Intoleranz und Gewalt stehen dem Frieden im Wege
Eine Friedenstaube als Symbol für den Frieden
Proteste von pax christi vor dem Dom
Proteste von pax christi vor dem Dom
Proteste von pax christi vor dem Dom
Proteste von pax christi vor dem Dom

09.08.2019

Pax Christi übt Kritik am Konzept des Soldatengottesdienstes Eine Frage des Friedensverständnisses

Es ist Tradition seit 1978: Der Internationale Soldatengottesdienst zum Weltfriedenstag im Hohen Dom zu Köln. Die Friedensorganisation Pax Christi möchte den Soldatengottesdienst in seiner jetzigen Form abschaffen. Warum?

DOMRADIO.DE: Sie kritisieren in einem am Mittwoch veröffentlichten Brief an den Kardinal den jährlichen Internationalen Soldatengottesdienst in der Kathedrale. Dieser hebe "durch die massive Präsenz der Soldaten" den Aspekt militärischer Konfliktbearbeitung einseitig hervor. Der offizielle Titel spricht aber gar nicht von einem Soldatengottesdienst oder Militärgottesdienst. Es ist zumindest vom Titel her ein Friedensgottesdienst. Das ist doch im Prinzip genau das, was sie wollen, oder?

Reinhard Griep (Diözesanvorstand Pax Christi Köln): Das ist das Friedensverständnis, was offensichtlich unser Kardinal hat. Das ist aber nicht das umfassende Friedensverständnis, was Pax Christi und andere Christen haben. Von daher müssen wir uns darüber genau unterhalten. Ich denke, dass er vor allen Dingen ein Friedensverständnis hat, das sich militärisch ausdrückt und auf militärische Konfliktlösung setzt.

DOMRADIO.DE: Was würden Sie sich als Alternative wünschen?

Griep: Uns geht es darum, dass insbesondere aktive, gewaltfreie Aktionsformen, die es ja vielfältig gibt und die auch Pax Christi gerade favorisiert und auch hervorhebt, zum Tragen kommen. In so einem Gottesdienst sollten diese Dinge benannt werden und diese Wege auch bekannt gemacht werden.

DOMRADIO.DE: Kann man denn Soldaten mit mit der Abwesenheit von Frieden gleichsetzen? Soldaten sind ja auch dafür da, dass der Frieden erhalten bleibt.

Griep: Selbstverständlich kann es Situationen geben, wo auch eine militärische Anwesenheit notwendig ist. Dafür gibt es auch internationale Bündnisse. In diesen Kontexten kann es notwendig sein, in solchen Situationen Soldaten einzusetzen. Und es geht ja auch nicht darum, dass wir die Soldaten ausschließen wollen, sondern es geht darum, dass dieser Internationale Soldatengottesdienst ja anlässlich des Weltfriedenstages stattfindet. Das ist ein vom Papst ausgerufener Weltfriedenstag, dem dieses umfassende Friedensverständnis zugrunde liegt. Der Papst hat auch immer wieder betont, dass es um andere Formen der Konfliktbewältigung geht, und dass es überhaupt nicht sein kann, dass die militärische sozusagen die Einzige ist, die in den Vordergrund gestellt wird.

DOMRADIO.DE: Wenn wir uns den Soldatengottesdienst, oder den Friedensgottesdienst - je nachdem wie man es definieren will - aus diesem Jahr ansehen. Es ist nicht so, dass die militärische Lösung da gefeiert wird. Es ist im Gegensatz sogar so, dass Kardinal Woelki in seiner Predigt extra die Aufrüstung kritisiert hat. Das geht doch eigentlich schon in die Richtung, die sie wollen, oder?

Griep: Das freut uns natürlich, wenn er das tut. Gleichwohl ist der doch relativ martialische Auftritt der Soldaten in ihrem Habitus natürlich ein eindeutiger Ausdruck einer einseitigen Herangehensweise an dieses Thema. Dass Kardinal Woelki da auch kritische Worte findet, finden wir natürlich unterstützenswert. Und dennoch wünschen wir uns, und das hat ja auch etwas damit zu tun, welche Wertigkeit anderen Lösungen beigemessen wird, dass auch Menschen eingeladen werden, die andere Wege favorisieren. Wir gedenken jetzt gerade heute am 9. August dem Atombomben-Abwurf auf Nagasaki. Und das heißt ja auch für uns, dass wir der Atombewaffnung zum Beispiel massiv entgegentreten müssen und dass es Riesenprobleme sind, die da auf uns zukommen. Da bedarf es ganz dringend zivilen Engagements - und das kann natürlich überhaupt nicht militärisch sein.

DOMRADIO.DE: Was sagen Sie denn den Soldaten, die überzeugte Christen sind und die mit Kardinal Woelki den Gottesdienst feiern? Das ist doch ein Schlag ins Gesicht, wenn man denen sagt: Ihr steht für Krieg, ihr steht für gewaltsame Auseinandersetzungen. Wir wollen nicht, dass ihr einen eigenen Gottesdienst bekommt, den ja zum Beispiel auch die Fußballfans oder die Karnevalisten jedes Jahr bekommen.

Griep: Kardinal Woelki kann selbstverständlich einen eigenen Gottesdienst, einen Internationalen Soldatengottesdienst, halten. Es geht vor allem um die Besetzung dieses Themas anlässlich des Weltfriedensgottesdienstes. Und das ist für uns eine einseitige Darstellung und Unterstützung von einem Friedensverständnis, das wesentliche Teile ausschließt und damit auch Menschen ausschließt, die für eine andere Form der Konfliktlösung stehen.

Das Interview wurde geführt von Renardo Schlegelmilch.

HINTERGRUND

Auf Anregung des damaligen Militärgeneralvikars, Dr. Martin Gritz, hatten die Gemeinschaft Katholischer Soldaten (GKS) und das Apostolat Militaire International (AMI) im Jahre 1975 in Rom anlässlich einer Soldatenwallfahrt während des Heiligen Jahres beschlossen, zu Anfang jeden Jahres Veranstaltungen zum Weltfriedenstag unter dem jeweils vom Heiligen Vater gewählten Motto durchzuführen.

Den Internationalen Soldatengottesdienst in Köln gibt es seit 1977. Diesen ersten Soldatengottesdienst feierte Kardinal Höffner mit ca. 1.100 Soldaten aller im Erzbistum Köln stationierten Nationen in der Apostelkirche zu Köln. Da die Apostelkirche nicht groß genug war, fand der nächste Soldatengottesdienst 1978 im Hohen Dom statt. Es feierten zeitweise bis zu 3.000 Soldaten mit dem Erzbischof von Köln diesen Internationalen Soldatengottesdienst. Seit dem 30. Januar 1990 bis zum 23. Januar 2014 feierte sein Nachfolger als Erzbischof, Joachim Kardinal Meisner, jährlich den Gottesdienst mit den Soldatinnen und Soldaten. Diese Tradition setzt der neue Erzbischof von Köln, Rainer Maria Kardinal Woelki, nun fort.

Im Anschluss an den Gottesdienst werden Abordnungen der Soldaten zur Begegnung mit dem Bischof ins Maternushaus eingeladen. Hier ist Gelegenheit zum Gedankenaustausch zwischen politischer, militärischer und kirchlicher Führung. Wegen der Enge des Raumes ist für den großen Teil der mitfeiernden Soldatinnen und Soldaten auf der Domplatte ein Forum der Begegnung gegeben. Hierbei gibt es eine warme Stärkung und das Angebot verschiedener Besichtigungsmöglichkeiten. Militärgeistliche und Pfarrhelfer stehen dabei den teilnehmenden Soldatinnen und Soldaten für Gespräche zur Verfügung.

An dem Weltfriedenstag in Köln werden ca. 1.200 Soldaten aus den Seelsorgebezirken der Umgebung erwartet. Außerdem werden an dem Gottesdienst Soldaten ausländischer Streitkräfte sowie Beamte der Bundespolizei und Lehrgangsteilnehmer des Bundessprachenamtes in Hürth teilnehmen.

(DR)

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