Mehr als die Hälfte sind der Meinung Deutschland ist kinderfreundlich
Mehr als die Hälfte sind der Meinung Deutschland ist kinderfreundlich
Caritas-Präsident Peter Neher bittet um Vergebung
Caritas-Präsident Peter Neher: Ungleiche Bildungschancen für Kinder

20.09.2018

Umfrage zum Weltkindertag Zu wenig Engagement gegen Kinderarmut

An diesem Donnerstag ist Weltkindertag. Eine Forsa-Umfrage zeigt: Kinderfreundlich ist Deutschland für mehr als die Hälfte der Befragten. Jedoch kümmere sich die Politik unzureichend beim Thema Kinderarmut.

Die Politik kümmert sich laut einer Umfrage zum Weltkindertag an diesem Donnerstag nicht genug um den Kampf gegen Kinderarmut. Nur 16 Prozent der Deutschen glaubten, dass die Politik ausreichend dagegen vorgehe, heißt es in einer am Mittwoch in Berlin veröffentlichten Forsa-Umfrage für das Deutsche Kinderhilfswerk. Dabei sei dieses Thema 85 Prozent der Befragten wichtig bis sehr wichtig.

"Armutszeugnis für unser Land"

Die Ergebnisse der Umfrage seien ein "Armutszeugnis für unser Land", sagte der Präsident des Deutschen Kinderhilfswerkes, Thomas Krüger. Er beklagte die "Schließung von Spielstraßen, Verwahrlosung von Kinderspielplätzen, Klagen gegen Kinderlärm oder Restaurants und Hotels, in denen Kinder keinen Zutritt hätten". Dies seien "Anzeichen einer kinderentwöhnten und an manchen Stellen sogar kinderfeindlichen Gesellschaft", sagte Krüger weiter.

Die Mehrheit der Befragten vertritt indes die Meinung, Deutschland sei ein kinderfreundliches Land (56 Prozent). Für 39 Prozent der Befragten ist die Bundesrepublik hingegen nicht kinderfreundlich. Ferner sehen mehr als ein Drittel der Befragten Probleme bei der Umsetzung des Anspruchs, dass man sich in Deutschland gut um Kinder aus Flüchtlingsfamilien kümmert. Für die Umfrage wurden 1.007 Wahlberechtigte in ganz Deutschland befragt.

Ungleiche Bildungschancen

Caritas-Präsident Peter Neher wies darauf hin, dass in Deutschland Bildungschancen von Kindern immer noch sehr ungleich verteilt seien. "Die Lebensbedingungen von Kindern werden überwiegend vom Elternhaus geprägt", sagte er. Der Chef des katholischen Wohlfahrtsverbandes forderte eine Stärkung der Familien und flächendeckende Angebote für Schul- und Jugendsozialarbeit. Auch der Zugang zu Leistungen des Bildungs- und Teilhabepakets und deren Umfang müsse dringend verbessert werden, meinte Neher.

Die Vorsitzende der Kinderkommission im Bundestag, Bettina Wiesmann, betonte das Motto des diesjährigen Weltkindertags "Kinder brauchen Freiräume". Nötig sei "die Freiheit zum selbstbestimmten Spiel, zu ungesteuertem Ausprobieren und Entdecken der Welt um sie herum", sagte die CDU-Abgeordnete. Dies gelte in der Schule wie im Stadtviertel. "Kinder sollen einbezogen werden in die Gestaltung des Lebens in ihrem unmittelbaren Umfeld." Das Deutsche Institut für Menschenrechte forderte erneut, Kinderrechte im Grundgesetz zu verankern.

In anderen Ländern stärker bedroht

International sind Kinder in ihren Rechten bis hin zu in ihrem Leben weitaus stärker bedroht als in Deutschland. So machte das Kinderhilfswerk Terre des hommes darauf aufmerksam, dass immer mehr Kinder in Kriegen und bewaffneten Konflikten getötet oder verstümmelt würden. Laut einem aktuellen UN-Bericht sei ihre Zahl von 8.000 im Jahr 2016 auf mehr als 10.000 im vergangenen Jahr gestiegen. Für dieses Jahr befürchtet Terre des hommes einen weiteren Anstieg.

Laut einer am Mittwoch in New York veröffentlichten Unicef-Studie gehen weltweit 303 Millionen 5- bis 17-Jährige nicht zur Schule. Rund ein Drittel von ihnen lebt in Krisen- und Konfliktländern. Generell bleibe Armut die größte Hürde, durch die Kinder vom Lernen abgehalten werden, erklärte das UN-Kinderhilfswerk.

(KNA)

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