Flüchtlingshilfe in der Pflege
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Bundesfreiwilligendienstler helfen bei der Pflege
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Annegret Kramp-Karrenbauer
Annegret Kramp-Karrenbauer

27.08.2018

Diskussion um soziales Pflichtdienstjahr für Flüchtlinge Lieber die Freiwilligendienste stärken

Sollte ein verpflichtendes soziales Dienstjahr für Flüchtlinge eingeführt werden? Die Caritas des Erzbistums Köln ist da mehr als skeptisch. Vielmehr sollten bestehende Angebote wie FSJ und Bundesfreiwilligendienst besser unterstützt werden.

DOMRADIO.DE: CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer hatte den Vorschlag ins Feld geführt, ein verpflichtendes soziales Dienstjahr für Flüchtlinge in Deutschland einzuführen. Das klingt doch erst mal eigentlich ganz vernünftig. Flüchtlinge sollen besser integriert werden. Deshalb sollen sie auch ein verpflichtendes Dienstjahr machen. Was sagen Sie?

Irene Porsch (Flüchtlingsbeauftragte des Caritas Diözesanverbandes des Erzbistums Köln): Ich sage, dass die Integrationsmöglichkeiten an anderer Stelle besser aufgehoben sind. Ich finde es toll, wenn Menschen mit Fluchterfahrung ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) oder einen Bundesfreiwilligendienst machen, ihnen diese Möglichkeit gegeben wird. Genau da sollten die Möglichkeiten und die Herausforderungen, die es jetzt schon gibt, angepackt und finanziell entsprechend ausgestattet werden.

DOMRADIO.DE: Sie haben gesagt, Bundesfreiwilligendienst und FSJ sind theoretisch Möglichkeiten für Geflüchtete. Wie ist das denn? Können Flüchtlinge und Asylbewerber sich bewerben? Gibt es konkrete Angebote auch für sie?

Porsch: Ja, da gibt es konkrete Angebote - zum Beispiel im Erzbistum Köln seit 2015: 20 Plätze für ein FSJ. Das gilt für Menschen bis 27 Jahren mit Fluchterfahrung und seit 2018 auch einen Bundesfreiwilligendienst mit 20 Plätze. Klingt erst einmal wenig, ist ausbaufähig und liegt daran, dass es tatsächlich auch mit einigen Herausforderungen verbunden ist.

Menschen mit Fluchterfahrung brauchen Unterstützung, intensivere Begleitung, brauchen Sprachkurse. Es muss auch genau angeguckt werden, in welche Einsatzstellen sie gehen. Ein Freiwilligendienst hat ja auch einen pädagogischen Anspruch. Dementsprechend wird bei dem "Freiwillige Soziale Dienste e.V." im Erzbistum Köln sehr genau geschaut, dass diese Freiwilligen dabei nicht alleine gelassen werden.

DOMRADIO.DE: Sie haben jetzt das Problem der Sprache angesprochen. Das ist ja wirklich ein Ding, wenn man Flüchtlinge zum Beispiel in Kitas oder Pflegeheime schicken will. Wie muss das genau geregelt werden?

Porsch: Das geht erst ab einem gewissen Sprachniveau und das erreicht man nur mit entsprechender Unterstützung. Aber da muss man ja eh noch einmal schauen, ob so ein Pflichtjahr wirklich das richtige Instrument ist, um zum Beispiel Menschen in eine Kita oder ein Pflegeheim, wo ja gerade Beziehungsarbeit und ähnliches stattfindet, hineinzuschicken.

Vor sieben Jahren ist das Pflichtjahr für die Männer abgeschafft worden. Gerade Einrichtungen in der Pflege sagen jetzt selber auch, dass sie mit den Freiwilligen sehr gute Erfahrungen machen, weil sie mit einem ganz anderen Ansatz reingehen. Sie machen es nämlich freiwillig und haben auch eine größere Konstanz in ihrem Dienst.

Das nur als letzte Ergänzung zum Bundesfreiwilligendienst: Die Bundesregierung lässt dieses Jahr das Sonderprogramm Bundesfreiwilligendienst mit Flüchtlingsbezug auslaufen. Das heißt, die Extrafinanzierung, die möglich war für Bundesfreiwilligendienstplätze für Menschen mit Fluchterfahrung, gibt es nächstes Jahr nicht mehr. Andererseits kommt so eine Idee mit dem Pflichtjahr. Das ist noch nicht ganz rund.

DOMRADIO.DE: Also vorbereitende Kurse, damit sich ein Mensch mit Fluchterfahrung einbringen kann, werden nicht genug gefördert?

Porsch: Von öffentlicher Hand nicht genügend, aber wir haben ja im Erzbistum Köln die glückliche Lage, dass aus der Aktion "Neue Nachbarn", wie ich eben geschildert habe, diese 20 Plätze Freiwilliges Soziales Jahr und die 20 Plätze Bundesfreiwilligendienst extra gefördert werden. Aber das sind Bistumsmittel.

DOMRADIO.DE: Die Familien der Geflüchteten leben in Afrika zum Beispiel oder in anderen Herkunftsländern. Für diese Flüchtlinge ist es ganz wichtig, ihre Familie zu Hause finanziell zu unterstützen. Das ist auch ein Motiv um zu arbeiten. Das fiele bei so einem Dienstpflichtjahr ganz weg. Sehen Sie das auch als Problem?

Porsch: Das wäre ein weiteres Problem, weil sie mit ihrem Taschengeld, das sie im freiwilligen Dienst oder im sozialen Pflichtjahr ausgezahlt bekommen würden, natürlich nicht die Möglichkeiten haben, massiv zu unterstützen. Das stellt sich auch jetzt schon heraus, dass es, wenn es um eine Ausbildung oder Ähnliches geht, immer eine gewisse Hemmschwelle ist.

Es ist einfacher, in anderen Bereichen schneller und mehr Geld zu verdienen. Auf der kurzen Strecke. Was dann noch dazukommt, wo es dann auch ein bisschen an den Realitäten vorbeigeht, ist, dass wir zum Beispiel bei den freiwilligen Diensten, die es jetzt schon gibt, das Problem mit einer hohen Anzahl an Abschiebungen haben und auch immer einiges an hin und her, wenn es um Arbeitserlaubnis und ähnliches geht. Wie will man das jetzt bei einem Pflichtjahr besser umsetzen, als es derzeit ist? Das wäre für mich auch eine Anfrage.

DOMRADIO.DE: Es wäre also sehr viel sinnvoller das, was wir bereits haben, besser auszubauen und besser zu unterstützen, als jetzt diesen Vorschlag aufzugreifen?

Porsch: Auf jeden Fall, genau. Ausbau der Freiwilligendienste anstatt mit einem Pflichtjahr noch zurückzugehen in den Zustand vor sieben Jahren und das dann noch für Menschen mit Fluchterfahrung besonders unglücklich zu gestalten.

(DR)

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