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Hungersnot im Südsudan
Hungersnot im Südsudan
 Entwicklung des privaten Spendenaufkommens 2005 bis 2016
Entwicklung des privaten Spendenaufkommens 2005 bis 2016

27.03.2017

Worauf man beim Spenden achten sollte Information und Bauchgefühl

Momentan erschüttern Bilder von hungernden Kindern die Welt. Die beiden großen christlichen Kirchen in Deutschland rufen deshalb eindringlich zu Spenden auf. Doch wie kann man sicher sein, dass das Geld auch zielgerichtet ankommt?

domradio.de: Schauen wir auf die aktuellen Hungerländer in Afrika - im Südsudan, Nordnigeria, und Somalia, aber auch im Jemen auf der Arabischen Halbinsel gelten insgesamt rund 20 Millionen Menschen als akut vom Tod bedroht. Wenn man spenden will, wie kann man das sicher und zielführend tun?

Burkhard Wilke (Geschäftsführer des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen): Man geht am besten auf unsere Webseite dzi.de. Dort haben wir seit vergangener Woche eine spezielle Spendeninfo verlinkt mit dem Namen "Hilfe für Afrika". Man findet dort 15 Adressen von Organisationen, die unser Spendensiegel tragen und die wir jährlich überprüfen und deshalb bestens Gewissens empfehlen können, weil sie genau in diesen Ländern zurzeit aktiv sind.

domradio.de: Das sind zum Beispiel?

Wilke: Unicef gehört zu diesem Bündnis, Brot für die Welt, Medico International, Ärzte ohne Grenzen, die Welthungerhilfe, die Missionszentrale der Franziskaner oder die Kindernothilfe. Es sind also viele mittelgroße bis große Organisationen. Dass die auch gute Arbeit leisten, prüfen wir jährlich mithilfe dieses Siegels.

domradio.de: Seit Jahren fließen viele Millionen in die verschiedenen afrikanischen Länder. Warum sind immer noch so schlimme Hungersnöte möglich? 

Wilke: Das Gefühl, dass sich da nichts ändert, trügt. Vor allem in afrikanischen Ländern, aber auch in anderen Regionen hat sich schon viel getan. Es ist ein Problem, dass die Situation in Afrika nur dann öffentliches Aufsehen erhält, wenn in bestimmten Regionen Hungerkatastrophen zu beklagen sind. Laut unserem Stand wird für die rund 20 Millionen Menschen in den betroffenen Länder auch gar nicht so viel gespendet. Sowohl wir als Spenderberatung als auch die Nicht-Regierungs-Organisationen beklagen, dass die Fortschritte vor allem sehr unterschiedlich stark sind - nicht nur im Bezug auf Hungersnöte sondern auch im Bezug auf Korruption. Dass man diese Fortschritte oder Missstände falsch wahrnimmt, liegt an der einseitigen Berichterstattung. So entsteht ein verzerrtes Bild.

domradio.de: Wie prüfen Sie Hilfsorganisationen darauf, dass sie verantwortungsvoll mit den Spenden umgehen?

Wilke: Die Organisationen, die unser Spendensiegel tragen, stellen im ersten Schritt einen Antrag an uns. Die Überprüfung erfolgt anhand von sieben Standards. Wir prüfen unter anderem, ob wirtschaftlich, sparsam und wirksam gehandelt wird. Wir betrachten also auf der einen Seite die Finanzen ganz genau und schauen wie geprüft wird, dass die Maßnahmen auch wirksam sind, oder wie Misserfolge aufgedeckt werden. Im Jahresbericht müssen diese Informationen klar kommuniziert werden. Ich kann jedem empfehlen, sich auf der Website einer Organisation den Jahresbericht anzuschauen. Da findet man dann auch Informationen über die Fortschritte und Rückschläge. Ein dritter wichtiger Punkt ist die sogenannte Fundraising Ethic. Wir kontrollieren, dass nicht mit überwiegend emotionalen oder gar falschen Informationen geworben wird. Spendenaufrufe sind natürlich immer emotional, sollten aber nicht zu drängend sein. Und dann gibt es noch Themen wie Leitungs- und Aufbaustruktur, die eine Rolle spielen.

domradio.de: Woran kann ich denn als Spender merken, dass bei einer Organisation etwas nicht stimmt?

Wilke: Das ist ein Thema, wo jeder Spender auf sein Bauchgefühl hören sollte. Wenn man Spendenbriefe bekommt, die stark mitleidserregende Bilder und plakative Texte enthalten, aber kaum konkrete Informationen, sollten diese Broschüren eigentlich sofort in den Papierkorb wandern. Viele Spender sind allerdings zu höflich und wollen dann trotzdem spenden. Wir empfehlen jedoch, die Spenden auf wenige, vertrauenswürdige Organisationen zu konzentrieren.

Das Gespräch führte Renardo Schlegelmilch.

(DR)

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