Bischof Bernard Fellay
Bischof Bernard Fellay

30.06.2013

25 Jahre nach Schisma keine Lösung in Sicht Piusbrüder im Abseits?

Die Piusbruderschaft weihte vor genau 25 Jahren ohne Roms Billigung Bischöfe - seitdem besteht der Riss zwischen dem ultrakonservativen Bund und der katholischen Kirche. Zum Jahrestag zementieren die Piusbrüder die Spaltung mit Rom nochmals.

Zum 25. Jahrestag der Trennung von Rom hat sich die traditionalistische Piusbruderschaft deutlich vom Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) distanziert. "Die Gründe für die schweren Irrtümer, die die Kirche derzeit zu zerstören im Begriff sind, liegen nicht in einer falschen Interpretation der Konzilstexte“, sondern "in den Texten selbst, und zwar aufgrund der hanebüchenen Ausrichtung“ des Konzils, heißt es in einem Dokument, das die drei verbliebenen Bischöfe der Bruderschaft am Donnerstag in Econe/Schweiz unterzeichneten. Rom wird aufgefordert, "zur Tradition und zum hergebrachten Glauben“ zurückzukehren.

Piusbrüder: Bischofsweihe war "heroisch“

In ihrer kritischen "Bestandsaufnahme“ zur Lage der Kirche loben der Generalobere Bernard Fellay, Bernard Tissier de Mallerais und Alfonso de Galarreta den "heroischen Akt“ ihrer Bischofsweihen, die der Gründer der Bruderschaft, Erzbischof Marcel Lefebvre (1905-1991) vor 25 Jahren, am 30. Juni 1988, vornahm. Da die Weihen vom Papst untersagt waren, zogen sich die Beteiligten damals die Exkommunikation zu. Die Trennung von Rom dauert bis heute an.

Die Leiter der Piusbrüder stoßen sich in dem Dokument besonders an der "neuen Messe“, die von einem "ökumenischen und protestantischen, demokratischen und humanistischen Geist durchsetzt“ sei und "das Kreuzesopfer entleert“. Der Papst übe seit dem Konzil nicht mehr seine volle Amtsgewalt aus; der "neue Souverän“ sei das sogenannte "Volk Gottes“.

Spaltungsfeier mit Pontifikalamt und einem Te Deum

Die drei Bischöfe feierten am Donnerstag an ihrem Hauptsitz in Econe den 25. Jahrestag der Bischofsweihen mit einem Pontifikalamt und einem Te Deum. Nicht dabei war Richard Williamson, der 2009 als Holocaust-Leugner international Schlagzeilen machte und 2012 aus der Piusbruderschaft ausgeschlossen wurde. Seine Unterschrift fehlt auch unter dem neuen Dokument.

Ansonsten ist es  jedoch still geworden um die Piusbrüder. Drei Jahre lang waren die Spannungen und die Einigungsbemühungen zwischen dem Vatikan und der traditionalistischen Priesterbruderschaft St. Pius X. ein großes Thema. Mit dem Pontifikatswechsel und der Wahl von Papst Franziskus sind zunächst andere Themen in den Vordergrund getreten.

Von Franziskus noch nicht thematisiert

In den ersten 100 Amtstagen von Papst Franziskus ist das schwebende Verhältnis zu den Traditionalisten noch nicht wieder zum Thema geworden. Man kann davon ausgehen, dass der neue Papst wie sein Vorgänger an einer friedlichen Lösung interessiert ist - und dass er möglicherweise darauf setzt, dass noch einmal Gespräche in Gang kommen. Derzeit deutet freilich nichts auf größere Aktivitäten hin, aus denen man auf eine Lösung in die eine oder die andere Richtung folgern könnte.

Papst betont Festhalten am Konzil

Allerdings könnte man manche Äußerungen des neuen Papstes durchaus in Richtung auf die Piusbrüder hin deuten. Mehrfach hat Franziskus vor allem bei seinen Frühmessen ein entschiedenes Festhalten an dem vom Konzil eingeschlagenen Kurs der Kirche gefordert und eine mangelnde Verwirklichung der Ideen des Konzils beklagt. Es gebe Stimmen, die hinter das vom Heiligen Geist begleitete Konzil zurückgehen wollten, sagte er. Das aber bedeute, "dickköpfig zu sein“ und "törichte und lahme Herzen zu bekommen“. Mit einer solchen Haltung - wie umgekehrt auch mit Reformen um der Reformen willen - würde man gleichermaßen "den Heiligen Geist zähmen wollen“. Allesamt Äußerungen, die nicht auf Abstriche am kirchlichen Lehramt und den Konzilien hindeuten.

Zugleich hat Franziskus aber auch eine Offenheit in Fragen der Liturgie und ihrer alten Form signalisiert - wenn dabei die Einheit der Kirche gewahrt bleibe. Benedikt XVI. hatte durch die breitere Zulassung der Tridentinischen Messe als "außerordentlichen Ritus“ der Kirche den Traditionalisten Entgegenkommen gezeigt. Eine weitere Geste sollte 2009 die Rücknahme der Exkommunikation für die vier unerlaubt geweihten Bischöfe bilden. Da unter ihnen jedoch auch der Holocaust-Leugner Richard Williamson war, führte dies zu einem Skandal mit bitterer Polemik. Der Vatikan musste interne Kommunikationspannen einräumen.

Sachgespräche endeten im April 2011

Allerdings entstand aus diesem Eklat ein neuer Anlauf für eine Wiederannäherung. Die für den Dialog mit den Traditionalisten zuständige Kommission Ecclesia Dei, die zuvor vom kolumbianischen Kurienkardinal Dario Castrillon Hoyos sehr eigenständig geleitet wurde, wurde direkt der Glaubenskongregation unterstellt und personell erneuert. Eineinhalb Jahre lang, bis April 2011, führten Experten beider Seiten Sachgespräche über die trennenden Lehrfragen: unterschiedliche Auffassungen zu Lehramt, Papsttum und kirchliche Tradition sowie die Bewertung des Zweiten Vatikanums.

Nach Abschluss der Gespräche überreichte im September 2011 der Vatikan dem Oberen der Piusbruderschaft, Bernard Fellay, eine "Lehrmäßige Präambel“, ein Einigungsdokument. Die zuständigen Gremien der Bruderschaft diskutierten das Papier. Neben Hardlinern gab es offenbar Kreise um Fellay, die durchaus an einer Einigung und der Gründung einer traditionalistischen Personalprälatur innerhalb der katholischen Kirche interessiert waren.

Im Juni 2012 erläuterte Fellay dem damaligen Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal William Levada, seine Vorbehalte zur Präambel. Der neue Präfekt - Erzbischof Gerhard Ludwig Müller - wie dann der neue Ecclesia-Dei-Chef Erzbischof Joseph Augustine Di Noia räumten zunächst weitere Bedenkzeit ein. Dass sich die schließlich gesetzte Frist mit der Rücktrittsankündigung von Benedikt XVI. erübrigte, lag auf der Hand. Wann und in welcher Form der Prozess unter Franziskus weitergeht, scheint vollkommen offen.

Johannes Schidelko
(KNA, dr)

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