Petersdom mit dunklen Wolken am Himmel
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AIF-Direktor Di Ruzza (l.) und und Präsident Brülhart
AIF-Direktor Di Ruzza (l.) und und Präsident Brülhart

20.11.2019

Die Finanzaufsicht des Papstes verliert ihre Führung Transparenz-Krise im Vatikan

Die vatikanische Finanzaufsicht AIF erlebt die schwerste Krise seit ihrer Gründung 2010. Im Hintergrund stehen offenbar interne Machtkämpfe. Auf dem Spiel steht der mühsam verbesserte Ruf des Vatikan.

Die Krise des vatikanischen Finanzsystems tritt in ein neues Kapitel. Nachdem der Chef der Finanzaufsichtsbehörde AIF, der Schweizer Rene Brülhart, seinen Posten abgibt, kündigte laut Medienberichten der deutsch-französische Banker Marc Odendall an, den Leitungsrat verlassen zu wollen. Faktisch ist die Behörde führungslos. Bereits Anfang Oktober wurde ihr Direktor Tommaso Di Ruzza unter Umständen suspendiert, die auf einen Machtkampf zwischen Kurieneinrichtungen schließen lassen.

Die "Autorita di Informazione Finanziaria" (AIF) war Ende 2010 von Papst Benedikt XVI. (2005-2013) geschaffen worden, um Geldgeschäfte im Vatikan internationalen Transparenzstandards anzupassen. 2012 wurde Brülhart engagiert - damals stand der Vatikan beim US-Außenministerium auf einer Liste von Staaten, die wegen Verdachts auf Geldwäsche beobachtet werden.

Brülhart kämpft gegen Geldwäsche

Der Schweizer, der sich in Liechtenstein als Experte für den Kampf gegen Geldwäsche und Terrorfinanzierung international einen Namen gemacht hatte, brachte den Vatikan unter anderem in die Egmont-Gruppe, in der Länder weltweit Finanzinformationen austauschen. Innerhalb der vatikanischen Mauern setzte Brülhart ein Meldesystem für verdächtige Transaktionen auf und stieß eine interne Bereinigung bei der Vatikanbank IOR an - rund ein Viertel der Konten wurden geschlossen.

Rückschlag für Finanzaufsicht

Am 1. Oktober erlitt die Finanzaufsicht jedoch einen herben Schlag. Im Zusammenhang einer verlustreichen Investition des Staatssekretariats ließ die vatikanische Staatsanwaltschaft mehrere Büros durchsuchen und Beweismaterial sichern - darunter in der AIF. Durch eine undichte Stelle bei der Vatikanpolizei wurde bekannt, dass fünf Vatikanmitarbeiter suspendiert wurden, unter ihnen AIF-Direktor Tommaso Di Ruzza.

In internen Kreisen heißt es, Di Ruzza sei Opfer eines Machtkampfs der Vatikanbank und des Staatssekretariats geworden, das zwischen 2014 und 2018 einen dreistelligen Millionenbetrag mittlerer Höhe in einer Immobilienspekulation in London versenkte. Bis heute machte der Vatikan nicht publik, welche Vorwürfe gegen Di Ruzza erhoben werden.

In einem für den Vatikan ungewöhnlichen Vorgang verbreitete das Presseamt, das der Kontrolle des Staatssekretariats untersteht, am 23. Oktober eine Erklärung, in der sich die Leitung der AIF hinter Di Ruzza stellte und jegliches Fehlverhalten ihres Direktors bestritt. Seine Tätigkeiten seien "strikt institutioneller Art" und in Übereinstimmung mit den Statuten gewesen - sprich: der Mann habe nur seinen Job gemacht.

Brülhart wird entlassen

Am Montag teilte das Presseamt praktisch mit einem Nebensatz die Entlassung Brülharts mit. "Mit dem Ende des Mandats des derzeitigen AIF-Präsidenten" wolle der Papst einen Nachfolger ernennen, dessen Name nächste Woche bekanntgegeben werden solle. Am 19. November 2014 wechselte Brülhart vom Direktor zum Präsidenten; die Amtszeit dauerte fünf Jahre. Die verzögerte Nennung des Nachfolgers begründete der Vatikan mit dessen augenblicklicher Verpflichtung und mit "internen Verfahren". Ein mögliches Signal, dass der Führungswechsel doch nicht so geplant war.

Finanzaufsicht AIF in einer Krise

Am Montagabend erklärte Odendall, eines von vier Mitgliedern im Leitungsrat der Finanzaufsicht, laut Medienberichten seinen Rücktritt. Als Motiv gab er an, die AIF sei für ihn sinngemäß funktionslos geworden. Das vatikanische Presseamt ließ telefonische und schriftliche Anfragen mit Bitte um Stellungnahme am Dienstag unbeantwortet.

Erst vergangene Woche ernannte der Papst den Jesuitenpater Juan Antonio Guerrero zum Nachfolger von Kardinal George Pell als Präfekt des Wirtschaftssekretariats; eines der einflussreichsten Ämter im Vatikan. Pell, inzwischen wegen sexuellen Missbrauchs von einem Gericht in seiner australischen Heimat verurteilt und vor einem Berufungsverfahren, hatte als gestandener Kardinal schwere Kämpfe in der Kurie auszufechten. Inwieweit sich der neue Finanzchef und Quereinsteiger Guerrero durchsetzen wird, steht dahin.

Der Vize-Posten im Wirtschaftssekretariat und die Stelle des Wirtschaftsprüfers im Vatikan sind weiterhin unbesetzt. Zusammen mit den Turbulenzen in der Finanzaufsicht zeigen sich die Organe, die im Vatikan über Transparenz wachen sollen, in einer schwierigen Verfassung.

Burkhard Jürgens
(KNA)

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