Politik sollte sich für den Schutz der Familie einsetzen
Politik sollte sich für den Schutz der Familie einsetzen
Rainer Maria Kardinal Woelki
Rainer Maria Kardinal Woelki

02.02.2018

Kardinal Woelki gegen Übergangsregelung beim Familiennachzug "Obergrenze durch die Hintertür"

Am Donnerstag hatte der Bundestag die Neuregelung beschlossen: Bis Ende Juli bleibt der Familiennachzug ausgesetzt. Die Einigung ist für Kardinal Woelki aus christlicher Sicht ein Skandal.

Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki hat Kritik am schwarz-roten Kompromiss zum Familiennachzug bei Flüchtlingen mit eingeschränktem Schutzstatus geübt. Die Einigung von Union und SPD sei aus christlicher Sicht ein "Skandal", sagte Woelki der „Kölnischen Rundschau“ (Freitag). "Es darf nicht durch die Hintertür zu einer Obergrenze für die Aufnahme von Flüchtlingen aus humanitären Gründen kommen", so der Geistliche.

Politik sollte sich für die Familie einsetzen

Der Kompromiss, wonach der Familiennachzug zunächst weiter ausgesetzt und dann auf 1.000 Fälle im Monat begrenzt werden soll, trage zu "menschlichem Elend" bei. "Ich finde es nicht haltbar und nicht tragbar, dass wir auf der einen Seite in der Verfassung den Schutz von Ehe und Familie verankert haben und dann solche Lösungen gefunden werden", sagte der Kardinal.

Auf die Frage, ob die Unionsparteien lieber auf das "C" für christlich im Parteinamen von CDU und CSU verzichten sollten, antwortete der Erzbischof: "Das habe ich nicht zu beantworten, das muss so eine Partei schon selbst tun. Aber sie muss sich an dem messen lassen, was die Botschaft des Evangeliums ist."

Ein neues Einwanderungsgesetz

Ausdrücklich bestritt Woelki, dass Deutschland die Grenzen seiner Aufnahmefähigkeit erreicht habe: "Wir sind keineswegs an unser Limit gegangen und kommen auch nicht dorthin." Er kritisierte eine "Abschottungspolitik" und forderte ein Einwanderungsgesetz.

Der Vorwurf, christliche Vertreter hielten zu politische Predigten, ist für Woelki nicht nachvollziehbar. Die Kirche lasse sich nicht in eine "Sakristeiexistenz" zurückdrängen. "Wo die Würde des Menschen in Gefahr ist, haben wir das anzusprechen", sagte er. So dürften Christen auch in der Frage der Abtreibung "keine Ruhe geben" und nicht zulassen, dass die Tötung ungeborener Kinder als Ausdruck einer liberalen Gesellschaftsordnung gelte.

(KNA)

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