Papstenzyklika "Laudato si" als politische Vorlage
Papstenzyklika "Laudato si" als politische Vorlage

17.10.2017

Club of Rome sieht in Papst Franziskus Wegbereiter neuen Denkens "Tugend der Balance"

Der Club of Rome bescheinigt Franziskus eine wichtige Rolle bei der Lösung von Menschheitsproblemen. Statt Doktrinen habe der Papst eine "Tugend der Balance" gestartet, so die intenationale Vereinigung.

Mit seiner Enzyklika "Laudato si" (2015) habe eine "neue Aufklärung" begonnen, die die Welt benötige, um aus der Selbstzerstörung herauszufinden, heißt es in dem neuen Bericht der internationalen Vereinigung von Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Kultur, Wirtschaft und Politik, Club of Rome, der am Montagabend in München vorgestellt wurde.

Insofern sei das Papstschreiben ein "historischer Markstein". Der Bericht trägt den deutschen Titel "Wir sind dran", einer der beiden Hauptautoren ist Ernst Ulrich von Weizsäcker.

Rolle der Wirtschaft neu definieren

Weizsäcker sagte in München, die Zivilisation befinde sich in einer "tiefen philosophischen Krise". Das Wissen über die erforderlichen Veränderungen für den Erhalt der Welt sei vorhanden, aber alle bisher von der Politik vorgeschlagenen Therapien machten die Lage schlimmer.

Der zweite Hauptautor des Berichts, der Schwede Anders Wijkman, sagte, die Rolle der Wirtschaft müsse neu definiert werden. Dabei gehe es um die Klärung der Frage, ob es ihre Aufgabe sei, ein Prozent der Menschheit noch reicher zu machen, oder die Bedürfnisse möglichst aller Menschen zu stillen.

Kritische Auseinandersetzung mit Schöpfungsauftrag

"Viel kann erreicht werden, wenn man auf religiös fundierte Lehren achtet, die Sorgfalt und Pflege unseres gemeinsamen Hauses" verlangen, heißt es in dem Bericht in Anlehnung an "Laudato si". Kritisch setzen sich die Autoren mit der jüdisch-christlich-islamischen Tradition des sogenannten Schöpfungsauftrags auseinander. Das Mandat an die Menschheit, sich zu vermehren und die Erde untertan zu machen, könne für eine "volle Welt" mit inzwischen 7,5 Milliarden Bewohnern nicht mehr gelten.

"Statt Doktrinen" müsse die "neue Aufklärung" die "Tugend der Balance" betonen, schreiben von Weizsäcker, Wijkman und ihre 32 Co-Autoren. Ausbalanciert werden müsse das Verhältnis von Mensch und Natur, öffentlichen und privaten Gütern sowie kurzfristigen und langfristigen Interessen und Folgen. Im Schlussteil des Buches finden sich 18 Erfolgsmodelle für Wirtschaft und Politik, die zum sofortigen Handeln einladen.

Privates Kapitel soll in klimafreundliche Firmen fließen

Nach der Buchvorstellung wurde von Unternehmern in München eine "Investmentwende" ausgerufen. Privates Kapital sollte gezielt in solche Firmen fließen, die sich dem Pariser Klimavertrag und den nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen verpflichtet fühlten und damit einen Beitrag zur Lösung der wirklichen Probleme der Welt leisteten, hieß es.

Der Club of Rome vereinigt seit 1968 weltweit Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Kultur, Wirtschaft und Politik. Sein erster Bericht 1972 über die "Grenzen des Wachstums" inspirierte die globale Umweltbewegung.

(KNA)

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