Viele Menschen erwarten Reformen in der Kirche
Viele Menschen erwarten Reformen in der Kirche

03.03.2021

Initiative "Katholischer Klartext" befragt die Basis "Wir wollen in der Kirche bleiben"

Die Kirchen verlieren rasant Mitglieder. Es gibt viel Kritik wegen mangelnder Reformen. Auch die Initiative katholischer-klartext.de holt digital ein Meinungsbild von der Basis ein. Intiator ist Carl Kau aus Bremen.

DOMRADIO.DE: katholischer-klartext.de heißt Ihre Seite. Warum dieser Name?

Carl Kau (Begründer von katholischer-klartext.de): Zum einen habe ich Weihnachten erschreckend festgestellt, dass ich meine Familie mit erwachsenen, verheirateten Töchtern und Enkeln nicht mehr in die Kirche kriege, weil die Ablehnung so groß geworden ist, obwohl wir eine gläubige Familie sind. Danach habe ich - wegen der Überlegung Austritt oder Verbleib - meinen Bischof Bode angeschrieben, ohne von ihm eine Antwort zu bekommen.

Dann habe ich mit Bischof Wilmer, der auch für Bremen zuständig ist, kommunizieren dürfen. Das ist ein sehr aufgeschlossener und reformwilliger Mann, den man unterstützen muss. Danach habe ich mir gedacht, man muss mal die Meinung der schweigenden Mehrheit erfassen und das dem Klerus spiegeln.

DOMRADIO.DE: Dabei machen viele Gleichgesinnte, Freunde und Bekannte von Ihnen mit. Welche Themen beschäftigen Sie vor allem?

Kau: Wir wollen in der Kirche bleiben. Wir haben gar nichts gegen Kirche. Wir wollen aber eine lebendige Kirche der Zukunft. Und da stört uns die Tatsache, dass wir außer der Teilnahme am Gottesdienst nirgendwo vernünftige demokratische Mitbestimmungsrechte haben. Wir empfinden Kirche als absolutistische Monarchie. Uns stört - und Köln ist da ja geradezu ein Hotspot - die verzögerte Aufarbeitung und die Vertuschung, um die Kirche zu schützen und den Opferschutz zurückzustellen.

Wir glauben, dass der Pflichtzölibat, den man ja freiwillig leben kann, keine lebensnahe, wirkliche Lebensform ist. Wir möchten den Menschen freistellen, über ihre Lebensform selbst zu entscheiden. Und wir unterstützen auch die Forderungen von Maria 2.0. Wir brauchen dringend Gleichberechtigung in der Kirche. Es kann nicht sein, dass wir die Begabungen und Qualitäten der Hälfte der Menschheit bei Berufungen ausschließen.

Dazu hat ja Philippa Rath von den Benediktinerinnen gerade ein wunderbares Buch im Herder Verlag veröffentlicht. Und als Letztes: Wir brauchen auch mehr Transparenz. Es kann nicht sein, dass wir 6,71 Milliarden Euro Kirchensteuer im Jahr bezahlen und darüber nicht ein Mal im Jahr Rechenschaft in der Gemeinde abgelegt wird.

DOMRADIO.DE: Also der große Aufruf zu umfassenden Reformen. Und Sie haben ein Drohmittel, eine Idee, um zu zeigen, wie ernst es Ihnen ist: der temporäre Kirchenaustritt. Was Wollen Sie damit erreichen?

Kau: Wir bezeichnen das als Auszeit. Aber nochmal: Wir wollen in der Kirche sein und bleiben. Aber wir wollen einmal spiegeln, wie das ist, wenn die Menschen auch bereit wären, temporär auszutreten. Wir haben dafür jeden Austrittsbereiten mit der durchschnittlichen Kirchensteuersumme hinterlegt. Das sind übrigens nach Auskunft der Bischofskonferenz 300 Euro im Jahr. Diese Summen würden der Kirche verloren gehen, wenn die Leute den Austritt verwirklichen würden.

Friedrich der Große hat mal gesagt: "Die Macht der Fürsten endet erst am Grunde ihres Geldbeutels." Ich glaube, dass man Dinge mit Geld fördern kann, aber dass man damit auch Druck ausüben kann. Denn von selber bewegt sich der Klerus offensichtlich nicht. Und den Synodalen Weg, der ja auch mehr oder weniger eine Wiederholung früherer Gespräche ist, ist eher eine lange Bank.

DOMRADIO.DE: Haben Sie schon einen Termin für das Amtsgericht?

Kau: Nein, habe ich nicht. Das ist in Bremen auch nicht einfach, und es werden auch Gebühren dafür genommen. Aber ich sage mal, noch habe ich Gottvertrauen und Zuversicht, dass wir in der Kirche bleiben dürfen. Es muss sich ja etwas bewegen. Schauen Sie, von den 20 Millionen Katholiken geht jährlich eine Million - Todesraten plus Austritt - verloren. Da bleiben der Kirche ja nur zwei Jahrzehnte. Und wenn sie sich in der Zeit nicht verändert, ist sie ohne Gläubige.

DOMRADIO.DE: Wie sieht Ihre persönliche Traumbeziehung zwischen Geistlichen und den katholischen Laien aus? Wie stellen Sie sich das vor?

Kau: Im Evangelium gibt es klare Worte von Jesus Christus, wie er sich das vorstellt. Das war mit Sicherheit nicht Reichtum, Macht, Alleinherrschaft, männliche Privilegien, sondern die Vorstellung ist eher dienend und den Menschen zugewandt und nicht beherrschend. Von daher stört mich schon der Begriff Laie. Ich habe den Begriff Laien im Evangelium nirgendwo gefunden, dass die einen sich als Profis bezeichnen und die anderen als Laien abgetan werden. Früher waren ja sogar die Schafe bei den Hirten.

Das ist ein Verhältnis, das einfach nicht mehr zeitgemäß ist. Wir sind eine lebendige Gemeinschaft und wir müssen auf Augenhöhe gemeinsam mit den Geistlichen unsere Zukunft gestalten. Und da wünsche ich mir Veränderungen.

Das Interview führte Tobias Fricke.

(DR)

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