Historische Figuren am Kölner Rathaus mit Pappnasen
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Karnevalswagen
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06.02.2019

"Kölsche Kippa Köpp" knüpfen an alte Tradition an Jüdische Jecken in Köln

Noch sind sie zu zwölft, hoffen aber auf Zuwachs: Vor zwei Jahren haben jüdische Jecken den Karnevalsverein "Kölsche Kippa Köpp" gegründet. Sie zeigen, dass Juden und Jüdinnen immer Teil des Kölner Karnevals waren.

DOMRADIO.DE: Jüdische Jecken haben im Kölner Karneval immer eine große Rolle gespielt - bis sie vom Naziregime verfolgt und teils ermordet wurden. Lange Zeit waren sie dann eher unbemerkt Teil des karnevalistischen Lebens. Das ändert sich nun mit den "Kölsche Kippa Köpp". Sie haben den Verein schon 2017 gegründet, gehen aber erst jetzt an die Öffentlichkeit. Warum? 

Aaron Knappstein (Präsident des Karnevalsvereins Kölsche Kippa Köpp): Wir haben uns ehrlich gesagt Zeit genommen. Wir wollten erst mal schauen, ob das von Dauer ist und die Leute regelmäßig zu den Treffen kommen. Wir wollten auf gar keinen Fall an die Öffentlichkeit gehen und dann nach vier Wochen sagen müssen: Na ja, es war ein Versuch und es hat nicht geklappt. Deshalb haben wir uns einfach die Zeit genommen. Nun ist es so, dass die Leute regelmäßig kommen und sich an dem Verein freuen. Da haben wir den Schritt gemacht und sind an die Öffentlichkeit gegangen. 

DOMRADIO.DE: Wie viele Mitglieder haben Sie?

Knappstein: Im Moment sind wir zu zwölft. Wir sind aber auch innerhalb der jüdischen Gemeinschaft bis jetzt nicht an die Öffentlichkeit gegangen und nicht präsent gewesen. Daher hoffen wir natürlich, dass noch Leute dazu kommen. 

DOMRADIO.DE: Aktuell sind sie allerdings sehr präsent. Man liest und hört überall von ihnen. Haben Sie damit gerechnet, dass das mediale Interesse so groß ist?

Knappstein: In der Menge auf jeden Fall nicht. Wir haben sicher damit gerechnet, dass Nachfragen kommen und dass man sich interessiert. Aber im Moment bin ich sehr beschäftigt. Gestern zum Beispiel ist mir ein Fernsehsender bis zur Arbeit gefolgt, weil ich gesagt habe, dass ich mittags nicht mitten in der Stadt sein kann. Das ist schon beachtlich und auf der einen Seite natürlich schön, aber wir freuen uns auch, wenn es sich wieder beruhigt und wir wieder normal Karneval feiern können.

DOMRADIO.DE: Warum haben Sie diesen Verein gegründet?

Knappstein: Das ist eine sehr subjektive Geschichte und da müsste man jeden Einzelnen fragen, warum er dabei ist. Vom Gefühl her kann ich sagen, dass wir alle an den Verein gedacht haben, den es in Köln schon mal vor dem Krieg gab und wir an die Tradition dieses Vereins anknüpfen wollten. Fast alle Mitglieder der Kippa Köpp sind aber auch Mitglieder in anderen Karnevalsgesellschaften - schon seit vielen Jahren oder Jahrzehnten. Das sind nicht Leute, die jetzt plötzlich in den Karneval kommen und unbedingt die Kippa Köpp bräuchten.

Wir wollten an diesen alten Verein erinnern, aber eben auch zeigen, dass Juden und Jüdinnen immer Teil des Kölner Karnevals waren und sind. Wir wollen uns nicht ausgrenzen, sondern wir sind Teil des Karnevals - jetzt eben auch mit dieser eigenen Gruppe.

DOMRADIO.DE: Spielt der religiöse Hintergrund beim Feierns des Karneval eine Rolle? 

Knappstein: Nein, wir sind ja auch keine religiöse Gruppe. Es ist sehr schön zu sehen, dass die bisherigen zwölf Mitglieder aus beiden Kölner jüdischen Gemeinden kommen, aber das ist überhaupt kein Thema. Wir nehmen ja auch Nichtjuden in den Verein auf.

DOMRADIO.DE: Was ist geplant in dieser Session - wo werden Sie aktiv sein?

Knappstein: Wir sind ja sehr wenige, muss man sagen. Wir sind zu zwölft und zum Teil alte Vereinsmeier und wissen, dass es mit zwölf Leuten relativ schwierig ist, viel auf die Beine zu stellen. Das bedeutet, wir werden in dieser Session hauptsächlich Gäste von anderen Veranstaltungen sein, aber auch mit unseren eigenen Krätzchen als Verein - nach außen als Gruppe erkennbar - auftreten. Wir haben eine eigene kleine Veranstaltung am Karnevalssonntag. Diese ist in diesem Jahr nur für geladene Gäste, weil wir das Ganze erst organisieren müssen.

Da haben wir sozusagen zum Sessionsabschluss nochmal etwas eigenes. Für die Zukunft planen wir sicherlich weitere Veranstaltungen. Aber da müssen wir noch ein bisschen wachsen, weil das sonst nicht zu schaffen ist. 

Das Interview führte Verena Tröster. 

(DR)

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