Chefredakteur Ingo Brüggenjürgen
Chefredakteur Ingo Brüggenjürgen
Erzbischof Georg Gänswein und Papst Franziskus (r.)
Erzbischof Georg Gänswein und Papst Franziskus (r.)

05.02.2020

DOMRADIO.DE-Chefredakteur zur Beurlaubung von Kurienerzbischof Gänswein "Konsequent und richtig"

Papst Franziskus hat Erzbischof Georg Gänswein als Leiter des Päpstlichen Hauses beurlaubt. DOMRADIO.DE-Chefredakteur Ingo Brüggenjürgen spricht von einer konsequenten aber späten Entscheidung. 

DOMRADIO.DE: Die Meldung ist vom vatikanischen Presseamt bestätigt. Ist die Entscheidung überraschend?

Ingo Brüggenjürgen (Chefredakteur DOMRADIO.DE): Die Entscheidung zeichnete sich ab. Es gab bereits unmittelbar nach dem Hickhack um das Buch von Kardinal Sarah und Papst Benedikt ähnliche Meldungen. In dem Buch ging es um den Zölibat. Es wurde im Vorfeld des synodalen Schreibens zu Amazonas-Synode veröffentlicht und von vielen als Affront gegen Papst Franziskus bewertet.

In diesem Zusammenhang soll es in Santa Marta, wo der Papst beheimatet ist, lautstark zugegangen sein. Schon damals hieß es, dass Gänswein beurlaubt würde. Auf Intervention des emeritierten Papstes soll diese Entscheidung dann aber wohl noch einmal zurückgezogen worden sein.

Es kursiert auch noch eine weitere Begründung für die Beurlaubung Gänsweins. Die würde ich allerdings nur als schön erzählte Geschichte bewerten: Kardinal Reinhard Marx und der Vorsitzende des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg, sollen sich im Vorfeld des Synodalen Weges um einen Termin bei Papst Franziskus bemüht haben. Das soll von Gänswein verhindert worden sein. Das habe ich allerdings nicht bestätigt bekommen.

DOMRADIO.DE: Welche Aufgaben hatte Gänswein denn im Vatikan?

Brüggenjürgen: Ich würde sage, er war Diener zweier Herren - zwei Päpste kann man ja nicht sagen, denn wir haben keine zwei Päpste. Es gibt nur einen Papst. Gleichzeitig ist es aber so, dass Gänswein zwischen diesen beiden Herren immer hin und her pendelte. Das heißt, er war zum einen Präfekt des Päpstlichen Hauses. Das ist - salopp gesagt - ein besserer Türöffner im Päpstlichen Haus.

Er war also für Papst Franziskus im Einsatz, blieb aber natürlich immer noch Sekretär von Benedikt XVI. Seit 2003 war er zunächst dessen Privatsekretär, ab 2005 dann Päpstlicher Sekretär des Papstes Benedikt bis zu dessen Rücktritt. Und auch darüber hinaus blieb Gänswein Benedikts Sekretär. Insofern war er ein mächtiger Mann im Hintergrund, der viele Möglichkeiten hatte und der beiden Herren diente.

DOMRADIO.DE: Wie ist denn die Personalpolitik von Papst Franziskus jetzt zu bewerten?

Brüggenjürgen: Ich würde sagen, sie ist konsequent und richtig. Denn es hat in der Vergangenheit immer wieder Fälle gegeben, wo diese Sache nicht dienlich war. Die Kirche sammelt ja auch Erfahrungen. Es hatte bis dato eben diesen Fall nicht gegeben, dass ein Papst zurücktritt. Bei Johannes Paul II. war es so, dass das engste Umfeld nach dessen Tod zurück nach Polen geschickt wurde. 2013, nach dem Rücktritt von Papst Benedikt, waren die Personen in gewisser Weise alle noch da. Da gab es immer ein Hin und Her zwischen "altem" und "neuem" Papst.

Die saubere Trennung hätte man vielleicht - und das ist sicherlich ein Vorwurf an Papst Franziskus - schon früher durchziehen können. Aber wie das so ist: Wir sammeln alle Erfahrungen.

DOMRADIO.DE: Hat das nun Folgen für die deutsche Kirche?

Brüggenjürgen: Wir müssen natürlich feststellen, dass es für die deutsche Kirche ein schmerzlicher Schritt ist. Denn Kurienerzbischof Gänswein war ein wichtiger Türöffner für die deutsche Kirche - jemand, der zahlreiche Kontakte hatte und die auch nutzen konnte. Er ist sowieso eine schillernde Person. Die Medien haben ihn gerne als den schönsten Priester im Vatikan bezeichnet. Er hatte Freunde, aber er hatte - wie immer in solchen Positionen - auch deutliche Kritiker. Also, die einen klatschen im Moment Beifall, die anderen sagen: Was ist denn da passiert?

Das Interview führte Dagmar Peters.

(DR)

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