Frère Alois und Papst Franziskus (Archiv)
Frère Alois und Papst Franziskus (Archiv)
Frère Alois Löser, Prior der Communauté von Taizé
Frère Alois Löser, Prior der Communauté von Taizé

29.03.2021

Frère Alois über die Corona-Pandemie in Taizé In der Krise kurz beim Papst

Vom französischen Taizé aus ist Frère Alois mit dem Auto in den Vatikan und zurück gereist. Der Prior der ökumenischen Bruderschaft von Taizé hat dort seinen jährlichen Papst-Besuch absolviert. Wie läuft eine Audienz in der Pandemie ab?

DOMRADIO.DE: Am Donnerstag haben Sie den Papst getroffen. Worüber haben Sie mit ihm gesprochen?

Frère Alois Loser (Prior der Taizé-Gemeinschaft): Es war natürlich sehr eindrucksvoll, dass er mich jetzt in dieser schwierigen Coronazeit empfangen hat. Wir hatten angerufen und sofort diesen Termin bekommen. Am Telefon sagte man uns, dass der Papst empfängt. "Wenn ihr kommen könnt, dann wird die Audienz stattfinden", hieß es.

Wir in Taizé hatten uns riesig gefreut, dass das auch dieses Jahr möglich ist. Wie jedes Jahr und in den vergangenen Jahren. Übrigens auch schon mit seinem Vorgänger, mit Papst Benedikt. Frère Roger hatte das begonnen, diese jährliche Begegnung, um unsere Gemeinschaft zum Ausdruck zu bringen. Ich bin dankbar, dass es stattgefunden hat.

DOMRADIO.DE: Schon Ende letzten Jahres konnte das Europäische Jugendtreffen ja nicht wie gewohnt am Jahresabschluss mit mehreren Tausend Jugendlichen stattfinden. Eigentlich wäre es in Turin in Norditalien gewesen. Gibt es Pläne, wann und wo Sie sich wieder mit Jugendlichen gemeinsam treffen werden?

Frère Alois: Ja, ich habe auch mit dem Papst darüber gesprochen. Wir planen bis jetzt immer noch, dass wir am Jahresende das europäische Treffen in Turin nachholen. Eventuell auch in einer Form, die der augenblicklichen Situation entspricht, zum Beispiel mit begrenzten Teilnehmerzahlen. Aber wir hoffen sehr, dass wir nach Turin gehen können und nicht noch einmal, wie im vergangenen Jahr zum Jahreswechsel, ein europäisches Treffen über das Internet machen. Das war natürlich auch sehr gut und hat uns die Möglichkeit gegeben, dass es weltweit wurde, mit Teilnehmern aus den verschiedenen Kontinenten.

DOMRADIO.DE: Für Sie war es eine Stippvisite im Vatikan. Sie waren nur kurz vor Ort, auch Corona geschuldet und mit negativem Test. Wie sieht es denn gerade in Rom bzw. dem Vatikan aus? Wie ist die Lage dort?

Frère Alois: Ich war erstaunt. Der ganze Vormittag war voller Audienzen. Der Papst war auch ganz wohlauf. Ich dachte, er wird noch müde sein von der Reise in den Irak. Aber er war ganz präsent und mit viel Freude und mit viel Offenheit. Er hört zu, er empfängt wirklich die Menschen, denen er begegnet. Und das hat mich dieses Mal auch wieder sehr beeindruckt.

DOMRADIO.DE: Bei Ihnen zurück in Taizé haben Sie ja den Palmsonntag feiern können. Wie geht es Ihrer Gemeinschaft in Pandemiezeiten?

Frère Alois: Es ist natürlich eine ganz große Umwälzung für uns, dass so wenige Leute - in manchen Wochen überhaupt niemand - hier sind. Einige Leute werden zu Ostern kommen können. Hoffen wir, dass das so bleibt. Aber das ist eine ganz große Veränderung für uns, die nicht leicht ist, aber die auch positive Seiten hat.

Wir hatten das ganze Jahr über viel mehr Begegnungen unter uns Brüdern. Wir haben da über Fragen nachgedacht. Wie können wir unseren Lebensstil vereinfachen? Wir sind dazu gezwungen, aber wie können wir auch mehr achtgeben auf die ökologischen Herausforderungen? Wir haben einige konkrete Entscheidungen getroffen, die unser Leben verändern. Es war auch für uns eine Zeit und ist eine Zeit der Vertiefung des Glaubens und des Vertrauen.

Wir predigen darüber nicht nur, sondern wir sind selbst den existenziellen Unsicherheiten ausgesetzt, wie viele andere Menschen auch. Und das erfordert, dass wir dieses Gottvertrauen viel persönlicher und viel existenzieller leben, als in Zeiten, wo es uns gut geht. Sowohl materiell, aber auch mit vielen Jugendtreffen und so weiter. Dass das jetzt wegfällt, schafft eine Leere und auch materielle Schwierigkeiten.

DOMRADIO.DE: Vor allem zu Ostern kommen eigentlich viele junge Menschen zu Ihnen, nehmen ihr Angebot gerne an und feiern die Kar- und Ostertage in Taizé gemeinsam. Können aktuell auch Menschen zu Ihnen kommen, obwohl die Inzidenzzahlen in Frankreich so hoch sind?

Frère Alois: Ja, wir haben das mit den Behörden hier abgesprochen und deutlich gemacht, unter welchen Bedingungen wir Leute hier aufnehmen. Dazu gehören Abstand halten, getrennte Unterbringungen und Gesprächs- und Essensgruppen, immer nur sechs Leute zusammen und so weiter. Diese Bedingungen können wir einhalten und somit haben wir auch das grüne Licht von den Behörden hier, dass wir Leute aufnehmen können. Es wird eine begrenzte Zahl sein, aber letztes Jahr konnten wir bis zu 500 Leute aufnehmen und die Bedingungen der Coronazeit dennoch einhalten.

Das Interview führte Katharina Geiger.

(DR)

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