50 Jahre "Trimm Dich"-Bewegung

Auch Bischöfe laufen ohne zu schnaufen

Die Nation soll sich bewegen: Die "Trimm Dich"-Kampagne des Deutschen Sportbundes startete vor 50 Jahren. Sport für alle! So warb unter anderen Udo Jürgens. Auch evangelische und katholische Bischöfe folgten dem Aufruf zum Sport treiben.

Autor/in:
Rainer Nolte
Jogger unterwegs / © Matt York (dpa)
Jogger unterwegs / © Matt York ( dpa )

Ein Bischof als nationaler Sportbotschafter? "Trimm Dich" machte es möglich: Im lockeren Jogging-Trab zwischen Weinbergen warb in den 70er Jahren der damalige Landesbischof von Württemberg und Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Helmut Claß, gewandet in grellgelbem T-Shirt, für die "Trimm Dich"-Bewegung des Deutschen Sportbundes (DSB).

Vor 50 Jahren am 16. März 1970 startete die Kampagne, die die Nation zum Sport an- und in die Vereine treiben sollte.

Laufen ohne zu schnaufen

"Trimm Trab - das neue Laufen ohne zu schnaufen" sei eine gute Sache, verkündet Bischof Claß (1913-1998) in dem Kampagnenspot. "Zur Verwirklichung braucht man seinen ganzen Willen und die Einsicht, dass der Körper Gabe und Aufgabe Gottes ist", so der Geistliche. Aber wer "viel am Schreibtisch sitzt" und "beruflich unter Druck steht", solle aktiv werden.

Normalbürger und Prominente wie Udo Jürgens oder Frank Elstner warben für das Projekt des Sportbundes, der heute Deutscher Olympischer Sportbund (DOSB) heißt. Maßgeblicher Initiator war Jürgen Palm (1935-2006), langjähriger Geschäftsführer Breitensport des DSB, der für seinen Einsatz den Beinamen "Trimm-Vater der Nation" erhielt.

24 Jahre lang animierte der Verband mit der "Trimm Dich"-Kampagne die Bevölkerung zum Sport - mit Leitsprüchen wie "Trimm Dich durch Sport", "Ein Schlauer trimmt die Ausdauer" oder "Spiel mit - da spielt sich was ab". Ob die Kampagne die Bevölkerung wirklich fitter gemacht hat, ist nicht erforscht worden. Dies bemängeln Kritiker, zugleich loben sie, dass dadurch eine Viele für das Thema Sport, Bewegung und Gesundheit sensibilisiert werden konnten.

"Trimmy" und "Trimm-Dich-Pfade"

Was heute noch geblieben ist: "Trimmy". Die Symbolfigur der Aktion ist seit 2009 offizielles Maskottchen des DOSB. Er verkörpere glaubhaft die Botschaften des Verbands: "Leistung, Wertevermittlung, Gesundheit und vor allem Spaß und Lebensfreude".

Dieter Sihler, Zeichner des Männleins mit dem weißen Lauftrikots, sagte einst über Trimmy: "Er ist kein Supermann und kein Held, ein ganz durchschnittlicher, kleiner, schmächtiger und unscheinbarer Bursche." Der jedoch laut DOSB gut ankam: "Der Erfolg der innovativen Breitensportaktion und deren Durchdringung in der Gesellschaft mündeten innerhalb von drei Jahren in eine unglaubliche Bekanntheit Trimmys von fast 90 Prozent." Heute ist Trimmy auch bei Facebook zu finden - über 2.000 Fans folgen ihm dort.

Untrennbar ist für viele die Kampagne mit den "Trimm-Dich-Pfaden" verbunden - aber die kleinen Areale im Freien mit Stationen zur Körperertüchtigung gehörten gar nicht zum Angebot des Sportbundes.

Sie hielten zufällig parallel zur "Trimm-Dich"-Kampagne Einzug in Deutschland. Die Idee des sogenannten Vitalparcours kam aus der Schweiz und wurde ungewollt mit der "Trimm Dich"-Aktion assoziiert. Geschadet hat es weder den Deutschen noch der Kampagne.

"Trimm-Dich-Fan" Erzbischof Schick

Auch der katholische Erzbischof von Bamberg, Ludwig Schick, wurde damals mit dem Sportvirus infiziert: "Ich erinnere mich gut an den Aufbau eines 'Trimm-Dich'-Pfades vor 50 Jahren in einem Waldstück bei Fulda. Ich war damals 20 Jahre alt, sportlich und sportinteressiert seit meiner Kindheit", sagte Schick der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Schnell wurde der Erzbischof ein Freund der Pfade. Und noch heute joggt er täglich durch Bamberg, schwimmt regelmäßig und trainiert für das Deutsche Sportabzeichen.

Manche der dort aufgestellten Holzbalken und Stangen für Klimmzüge verfallen inzwischen - andernorts weichen sie modernen Installationen mit ergonomisch geformten Metallgeräten. Auch wenn der Sportbund nicht an deren Einrichtung beteiligt ist, beobachtet DOSB-Marketing-Experte Florian Frank einen Trend.

"Der Trimm-Dich-Parcours hat damit Einzug in die Städte erhalten; ist dorthin gegangen, wo die Menschen sind. Das baut Hürden ab, aktiv zu werden", zeigt sich Frank überzeugt. Das passe zu einem dynamischen und urbanen Lebensstil der Menschen, der auf Gesundheit und Fitness setze.


Erzbischof Ludwig Schick / © Harald Oppitz (KNA)
Erzbischof Ludwig Schick / © Harald Oppitz ( KNA )
Quelle:
KNA