Fachkräftemangel in der Altenpflege verstärkt sich

"Personaldecke in Pflege immer dünner"

Zigtausende Kräfte in der Kranken- und Altenpflege fehlen. Die Personaldecke wird immer dünner. Schnelle Lösungen sind nicht in Sicht. Doch alle Beteiligten arbeiten an Konzepten.

Pflegerin mit Patient  / © Corinne Simon (KNA)
Pflegerin mit Patient / © Corinne Simon ( KNA )

Die Personaldecke in der Pflege wird immer dünner. Zwar ist die Zahl der in ambulanten Diensten, Krankenhäusern und Heimen beschäftigten Pflegekräfte 2018 angestiegen - die Pflege ist ein Jobmotor. Doch nimmt der Fachkräftemangel insbesondere in der Altenpflege weiter zu.

Dabei waren in der Altenpflege im vergangenen Jahr knapp 583.000 Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt, gut 21.400 mehr als im Vorjahr. In der Krankenpflege stieg die Beschäftigtenzahl von 1,04 auf 1,06 Millionen, wie die Bundesanstalt für Arbeit am Freitag in Nürnberg aus Anlass des Internationalen Tags der Pflege am Sonntag mitteilte. Gleichzeitig waren fast 40.000 Stellen in der Pflege unbesetzt.

183 Tage bis zur Besetzung der Stelle

Besonders groß sind die Lücken bei den Fachkräften in der Altenpflege. Hier herrscht in allen Bundesländern Mangel. Inzwischen dauere es 183 Tage, bis Heimbetreiber eine frei gewordene Stelle neu besetzt hätten, zwölf Tage länger als noch 2017. 100 gemeldeten Stellen stehen lediglich 19 Arbeitslose gegenüber. Vor fünf Jahren waren es rein rechnerisch noch 38 Arbeitslose.

Ebenfalls schwierig, wenn auch nicht ganz so dramatisch, stellt sich Situation im Bereich der Krankenpflege dar. Bei den Fachkräften standen 2018 im Durchschnitt 100 gemeldeten Stellen 41 arbeitslose Fachkräfte gegenüber. 2011 waren es noch 86 Arbeitslose auf 100 Stellen.

Pflegekräfte mit kritischem Gesundheitszustand

Seit Jahren warnen Experten vor einer wachsenden Personalnot in ambulanten Diensten, Kliniken und Heimen. Dennoch wurden Pflegestellen wegen Kostenersparnis abgebaut. Das aber führte bei den Beschäftigten zu wachsender Arbeitsverdichtung: Laut dem Gesundheitsatlas der Betriebskrankenkasse BKK von 2017 haben "besorgniserregend viele Pflegekräfte aufgrund der Arbeitsbedingungen einen kritischen Gesundheitszustand". Die Zahl der Frühverrentungen liege weit über dem Durchschnitt in anderen Gesundheitsberufen. Fast drei Viertel der Kräfte in der Altenpflege arbeiten in Teilzeit.

Spätestens mit der Bundestagswahl 2017 ist die Pflege zu einem zentralen politischen Thema geworden: Die Würde der Menschen in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen werde "tausendfach verletzt", schleuderte ein junger Krankenpfleger Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in einer Wahlkampfdebatte der ARD entgegen.

Flächendeckende Tariflöhne in der Altenpflege

Mittlerweile sind Weichen neu gestellt: Im Koalitionsvertrag hat die große Koalition versprochen, für flächendeckende Tariflöhne in der Altenpflege zu sorgen. Zum 1. Januar trat das sogenannte Pflegepersonalstärkungsgesetz in Kraft - ein Milliardenprogramm, mit dem Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) unter anderem 13.000 zusätzliche Stellen in der Altenpflege schaffen will.

Mit Blick auf die Krankenhäuser soll ab 2020 eine Mindestpersonalausstattung verpflichtend sein. Zum ersten Mal werden die Krankenkassen auch dazu verpflichtet, die Kosten für das Personal in der Krankenhauspflege eins zu eins zu finanzieren. Auch sollen die Kosten für Pflege ab 2020 nicht mehr über die Fallpauschalen abgewickelt werden - was Anreize für mehr Pflegestellen schafft. Für Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Job sieht das Gesetz in der Pflege bis 2024 bis zu 100 Millionen Euro pro Jahr vor. Über dieses Sofortprogramm hinaus will die Bundesregierung ein Gesamtkonzept für ein attraktiveres Berufsfeld Pflege entwickeln.

Konzept in Planung

Dazu haben Spahn, Bundesarbeitsminister Hubertus Heil und Familienministerin Franziska Giffey (beide SPD) im vergangenen Sommer eine "Konzertierte Aktion Pflege" ins Leben gerufen, in der Politik, Arbeitgeber und rund 50 Organisationen das Ruder herumreißen wollen. Bis Mitte 2019 soll ein Konzept vorgelegt werden.

Es geht unter anderem um eine Ausbildungsstellen-Offensive und die verstärkte Anwerbung ausländischer Pflegekräfte - ein Feld, bei dem Hürden wie die Visavergabe und die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse für Kummer sorgen. Franz Wagner, Präsident des Deutschen Pflegerats, will insbesondere die Pflegekräfte zurückholen, die wegen Arbeitsüberlastung und Frust den Beruf verlassen oder sich auf Teilzeit zurückgezogen haben.

Autor/in:
Christoph Arens
Quelle:
KNA