Kardinal Konrad Krajewski, Almosenpfleger Seiner Heiligkeit
Kardinal Konrad Krajewski, Almosenpfleger Seiner Heiligkeit

15.05.2019

Was die unerlaubte Aktion von Kardinal Krajewski bedeutet Ein Kardinal unter Strom

Ein Kardinal bricht das Gesetz und schaltet in einem besetzten Haus in Rom den Strom wieder an. Egal, ob als Beauftragter für Armenfürsorge oder Gesetzesbrecher, die Geschichte sagt viel über die politische Agenda von Papst Franziskus.

Als Kurienkardinal Konrad Krajewski das Licht anmachte, dachten die Hausbewohner, Gott persönlich sei am Werk. Quasi so wie es in der Bibel steht: "Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht". So geschah es in einem besetzten Haus im Zentrum von Rom. Doch es war nicht Gottes Hand, sondern die des Almosenmeisters des Papstes, der in den Kellerraum ging, die Sicherungsplomben entfernte und das besetzte Haus zum Leuchten brachte.

Unerlaubte Handlung

Nun mag es noch keine große Nachricht sein, wenn der oberste Armutsbeauftragte des Vatikans Bedürftigen hilft. Doch der polnische Kardinal Konrad Krajewski hat sich über das Gesetz hinweggesetzt - und zugleich ein deutliches politisches Zeichen gesetzt. Der gesetzesbrechende Geistliche ist zum Symbol für Solidarität und Menschlichkeit in einem Land aufgestiegen, in dem vor allem der rechte Innenminister Matteo Salvini mit Hetze gegen Migranten den Ton angibt.

In dem Haus "Spin Time" wohnen mehr als 400 Menschen, viele Familien, viele Ausländer, darunter rund 100 Kinder. Sie haben die Rechnungen für Strom und Wasser nicht bezahlt. Deshalb hat ihnen der Netzbetreiber letzte Woche Strom und warmes Wasser abgestellt.

Überall in Rom – ja in ganz Italien – gibt es diese Häuser, sie heißen auch "centri sociali" und sind so etwas wie soziale Treffpunkte. Oft sind sie organisiert von linken Aktivisten. Manchmal schlimm heruntergekommen, manchmal aber auch fast wohnlich. Vor allem den Rechtspopulisten in der Regierung sind sie ein Dorn im Auge.

"Spiegel eines ganzen Pontifikats"

Für viele ist die Geste des Vatikans nun eindeutig ein Zeichen, dass sich der Chef des Hauses – nämlich Papst Franziskus – endgültig aktiv in die Politik einmischt. Die römische Zeitung "Il Messaggero" sieht in der Strom-Aktion gar einen "Spiegel eines ganzen Pontifikats". Franziskus predigt seit seinem Amtsantritt eine Kirche für die Armen. Nahe am Menschen. Geld, Machtgier und Protz auch in der Kirche verpönt er. Und vor allem setzt er sich ein ums andere Mal für Migranten und gegen Nationalismus und Rassismus ein. Die Kirche müsse dem "populistischen Narrativ von Hass und Furcht" eine positive Botschaft entgegensetzen, lautet das Motto des Argentiniers.

Um diese Botschaft zu untermauern, traf er vorige Woche auch Sinti und Roma im Vatikan. Die waren zuletzt in der römischen Peripherie mit Hitlergruß und mit heftigen Protesten vertrieben worden. Salvini will sie "mit dem Bagger" am liebsten gleich ganz wegschaufeln und nennt sie auch schon mal "Würmer". In Italien ist die Wortwahl nicht mal mehr ein Skandal.

"Bürger zweiter Klasse"

"Die wahren Bürger zweiter Klasse sind diejenigen, die Menschen beiseiteschieben: Das sind Bürger zweiter Klasse, weil sie nicht zu umarmen wissen", sagte der Papst bei dem Roma-Treffen. Später protestierten Anhänger der neofaschistischen Partei Forza Nuova in der Nähe des Petersplatzes gegen Franziskus.

Auch hinter dem Elektriker-Einsatz des Kardinals stecke Franziskus, um eine Botschaft in die Welt zu senden, sagte der Kirchenhistoriker Francesco Margiotta Broglio dem "Messaggero". Und der zweite Mann im Vatikan, Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, erklärte, mit der Aktion solle "die Aufmerksamkeit auf ein reales Problem gelenkt werden, das Menschen, Kinder, Alte betrifft".

Salvini - der sich gern als gläubiger Katholik mit Rosenkranz zeigt - beeindruckte das Signal von oben wenig. "Wenn sie im Vatikan die Rechnungen für alle Italiener in Schwierigkeiten zahlen wollen, sollen sie uns die Kontonummer geben", sagte er. "Illegalität zu unterstützen, ist nie eine gute Botschaft." 

Was dem Almosenmeister nun für Konsequenzen drohen, steht noch nicht fest. Krajewski erklärte jedenfalls, dass er jede Strafe zahlen werde.

Annette Reuther
(dpa)

Sommertour Pilgern Zwei Null 19

12 Dome in 12 Tagen: Die multimediale Radpilgertour!

Sommer-Gewinnspiel

Ab dem 15. Juli wochentäglich: unser multimediales Sommer-Gewinnspiel. Kirchengeräusch anhören, erraten und gewinnen!

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

  • Tageskalender
  • 20.07.
06:30 - 11:00 Uhr

DOMRADIO Der Samstag

  • 74. Wallfahrt der Schlesier nach Annaberg bei Haltern am See
  • 50 Jahre Mondlandung – ein spirituelles Ereignis?
10:15 - 10:20 Uhr

Alle Wetter!

11:00 - 16:00 Uhr

DOMRADIO Der Samstag

  • 12 Tage, 12 Dome – Pilgern ZWEI NULL 19
  • Ihre Musikwünsche
11:11 - 11:15 Uhr

Wort zum Samstag

11:00 - 16:00 Uhr

DOMRADIO Der Samstag

  • 12 Tage, 12 Dome – Pilgern ZWEI NULL 19
  • Ihre Musikwünsche
19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

  • 50 Jahre Mondlandung
  • 74. Wallfahrt der Schlesier nach Annaberg bei Haltern am See
Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

DOMRADIO.DE auch auf Alexa

Gottesdienste, Nachrichten und das Evangelium – jetzt täglich auch auf Ihrem Echo und Echo Show!

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…

Der tägliche Impuls von Weihbischof Puff

Morgenimpuls mit Schwester Katharina

Schwester Katharina Hartleib aus Olpe begleitet Sie mit spirituellen Impulsen in den Tag. (Achtung: Sommerpause ab 1. Juli)