Symbolbild Familiennachzug
Symbolbild Familiennachzug
Rudi Löffelsend
Rudi Löffelsend

09.02.2018

Caritas-Flüchtlingshelfer zum begrenzten Familiennachzug Erst Zuflucht, dann Wiederaufbau

Ab August soll der Familiennachzug auf 1.000 Menschen pro Monat begrenzt werden. Das sei sinnvoll, meint Rudi Löffelsend von der Caritas-Flüchtlingshilfe, denn die Menschen sollen perspektivisch ihr Heimatland wieder aufbauen.

DOMRADIO.DE: Sie sagen, wer den freizügigen Familiennachzug fordert, breche ein Versprechen. Sie sind für einen sehr eingegrenzten Familiennachzug. Wie meinen Sie das mit dem gebrochenen Versprechen?

Rudi Löffelsend (Vorstandsmitglied der Caritas-Flüchtlingshilfe Essen e.V. und Betreuer eines Flüchtlingslagers im Nord-Irak): Ich habe mich damit sehr intensiv befasst. Und von Anfang an war mir klar: Wer nur den eingeschränkten, also subsidiären, Schutzstatus hat, soll früher oder später in sein Heimatland zurückkehren.

Als die sehr große Flüchtlingswelle und damit der unkontrollierte Zustrom kam, sollten zwei Seiten beruhigt werden: die deutsche Bevölkerung, dass der Schutz befristet ist und die Flüchtlinge, dass sie erst einmal aufgenommen sind und Schutz erhalten.  

DOMRADIO.DE: Sie stehen mit Ihrer Haltung zum Familiennachzug alleine und im Widerspruch zur Kirche. Wie begründen Sie Ihre Forderung nach einem sehr eingegrenzten Familiennachzug?

Löffelsend: Asylrecht ist ein kostbares Recht, das setzt aber eine persönliche Verfolgung voraus. Es soll denen Schutz gewähren, die unmittelbar betroffen und aus Kriegsgebieten geflohen sind. Aber subsidiärer Schutzstatus bedeutet eben auch, dass Geflüchtete nicht ihr Leben lang hier bleiben, sondern wieder in ihre Heimat zurückkehren, wenn es möglich ist.

DOMRADIO.DE: Sie sagen, dass nur mit ausgesetztem Familiennachzug Fluchtursachen besser bekämpft und bessere Lebensbedingungen geschaffen werden. Wieso?

Löffelsend: Bessere Lebensbedingungen können nur geschaffen werden, wenn die Menschen zurückkehren – sobald dies möglich ist. In Syrien können Menschen zurzeit nur in wenige Gebiete zurückkehren, aber im Irak zum Beispiel ist es in mehreren Landesteilen möglich. Dort braucht man Leute, um das Land wiederaufzubauen und zu stabilisieren.

DOMRADIO.DE: Sie haben lange Erfahrung mit Rückkehrern aus dem Balkan- und dem Kosovokrieg. Wie lief die Rückführung konkret ab?

Löffelsend: Ende 1995 war der Balkankrieg mit dem Dayton-Abkommen zu Ende und ab 1997 gab es eine massive Rückkehr. Die Leute sind – allerdings oft nicht ganz freiwillig – gegangen. Die Caritas-Flüchtlingshilfe hat mit vielen internationale Hilforganisationen zwei Jahre lang Zeit gehabt, um alles vorzubereiten, damit die Menschen in ihrem Heimatland wieder Fuß fassen konnten. Damals sind fast 90 Prozent der Flüchtlinge innerhalb von fünf Jahren zurückgekehrt.

DOMRADIO.DE: Inwieweit muss bei der Rückführung die Bundesregierung behilflich sein?

Löffelsend: Es gab eine Meldung, dass der Noch-Entwicklungsminister Gerd Müller 640 Millionen Euro für genau diese Eingliederungsmaßnahmen zur Verfügung stellen will. Das ist ein Weg, aber das reicht natürlich nicht. Es muss noch Manpower hinzukommen, um die Dinge zu strukturieren.

Das Gespräch führte Tobias Fricke.

(DR)

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