen auch in gewisser Weise skeptisch gegenüberstehen, weil das doch eine Form des Selbst-Sakralisierung ist und man auch die Frage stellen kann, wie unbefangen man ist, wenn man selbst dem Vorgängerpapst doch den Aufstieg verdankt hat.

Auf der anderen Seite kristallisiert sich im Frömmigkeitsleben vieler Gläubigen auch die Rolle des Papstes. Das hat mit unserer Mediengesellschaft zu tun. Dann stellt sich auch die Frage, wenn es wirklich ein Anliegen der Gläubigen gibt, warum man das grundsätzlich verbieten soll. Ich wäre da auch vorsichtig, das grundsätzlich für unmöglich zu erklären.

Das Interview führte Dagmar Peters.

(DR)

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