Hedwig Dransfeld
Hedwig Dransfeld
Hedwig Dransfeld in einer undatierten Aufnahme
Hedwig Dransfeld in einer undatierten Aufnahme

24.02.2021

Zum 150. Geburtstag der Politikerin Hedwig Dransfeld Die katholische Frauenbewegung mitbegründet

Eine Kirche von Frauen für Frauen - nicht nur durch die von ihr konzipierte Frauenfriedenskirche hat sich Hedwig Dransfeld in der katholischen Welt einen Namen gemacht und ihrem Wirken ein Denkmal gesetzt.

Frauen waren Anfang des 20. Jahrhunderts fest in Kirchentraditionen verwurzelt, so auch Hedwig Dransfeld. Es war noch nicht an der Zeit, dass Frauen in der Kirche an Gleichberechtigung denken und sie einfordern sollten. Dennoch förderte Dransfeld nachhaltig das Selbstbewusstsein von Frauen. Als Lehrerin, Publizistin und Politikerin sensibilisierte sie Frauen für politische Themen. Vor 150 Jahren, am 24. Februar 1871, wurde Dransfeld in Hacheney im Süden Dortmunds geboren.

Dransfeld hatte keine leichte Kindheit und Jugend. Im Alter von drei Jahren starb ihr Vater, fünf Jahre später auch ihre Mutter. Als Vollwaise wuchs sie bei ihrer Großmutter, nach deren Tod in einem Waisenhaus auf. Dort erkannte man ihre intellektuelle Begabung, mit 16 absolvierte sie eine Ausbildung als Lehrerin.

Examen mit Auszeichnung

In dieser Zeit erlebte sie einen weiteren Schicksalsschlag: Dransfeld erkrankte an Knochentuberkulose und verlor einen Arm und ein Bein. Trotz ihres körperlichen Handicaps bestand sie 1890 ihr Examen mit Auszeichnung und unterrichtete an der Werler Ursulinenschule, krönte 1897 ein Fernstudium mit dem Diplom für Schulvorsteherinnen. Fortan leitete Dransfeld die Ursulinenschule. Nachdem Frauen 1908 zum Universitätsstudium zugelassen wurden, studierte Dransfeld Kulturwissenschaften in Münster und Bonn.

Zugleich war sie schriftstellerisch tätig und veröffentlichte Kindergeschichten - an Titel wie "Das Grafendorli" wollte sie später nicht gerne erinnert werden - und Gedichtbände. 1904 übernahm sie die Schriftleitung der Monatszeitschrift "Die christliche Frau", herausgegeben vom Katholischen Deutschen Frauenbund (KDFB). Dransfeld schrieb über gesellschaftspolitische und kirchliche Themen - aus Frauenperspektive. Frauen sollten ihr Licht nicht unter den Scheffel stellen, fand die Publizistin. "Wir wollen von unserer Macht Gebrauch machen, wie es der Würde deutscher Frauen entspricht", sagte sie selbstbewusst.

Schwerpunkt Frauenförderung

Die ledige Katholikin steckte in den folgenden drei Jahrzehnten all ihre Energie in ihr öffentliches Wirken. Dransfeld war es wichtig, Frauen in Schulungen umfassend zu gesellschaftlichem Engagement zu motivieren. In Köln und Aachen regte sie die Gründung sozialer Frauenschulen in Trägerschaft des KDFB an. Nach einem ersten öffentlichen Vortrag 1906 beim Deutschen Caritastag wurde sie eine berühmte Rednerin. 1907 war sie Mitbegründerin des katholischen Hildegardis-Vereins, dessen Ziel es ist, Frauen in verantwortliche Positionen in Politik und Gesellschaft zu bringen.

Viel Beachtung fand ihre Rede "Die Frau im kirchlichen und religiösen Leben" auf dem ersten deutschen Frauenkongress Anfang 1912 im Reichstag. Die sozialdemokratische Publikation "Vorwärts" nannte sie "die bedeutendste Frau der Gegenwart". Im Herbst 1912 wurde Dransfeld hauptamtliche KDFB-Vorsitzende und beendete ihre Arbeit als Lehrerin.

Als zweite KDFB-Bundesvorsitzende prägte sie den Verband und die katholische Frauenbewegung zwischen 1912 und 1925.

Mitgestalterin der Sozialgesetzgebung

1916 rief sie die Frauen des KDFB im Berliner Reichstag zu einer Generalversammlung zusammen, bei der es um "Die Frau als Mitgestalterin am neuen Deutschland" ging. Der Frauenbund nahm dadurch eine Vormachtstellung in der bürgerlichen Frauenbewegung ein. Zwei Jahre später setzte sich Dransfeld für das Frauenwahlrecht ein.

Als inzwischen hochkarätige Politikerin zog sie 1919 als eine von 37 weiblichen Abgeordneten - darunter fünf weitere KDFB-Frauen - in die Weimarer Nationalversammlung ein. Dort wirkte sie maßgeblich an der Sozialgesetzgebung mit. Krankheitsbedingt musste sie später ihre Ämter aufgeben. Dransfeld starb am 13. März 1925 im Alter von 54 Jahren in Werl.

Ein bleibendes Denkmal ihres Engagements ist die Frauenfriedenskirche in Frankfurt, die noch immer ein Ort des ständigen Friedensgebets ist. 1916 - mitten im Ersten Weltkrieg - hatte Dransfeld den Bau einer solchen Kirche angeregt und zu Spenden aufgerufen. 1916 schreibt sie als KDFB-Vorsitzende: "Die katholischen deutschen Frauen müßten eine Kirche bauen, ein großes, monumentales Bauwerk zum Gedächtnis der toten Helden, zur stillen Gebetssammlung für alle, die den Frieden erflehen wollen." 1929 wurde die Frauenfriedenskirche als zentrale Gedächtniskirche für die Toten und Gefallenen des Ersten - und später auch Zweiten - Weltkrieges in Frankfurt geweiht.

Große Verdienste bis heute

Die strenge, wuchtige Form der Kirche - das Außenportal ziert eine zwölf Meter hohe Mosaikstatue der Muttergottes als "Friedenskönigin" - soll späteren Generationen vom Leid des Krieges berichten: "So herb wie diese Linien war damals das Leben. So tief wie die Fundamente war der Schmerz derer, die diese Kirche erbaut", hieß es bei der Weihe am 5. Mai 1929. Als "steinernes Friedensgebet" ist ihre Botschaft zeitlos gültig.

"Die Verdienste von Hedwig Dransfeld für die Frauenbewegung und speziell für den KDFB sind groß", erklärt Verbandssprecherin Ute Hücker. Unter Dransfelds Leitung habe der KDFB eine starke politische Aktivität entfaltet, die den Verband bis heute präge. Die Themen, für die sie sich eingesetzt habe, seien noch immer aktuell: gerechte Entlohnung von Frauen, Chancengleichheit im Beruf, Engagement für weltweiten Frieden und Gerechtigkeit.

(KNA)

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