Papstenzyklika "Laudato si" als politische Vorlage
Papstenzyklika "Laudato si" als politische Vorlage
Indigene im Amazonas-Gebiet vom Coronavirus betroffen
Indigene im Amazonas-Gebiet vom Coronavirus betroffen

24.05.2020

Adveniat zum Nachhall des Papstschreibens "Laudato si" "Wir brauchen diese Enzyklika"

Nie zuvor hat ein Papst die Schöpfung so in den Mittelpunkt gestellt: Für den Hauptgeschäftsführer des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat sorgt die Enzyklika "Laudato si" bis heute auch fern der Kirchen für großes Engagement. 

DOMRADIO.DE: Das Papstschreiben "Laudato si" gilt nicht nur als reine Umweltenzyklika, sondern auch als Sozialenzyklika. Für Papst Franziskus hängt beides zusammen, oder?

Pater Michael Heinz (Hauptgeschäftsführer des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat): Genau, das ist richtig. Es geht nicht nur um Umweltschutz und den Klimawandel, sondern auch um die Menschen. Wir sehen das gerade in Lateinamerika am Amazonas, der "Lunge der Erde", wie Papst Franziskus ihn nennt.

Und in dieser Lunge der Erde leben vor allen Dingen indigene Völker. Es geht Papst Franziskus darum, dass diese Menschen, die im Grunde genommen die besten Umweltschützer sind, auch geschützt werden. Und dafür setzt er sich mit "Laudato si" ein.

DOMRADIO.DE: Wie haben Sie vor fünf Jahren die Veröffentlichung wahrgenommen?

Heinz: Ich war damals als Missionar in Bolivien tätig - in San Ignacio de Velasco, einer Zone, die zum bolivianischen Amazonasgebiet gehört. Wir waren über diese Enzyklika sehr glücklich. Wir haben sie mit Interesse gelesen und auch in den Schulen verbreitet, vor allen Dingen in den Gymnasien, weil wir gesagt haben: Genau das ist es, was uns in diesem Moment fehlt! Wir brauchen diese Enzyklika, um die Menschen weiter zu schulen und um etwas für die Umwelt und die Menschen in dieser Umwelt zu tun.

DOMRADIO.DE: Es war ein eindringlicher Appell für die Umwelt, der von Papst Franziskus ausgegangen ist. Das gab es so vorher noch nie von einem Papst. Meinen Sie, dieser Appell ist durchgedrungen?

Heinz: Ich glaube schon. Ich erlebe in Deutschland und Europa, dass die Enzyklika ein sehr großes Echo hinterlassen hat. Sie wurde interessanterweise nicht nur in der Kirche, sondern gerade auch außerhalb der Kirche sehr positiv aufgenommen. Ich habe bei den Begegnungen - sowohl mit Politikern als auch mit Menschen aus der Wirtschaft - ein sehr positives Echo auf diese Enzyklika erhalten.

DOMRADIO.DE: Sie haben auch die Kirchen genannt. Haben diese denn mehr für den Klimaschutz getan?

Heinz: Ich denke, dass wir in Deutschland im Moment relativ viel für den Klimaschutz tun. Die Kirchen in Deutschland - ich schließe da die evangelische Kirche mit ein - haben sich sehr stark engagiert.

Ich habe im letzten Jahr gespürt, dass die Ortskirchen in Lateinamerika Nachholbedarf haben, aber ich glaube, das ist inzwischen geschehen. Denn mit der Amazonas-Synode im Oktober letzten Jahres haben die Menschen gespürt: Das ist ein ganz wichtiges Thema, und dieses Thema müssen wir gemeinsam voranbringen. So wie Papst Franziskus es auch in der Enzyklika sagt: Alles ist mit allem miteinander verbunden.

Und wie stark wir weltweit miteinander in Verbindung stehen, das spüren wir gerade jetzt in der Zeit der Corona-Krise. Ich glaube, deswegen hat auch die Kirche in Lateinamerika durch die Amazonas-Synode und vor allen Dingen durch "Laudato si" noch einmal einen richtig starken Impuls bekommen, auf diesem Feld weiterzuarbeiten.

DOMRADIO.DE: Zugleich hat die Corona-Krise dafür gesorgt, dass das Thema Klimaschutz und der Einsatz für unsere Umwelt in den Hintergrund gerückt ist, oder? 

Heinz: Ja, das hat man in den ersten Wochen ganz deutlich gespürt. Wir waren mit uns beschäftigt. Natürlich ist so eine Krise auch erst einmal etwas, was uns persönlich sehr stark angeht. Mit uns meine ich jetzt uns Deutsche. Aber mit der Öffnung und mit der langsamen Normalität richten wir das Augenmerk wieder auf andere in der Welt: Wie geht es den anderen in dieser Krise?

Da, denke ich, haben die Menschen in Deutschland gezeigt, dass sie solidarisch sein können. Und Gott sei Dank können wir als Lateinamerika-Hilfswerk den Menschen in diesen Wochen und Monaten stark unter die Arme greifen. Das brauchen sie nämlich. Denn die Not vor Ort ist natürlich noch viel schlimmer als bei uns, weil die ganzen Versicherungen nicht da sind.

Die Menschen leiden Hunger, wenn sie nicht arbeiten können. Und so sind wir froh, dass Adveniat direkt an der Basis mit den Menschen ist und von der Basis aus den Menschen direkt helfen kann, vor allen Dingen den Ärmsten und den Indigenen.

(DR)

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