Synodaler Weg soll kein deutscher Alleingang sein
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02.10.2021

Synodaler Weg zeigt sich offen für grundlegende Neuerungen Gewaltenteilung auf allen Ebenen

Die Vollversammlung des Synodalen Wegs hat sich über Grundzüge für radikale Änderungen sowohl in der katholischen Sexuallehre als auch beim Umgang mit Macht in der Kirche verständigt. Die Mehrheit sprach sich für Neuerungen aus. 

Rund vier Fünftel der 212 Teilnehmenden sprachen sich für grundsätzliche Neuerungen aus, ein knappes Fünftel votierte dagegen. 168 Teilnehmende forderten neue Akzente der Wahrnehmung von Sexualität und Beziehungen.

Eine deutliche Absage erteilt die Vorlage sogenannten Konversionstherapien für Homosexuelle. Gleichgeschlechtliche Paare und wiederverheiratete Geschiedene sollten gesegnet werden können. Notwendig sei ein "Paradigmenwechsel". Keine Mehrheit fand ein alternativer Text einer konservativen Gruppe.

Zulassung von Frauen zu Weiheämtern

Ein weiteres Grundsatzpapier favorisiert eine neue Ordnung der Machtstrukturen. Beispiele sind Gewaltenteilung auf allen Ebenen, mehr Mitsprache der Basis bei der Berufung von Amtsträgern und eine Zulassung von Frauen zu Weiheämtern.

Ämter dürften nur auf Zeit vergeben werden. Das alles sei "kein Manöver zeitgeistiger Anpassung", sondern Folge des Missbrauchsskandals. Auch hier hatte eine Gruppe Konservativer ein alternatives Papier vorgelegt, fand aber nur wenig Unterstützung. Besonders groß war die Zustimmung zu Änderungen unter Frauen.

Kritik an Anerkennungsleistungen

Immer wieder ging es bei den Beratungen um den Skandal sexuellen Missbrauchs, der den von der Bischofskonferenz und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) ins Leben gerufenen Reformprozess ausgelöst hatte. Kritik äußerte der Betroffenenbeirat der Bischofskonferenz am Verfahren zu Anerkennungsleistungen. "Warum werden Betroffene und damit Opfer von Gewaltverbrechen sehenden Auges einer erneuten und hier ausschließlich systembedingten Traumatisierungsgefahr ausgesetzt?", so Beiratsmitglied Kai Christian Moritz. Dies sei umso unverständlicher, da das Problem bekannt sei.

In einer teils emotionalen Debatte sagte der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer: "Ich kenne die Tränen der Betroffenen und lasse mir nicht nachsagen, dass ich unsensibel bin. Aber ich lehne eine Emotionalisierung und das unfehlbare Lehramt der Betroffenen ab." Dem entgegnete der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck: "Man kann durchaus von einem Lehramt der Betroffenen sprechen und das ist das einzige wirklich unfehlbare."

Braucht es noch Priester?

Mit 95 zu 94 Stimmen sprachen sich die Teilnehmenden für eine Debatte darüber aus, ob es Priester braucht. Zu dem zwölfseitigen Grundlagen-Text "Priesterliche Existenz heute" hatte es 180 Eingaben gegeben. Mehrere Teilnehmer kritisierten mangelnde Tiefe. Andere würdigten den Text als gut verständlich. Trotz vieler Vorbehalte sprach sich eine große Mehrheit dafür aus, das Papier zur weiteren Bearbeitung wieder in die Arbeitsgruppe zu überweisen.

Die bis Samstag dauernden Beratungen führen nicht zu Beschlüssen, sondern gelten als Richtungsanzeige. Voten sollen bei der nächsten Versammlung Anfang 2022 gefällt werden. Grundsätzliche Änderungen können allerdings nicht ohne die Zustimmung des Vatikan umgesetzt werden.

(KNA)

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