Symbolbild: Der Ringkuss hat Tradition in der katholischen Kirche
Symbolbild: Der Ringkuss hat Tradition in der katholischen Kirche
Ulrich Nersinger trifft Franziskus
Ulrich Nersinger trifft Franziskus

28.03.2019

Diskussion um verhinderte Papst-Handküsse Warum zog Franziskus die Hand weg?

Gläubige Christen versuchen den Ring von Papst Franziskus zu küssen, doch der zieht mehrmals abrupt seine Hand weg: Ein Video von Papst Franziskus sorgt für Diskussionsstoff. Vatikan-Experte Ulrich Nersinger mit einem Klärungsversuch.

DOMRADIO.DE: Bei der Zeremonie im italienischen Wallfahrtsort Loreto begrüßten am Montag mehr als 100 Menschen den Papst. Dabei sieht man in einer Video-Sequenz, wie Franziskus bei mehr als 20 von ihnen die Hand wegzieht und manche auch davon abhält, niederzuknien. Ich versuche mich mal in den Audienzgast hinein zu versetzen. Ich bin gut katholisch, habe einmal im Leben die Chance, den Papst zu treffen. Ich will alles ganz richtig machen, will ihm den Ring küssen und der Papst zieht dann einfach die Hand weg. Das ist kein schönes Gefühl, oder?

Ulrich Nersinger (Vatikan-Experte): Absolut nicht. Da kommen Menschen, die sich auf den Papst freuen. Wenn man diese Szenen sieht, sieht man, wie brave gute Leute doch in einer – ich wage sogar zu sagen – relativ brutalen Weise behandelt werden. Ich denke, das kann wirklich zu einer Traumatisierung führen. Denn das ist ein Schock, den man nicht erwartet hat. Ich denke, diese Leute werden eine Zeit lang mit dieser Erfahrung zu kämpfen haben.

DOMRADIO.DE: Auf der anderen Seite könnte dahinter die Intention des Papstes stecken, dass er nicht will, dass sich jemand unterwürfig zeigt. Er will lieber einen Handschlag, oder?

Nersinger: Der Papst kann wirklich selber entscheiden, wie er das handhabt. Und das ist auch sein gutes Recht. Aber das muss dann in einer Art und Weise geschehen, die dann doch den Gläubigen gerecht wird. Es geht gar nicht darum, ob ich das nun möchte oder nicht und ob ich sage, es soll nicht gemacht werden. Aber man kann, denke ich, nicht so reagieren.

DOMRADIO.DE: Es gibt die unterschiedlichsten Erklärungsversuche. Der Vatikan hat Anfang der Woche gesagt, der Papst mache das nach Gutdünken. Mal lässt er es zu, mal lässt er das nicht zu. Ein anderer Erklärungsansatz ist, dass das vielleicht etwas mit Hygiene zu tun hat.

Nersinger: Ich kann durchaus verstehen, dass das eine Überlegung ist, die wirklich auch vernünftig erscheint. Die Haushälterin von Papst Pius XII. berichtet in den Memoiren, dass sie nach jeder Audienz sowohl die Hand als auch den Ring des Papstes desinfiziert habe.

Wir kennen auch eine Geschichte aus dem Pontifikat Pauls VI., wo der Papst so mit dem Handkuss bedrängt wurde, dass er nach der Audienz kleine Wunden auf der Hand zeigte. Er nannte das scherzhaft "Kriegsverletzung". Das sind Erfahrungen, die dann auch mitwirken können.

DOMRADIO.DE: Lassen Sie uns mal auf dieses Symbol oder dieses Ritual des Ringkusses gucken. Es hat tatsächlich eine theologische Bedeutung, wenn man den Ring des Papstes küsst. Man kann damit einen Teil-Ablass der Sünden erlangen. Warum gibt es das überhaupt?

Nersinger: Der Ring hat bereits eine Rolle in der Liturgie gespielt. Das sieht man in alten Bestimmungen besonders für das Pontifikalamt. Da war es immer üblich, wenn man dem Bischof oder einem Abt gewisse Gegenstände reichte, dass man dann zunächst die Hand oder den Ring küsste. Es ist eine Geste des Respekts gegenüber der Person, aber auch des Amtes. Es kommt hinzu, dass dieser Brauch natürlich in den romanischen Ländern weitaus verbreiteter ist als in unseren Gefilden. Das ist teilweise auch Mentalitätsache. Bei Südländern findet man diese Geste häufiger. Das gibt es auch innerhalb der Familien, zum Beispiel gegenüber dem Vater. Je mehr man in Italien in den Süden geht, umso verbreiteter ist das noch.

DOMRADIO.DE: Jetzt haben wir Papst Franziskus, dem das anscheinend nicht so gefällt. Aber auch Benedikt XVI. hat sich schon ein bisschen in die Richtung bewegt, das herunter zu spielen.

Nersinger: Das ist durchaus auch ein legitimes Recht. Ich sehe darin auch kein Problem. Obwohl, ich denke, man sollte gewisse Traditionen der Gläubigen durchaus achten. Man sollte die Gläubigen, die nichts Böses damit verbinden, nicht vor den Kopf stoßen.

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch.

(DR)

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