Die große Mehrheit der Pflegekräfte ist weiblich
Die große Mehrheit der Pflegekräfte ist weiblich

12.05.2019

Neue Analyse: Daten und Fakten zur Pflege in Deutschland Fachkräftemangel in Altenpflege nimmt weiter zu

Die Situation der Pflege in der alternden Gesellschaft ist zu einem zentralen Thema der deutschen Politik geworden. Wie dramatisch ist der Pflegekräftemangel? Wie sehen die Arbeitsbedingen aus? Dazu hat die Bundesanstalt für Arbeit eine Studie veröffentlicht.

Die Situation der Pflege in der alternden Gesellschaft ist zu einem zentralen Thema der deutschen Politik geworden. Die Bundesanstalt für Arbeit (BA) hat anlässlich des Internationalen Tages der Pflege am heutigen Sonntag eine Analyse des Arbeitsmarkts in Alten- und Krankenpflege vorgelegt.

Zahlen und Daten

  • Im Juni 2018 belief sich die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Kranken- und Altenpflege auf 1,6 Millionen. Darunter waren 583.000 Altenpflegekräfte sowie 1,1 Millionen Krankenpflegekräfte. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet das eine Zunahme von 45.000 beziehungsweise drei Prozent. Knapp die Hälfte dieses Wachstums geht auf Helfertätigkeiten zurück. Diese nahmen um 22.000 oder fünf Prozent zu.
  • Die große Mehrheit der Pflegekräfte ist weiblich: vier von fünf Erwerbstätigen in der Alten- und Krankenpflege sind Frauen. In der Altenpflege liegt ihr Anteil mit 84 Prozent noch etwas höher als in der Krankenpflege mit 80 Prozent.
  • 57 Prozent der Erwerbstätigen in diesem Bereich arbeiten in Teilzeit oder sind geringfügig beschäftigt. 2018 waren 44 Prozent der Krankenpflegekräfte und 56 Prozent der Altenpflegekräfte in Teilzeit tätig (gesamter Arbeitsmarkt: 28 Prozent). Dabei arbeiten rund 62 Prozent der Frauen und 36 Prozent der Männer in Teilzeit.
  • Von den 583.000 Beschäftigten in der Altenpflege waren rund 313.000 Personen als examinierte Fachkraft tätig. 270.000 Beschäftigte gingen einer Tätigkeit als Altenpflegehelfer nach, für die üblicherweise nur bis zu zwei Jahre Ausbildung erforderlich sind. Die Zahl der Beschäftigten in der Altenpflege wuchs im Vergleich zum Vorjahr um 21.000 beziehungsweise vier Prozent.
  • Von den 1,06 Millionen Krankenpflegekräften waren 770.000 oder 72 Prozent examinierte Fachkräfte. Der Helferanteil ist mit 16 Prozent (170.000 Personen) deutlich geringer als in der Altenpflege. Die Zahl der Beschäftigten in der Krankenpflege nahm gegenüber dem Vorjahr um 24.000 oder 2,3 Prozent zu. Damit ist die Krankenpflege etwas weniger dynamisch gewachsen als die Altenpflege.
  • Zwischen Alten- und Krankenpflegekräften gibt es ein deutliches Lohngefälle. Das mittlere Bruttoentgelt vollzeitbeschäftigter Fachkräfte in der Krankenpflege lag 2017 mit 3.314 Euro pro Monat über dem für alle Fachkräfte (2.965 Euro). Das mittlere Bruttoentgelt vollzeitbeschäftigter Altenpflegefachkräfte war mit 2.746 Euro hingegen um einiges geringer. Entsprechendes zeigt sich auch bei Pflegehelfern: Das mittlere monatliche Bruttoentgelt von Krankenpflegehelfern betrug 2.494 Euro, das von Altenpflegehelfern 1.944 Euro (zum Vergleich alle Helfer: 2.177 Euro).
  • Es gibt einen wachsenden Anteil ausländischer Pflegekräfte: Lag der Anteil der Ausländer an den beschäftigten Altenpflegern 2014 noch bei knapp acht Prozent, so hat er sich bis 2018 auf zwölf Prozent (71.000 Beschäftigte) erhöht. Bei Krankenpflegern stieg der Anteil der Ausländer von fünf Prozent 2014 auf sieben Prozent 2018 (80.000 Beschäftigte). Der Ausländeranteil in der Pflege insgesamt liegt damit mit 9 Prozent etwas unter dem Anteil bei allen Beschäfitgten (12 Prozent).
  • In den vergangenen Jahren hat die Zahl der Beschäftigten, die über ein Leiharbeitsunternehmen in der Pflege tätig sind, zugenommen. Waren es 2014 noch rund 12.000 Leiharbeitnehmer in der Krankenpflege, so waren es 2018 schon fast doppelt soviele (22.000). Auch in der Altenpflege ist die Zahl der Leiharbeiter in den letzten fünf Jahren merklich gestiegen von gut 8.000 auf 12.000 im Jahr 2018.
  • Die Arbeitslosigkeit in der Alten- und Krankenpflege war in den letzten Jahren rückläufig und befindet sich, insbesondere in der Krankenpflege, auf sehr niedrigem Niveau. Die berufsspezifische Arbeitslosenquote in der Krankenpflege lag 2018 im Durchschnitt bei 1,0 Prozent. Selbst für Helfer, die üblicherweise eine höhere Arbeitslosigkeit aufweisen, lag sie unter drei Prozent (2,8 Prozent). In der Altenpflege lag die berufsspezische Arbeitslosenquote 2018 bei 5,1 Prozent. Hier fällt der Unterschied zwischen den Qualifikationsniveaus allerdings kräftiger aus: Bei Altenpflegefachkräften ist sie mit 1,0 Prozent deutlich niedriger als bei Altenpflegehelfern mit 9,4 Prozent.
  • Im Jahresdurchschnitt 2018 waren 30.700 Altenpflegekräfte in Deutschland arbeitslos gemeldet. Das waren 1.400 oder fünf Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Altenpflegekräfte sind im Durschnitt 54 Tage weniger arbeitslos als alle Arbeitslosen. Bei Fachkräften ist die Arbeitslosigkeitsdauer mit durchschnittlich 118 Tagen sogar nur halb so lang wie bei allen Fachkräften.
  • Im Jahresdurchschnitt 2018 waren 11.100 Krankenpflegekräfte in Deutschland arbeitslos gemeldet, etwas weniger wie im Vorjahr. Insbesondere bei den examinierten Krankenpflegekräften hat sie sich zwischen 2008 und 2018 nahezu halbiert. Krankenpflegekräfte sind im Durchschnitt 141 Tage arbeitslos (Helfer: 180 Tage; Fachkräfte 116 Tage) und damit deutlich kürzer als die Arbeitslosen insgesamt.
  • In der Altenpflege stehen 100 gemeldeten Stellen lediglich 19 Arbeitslose gegenüber. Vor fünf Jahren waren es rein rechnerisch noch 38 Arbeitslose. Bei den Altenpflegehelfern zeigt sich hingegen ein ganz anderes Bild: Hier stehen 100 gemeldeten Stellen 322 Arbeitslose gegenüber.
  • Im Bereich der Krankenpflege stellt sich die Situation sehr ähnlich dar. Bei den Fachkräften standen 2018 im Durchschnitt 100 gemeldeten Stellen 41 arbeitslose Krankenpflegefachkräfte gegenüber. 2011 waren es noch 86 Arbeitslose auf 100 Stellen. Bei den Helfern überwiegt auch hier die Zahl der Arbeitslosen die der Stellen: 100 Stellenangeboten stehen 321 arbeitslose Krankenpflegehelfer gegenüber.
  • Der Fachkräftemangel in der Altenpflege zeigt sich ausnahmslos in allen Bundesländern. Gemeldete Stellenangebote für examinierte Altenpflegefachkräfte und -spezialisten sind im Bundesdurchschnitt 183 Tage vakant. Das sind 63 Prozent mehr als die durchschnittliche Vakanzzeit über alle Berufe.
  • Im Bereich der Gesundheits- und Krankenpflege gibt es in fast allen Bundesländern einen Fachkräftemangel. In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ist die Situation allerdings noch besser; allerdings gibt es Anzeichen für Engpässe. Gemeldete Stellenangebote für examinierte Krankenpflegefachkräfte sind im Bundesdurchschnitt 154 Tage vakant. Das sind 36 Prozent mehr als die durchschnittliche Vakanzzeit über alle Berufe.
Christoph Arens
(KNA)

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