Was macht die katholische Landjugend bei der Grünen Woche?
Junge Frau und ein Traktor auf einem Feld
Die Grüne Woche findet in diesem Jahr komplett digital statt
Die Grüne Woche findet in diesem Jahr komplett digital statt

19.01.2021

Katholische Landvolkbewegung blickt auf Grüne Woche "Miteinander für die Bauern laut werden"

Viele Veranstaltungen fallen der Corona-Pandemie zum Opfer oder können nicht wie gewohnt ablaufen. So auch die Grüne Woche, die in diesem Jahr nur digital stattfindet. Doch das Engagement für die hiesige Landwirtschaft ist ungebrochen.

DOMRADIO.DE: Bei der Grünen Woche widmet sich das Zukunftsforum "Ländliche Entwicklung" dem Thema "Alles digital oder doch wieder normal? - Neue Formen von Arbeit und Teilhabe als Chance für die ländlichen Räume". Das klingt erstmal etwas theoretisch, aber es geht um sehr praktische Dinge, wie zum Beispiel die Bauern-Box. Was genau ist das?

Bettina Locklair (Bundesgeschäftsführerin der Katholischen Landvolkbewegung Deutschland): Die Bauern-Box ist etwas sehr Praktisches. Es ist eine Kiste, in der die Produkte verschiedener Landwirtinnen und Landwirte zur Kundin oder zum Kunden gebracht werden. Manche unserer Mitglieder oder auch der Menschen in Deutschland kennen das vielleicht als Gemüsekiste, die sie bestellen können und so ganz frisch die Produkte nach Hause geliefert bekommen.

DOMRADIO.DE: Warum ist es so wichtig, dass Bauern in Zukunft ihre Kartoffeln und Kürbisse nicht nur nachhaltig produzieren, sondern selber auch vermarkten?

Locklair: Sie ersparen sich damit einige Zwänge. Wir haben gerade in den letzten Wochen viele Diskussionen mitbekommen, wie der Lebensmitteleinzelhandel die Bauern unter Druck setzt. An Weihnachten und kurz vor Neujahr gab es die Diskussion über Sperrungen der Milchbauern vor den Aldi-Lagern wegen der Milch- und Butterpreise. Wenn die Bauern ihre Produkte direkt vermarkten, haben sie natürlich auch die Preisgestaltung, die Gestaltung ihrer Produkte und das Marketing etwas besser in der Hand. Außerdem sind die Verbraucherinnen und Verbraucher so eher dazu bereit, tatsächlich den angebrachten Preis zu zahlen.

DOMRADIO.DE: Sie glauben also, dass es durch eine eigene Vermarktung den Bauern gelingen könnte, diesem enormen Preisdruck der Supermarktketten zu entkommen?

Locklair: Wirklich entkommen können sie diesem Druck nicht. Wir haben aber gerade im vergangenen Jahr durch die Corona-Pandemie gesehen, dass die Menschen wieder Wert darauf legen, dass nicht nur die Versorgungssicherheit gegeben ist, sondern die Produkte auch aus der Region stammen. Sie möchten in einen Hofladen fahren können und von ihrer Landwirtin oder ihrem Landwirt die Produkte bekommen.

Ich denke, das zeigt die Marktmacht, die wir als VerbraucherInnen auf der einen Seite und als LandwirtInnen auf der anderen Seite haben. Die sollten wir nutzen und das ist bei der regionalen und direkten Vermarktung möglich.

DOMRADIO.DE: Was sind denn bei der direkten regionalen Vermarktung die größten Herausforderungen?

Locklair: Eine Herausforderung ist, wie in vielen Fällen, die Bürokratie. Es ist wirklich schwierig für eine Landwirtin oder einen Landwirt, das Bürokratische zu organisieren, das Marketing und vor allen Dingen die Logistik auf die Beine zu stellen. Denn die Menschen, die diese Produkte haben wollen, wohnen nicht gerade um die Ecke. Dann zu organisieren, dass die Bestellung rechtzeitig kommt und ausgeliefert wird, die Wege zurückgelegt werden, das ist eine der großen Herausforderungen.

DOMRADIO.DE: Sie haben gerade einen positiven Nebeneffekt von Corona genannt: Lebensmittel werden auch mehr wertgeschätzt. Wie sehr hat die Pandemie die Bauern andererseits getroffen?

Locklair: Auf ganz unterschiedliche Art und Weise. Wir hatten die Diskussion über die Saison-Arbeiterinnen und Arbeiter, die plötzlich nicht mehr kommen konnten. Da standen plötzlich Tausende von helfenden Händen nicht mehr zur Verfügung. Daran haben wir aber auch gesehen, was für eine schwere Arbeit diese Menschen machen und teilweise auch, in was für Verhältnissen sie die Arbeit verrichten müssen.

Wir haben aber auch erlebt, dass Absatzmärkte, wie die Gastronomie, weggebrochen sind. Geschlossene Restaurants bestellen keine Lebensmittel. Der Tourismus, die Ferien auf dem Bauernhof, die sich viele bäuerliche Familienbetriebe als ein zweites oder drittes Standbein aufgebaut haben, konnten plötzlich nicht stattfinden. Das hat schon viele Landwirtinnen und Landwirte sehr stark getroffen.

DOMRADIO.DE: Eine große Herausforderung für alle ist natürlich, wie wir in Pandemie-Zeiten sinnvoll zusammenarbeiten können. Das gilt natürlich auch für Verbände. Wie haben Sie das als Katholische Landvolkbewegung gelöst?

Locklair: Zum einen ist so vieles auf online umgestellt worden. Das ist schon sehr erstaunlich, wie schnell das funktioniert hat, da es viele vorher abgelehnt haben. Aber ich glaube, wir müssen uns einfach stärker vernetzen. Wir müssen stärker miteinander für die Bauern laut werden. Insofern war die Demonstration, die jetzt am Samstag stattgefunden hat, etwas ganz Wichtiges. Die Demonstration hat sich auch der Pandemie angepasst und ist eher symbolisch auf die Straße gegangen.

Gleichzeitig freuen wir uns alle darauf, wenn wir uns tatsächlich mal wieder begegnen können. Aber mit vielen anderen auf dieser Welt und in diesem Land online vernetzt zu sein, das ist das Allerwichtigste im Augenblick.

Das Interview führte Hilde Regeniter.

(DR)

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