Archivbild: Rainer Maria Kardinal Woelki bei der Synodalversammlung am 31. Januar 2020
Archivbild: Rainer Maria Kardinal Woelki bei der Synodalversammlung am 31. Januar 2020

04.09.2020

Corona-Krise Thema auf den Regionenkonferenzen "Sterben und Tod in die Mitte der Gesellschaft gerückt"

Wegen der Corona-Pandemie hat sich der Zeitplan für den Synodalen Weg verschoben. Nun finden Regionenkonferenzen an fünf Orten statt. Auch die Corona-Krise ist Thema. Für Kardinal Woelki hatte die Kirche dafür zu wenige Antworten.

Nach Einschätzung des Kölner Kardinals Rainer Maria Woelki hat die katholische Kirche in der Corona-Krise zu wenig Antworten auf existenzielle Fragen gegeben. Corona habe neben allen anderen Folgen bewirkt, "dass wir als Menschen vor unsere Endlichkeit gestellt worden sind", sagte Woelki am Freitag bei der Regionenkonferenz des katholischen Reformdialogs Synodaler Weg in Frankfurt.

Durch die Pandemie seien "Sterben und Tod in die Mitte der Gesellschaft gerückt". Darauf habe die Kirche "oftmals keine Antworten" gehabt oder "sich nicht getraut, Antworten zu geben", sagte Woelki.

Der Kölner Weihbischof Ansgar Puff sagte: "Ich stelle mir die Frage: Hat Corona vielleicht eine prophetische Dimension?" Die Krise gebe auf jeden Fall die Antwort: "Denk daran, du bist nur Mensch." Hier müsse die Kirche mit Antworten stärker ansetzen. Der Limburger Bischof und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, sagte, durch die Pandemie würden "Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten verschärft", auch weltweit.

Zudem sehe er "spalterische Tendenzen", die von verschiedenen Seiten gefördert würden. Manchmal habe er den Eindruck, dass auch in der Kirche "alles andere als Zusammenhalt" zum Thema gemacht werde. Er warnte davor, die kirchlichen Anstrengungen in der Krise "schlecht zu reden".

Der Mainzer Bischof Kohlgraf sagte: "Auch ich habe den Eindruck, dass sich Spaltungen vertiefen. In der Kirche dürfen wir alle miteinander nicht in die Falle tappen, die Krise zu nutzen, um nur die eigene Meinung zu bestärken."

Die eintägigen Regionenkonferenzen finden zeitgleich und mit gleichem Programm am Freitag in Frankfurt, Dortmund, Berlin, München und Ludwigshafen statt - mit maximal 50 Teilnehmern. Das neue Format ist der Corona-Pandemie geschuldet und tritt an die Stelle der ursprünglich für das erste Septemberwochenende in Frankfurt geplanten zweiten Synodalversammlung.

Ein inhaltlicher Schwerpunkt lag auf den Folgen der Pandemie. Am Nachmittag stehen Aussprachen zu den Themen Frauen und Sexualität auf dem Programm. Die Foren sollen die inhaltliche Vorarbeit zu den Synodalversammlungen leisten.

Bischof Overbeck: Corona führt Kirche ihre Probleme vor Augen

Die Corona-Krise führt der katholischen Kirche nach Ansicht des Essener Bischofs Franz-Josef Overbeck ihre Probleme vor Augen. Auch nach der Wiederaufnahme öffentlicher Gottesdienste seien viele Kirchen nicht vor Gläubigen übergequollen, sagte der Ruhrbischof am Freitag auf einer Regionalkonferenz des Synodalen Wegs in Dortmund. Vor allem junge Menschen fehlten. "Die Corona-Pandemie ist so etwas wie ein Brandbeschleuniger."

Um eine Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern, hatten die Kirchen öffentliche Gottesdienste zeitweise ausgesetzt. Einige Pfarrer hatten stellvertretend für ihre Gemeinde die sonntägliche Messe alleine gefeiert. Der Aachener Bischof Helmut Dieser betonte, die Abendmahlfeier sei kein Privileg von Priestern. "Eucharistie ist immer inklusiv und inkludierend", sagte er. Sein Traum sei es, dass "wir jegliche klerikalistische Überfremdung und Belastung der Eucharistie hinter uns lassen."

Der Präsident des Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, beklagte, während der Krise seien Christen als eine von vielen gesellschaftlichen Gruppen mit bestimmten Interessen behandelt worden - aber "nicht als eine Kraft, die diese Gesellschaft bestimmt und durchdringt". Es habe ihn erschrocken, dass in der öffentlichen Debatte rund um Corona die Frage nach Gott nicht vorgekommen sei.

Erzbischof Heße: Kirche muss über Freiheitsrechte reflektieren

Die katholische Kirche muss nach Ansicht des Hamburger Erzbischofs Stefan Heße stärker über ihren Umgang mit Freiheitsrechten in den eigenen Reihen reflektieren. "Den Freiheitsimpuls des Glaubens muss die Kirche in ihrer eigenen Organisation und Kommunikation umsetzen", sagte Heße am Freitag in Berlin zum Auftakt der Regionalkonferenz des katholischen Reformprojekts Synodaler Weg.

Corona habe kirchliche Entwicklungen, "die sowieso schon im Gange waren, nur beschleunigt", so Heße weiter. "Krisen sind immer Beschleuniger von Entwicklungen. Und so werden auch die kirchlichen Reformbestrebungen durch Corona beschleunigt." Er betonte, Kirche brauche Präsenz und Öffentlichkeit: "Kirche ist nicht für sich selbst da und darf nicht nur um sich selbst kreisen. Kirche muss raus in die Gesellschaft."

Die Journalismus-Professorin Claudia Nothelle, die zusammen mit Heße die Sitzung der Berliner Regionenkonferenz leitete, ergänzte, Corona habe die Glaubwürdigkeitskrise verschärft. "Aber Corona hat eben auch Reformkräfte freigesetzt, weil man sich verändern musste." Das sollte man als Anstoß zum Neuaufbruch verstehen. "Und man darf jetzt nicht nur schauen, wie wir zum alten Zustand zurückkehren. Tradition ist lebendig, wenn sie sich entwickelt", so Nothelle, die auch Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) ist. 

ZdK-Generalsekretär Marc Frings sagte, die kirchlichen Fragen zum Thema Macht hätten sich während Pandemie nochmals intensiviert und verstärkt. Dabei gebe es eine Gleichzeitigkeit: "Die Ansicht, dass die Macht von Klerikern in der Corona-Zeit zugenommen hat, ist ebenso richtig wie die Ansicht, dass für Laien mehr Mitwirkung und Beteiligung möglich war." Diese verschiedenen Entwicklungen und Wahrnehmungen müssten diskutiert werden.

Der Berliner Erzbischof Koch ergänzte mit Blick auf die Geistlichen seines Bistums: "Manche Priester haben im Zuge von Corona sehr viel Kreativität entwickelt, gerade auch zusammen mit ihren Gemeindemitgliedern. Andere haben sich ganz zurückgezogen, da fand dann nicht mehr viel statt." Bei alledem müsse man auch fragen: "Was sind die Erwartungen der Gemeinden an die Priester? Das hat sich meines Erachtens auch verändert", so Koch.

Wegen der Corona-Pandemie wurde die eigentlich Anfang September vorgesehene zweite Synodalversammlung um rund ein halbes Jahr nach hinten verschoben. Stattdessen wurden in Berlin, Dortmund, Frankfurt, Ludwigshafen und München Regionenkonferenzen einberufen. Dort sind jeweils rund 50 Teilnehmer. Die Ludwigshafener Versammlung bestand aus Delegierten der Bistümer Freiburg, Rottenburg, Speyer, Trier und Würzburg.

Noch keine Gesamtbilanz zur Corona-Krise möglich

Für eine Gesamtbilanz und eine detaillierte Bewertung des Agierens der katholischen Kirche in der Corona-Krise ist es noch "zu früh". Darin sind sich der Münchner Kardinal Reinhard Marx und der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer einig. Die, die vorher schon geschlafen hätten, hätten es weiter getan, die, die bereits engagiert gewesen seien, seien noch aktiver geworden, sagte Marx am Freitag in München bei der Regionenkonferenz des Synodalen Wegs.

Voderholzer nutzte die Gelegenheit, um den Priestern und pastoralen Mitarbeitern zu danken, die in der Zeit des Lockdowns die Glaubwürdigkeit der Kirche repräsentiert hätten.

Zudem erklärte Voderholzer, dass sein Bistum beim pastoraltheologischen Lehrstuhl an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität eine Studie in Auftrag gegeben habe, um eine wissenschaftliche Aufarbeitung über die Corona-Zeit zu bekommen, als öffentliche Gottesdienste unmöglich gewesen seien.

Bereits nach Ostern sei damit begonnen worden. Der Rücklauf der austeilten Fragebögen sei bisher erstaunlich groß.

Marx verwies auf Briefe, die ihn erreicht hätten, die bei manchen Gläubigen "magische Vorstellungen" hätten zum Vorschein kommen lassen. Dazu gehöre unter anderem die Überzeugung, sich bei der Kommunion nicht mit dem Virus anstecken zu können. Für die Kirche heiße das, noch tiefer danach zu graben, was sie denn eigentlich zu verkündigen habe, wenn sie über Gott rede. Kritisch reflektierte der Kardinal, dass in die Alten- und Pflegeheime sowie Krankenhäuser keine Besuche von Angehörigen erlaubt gewesen seien. Dass menschliche Nähe nicht möglich gewesen sei, dürfe nicht noch mal passieren.

Die Benediktinerin Schwester Philippa Rath ergänzte aus eigener Erfahrung, dass auf einer Krankenstation die Menschen viel Sehnsucht gehabt hätten - "nicht nach dem üblichen katholischen Programm", aber nach "geistlicher Nähe". In ihrer Gemeinschaft wiederum habe sie festgestellt, das aufgrund der ausfallenden Eucharistiefeiern "große Fantasie" für neue Formen von Gottesdiensten entwickelt worden sei.

Sie rief dazu auf, dass die Kirche dafür künftig "offener" werden solle. Dazu benötige es aber Anleitung und Einführung.

(KNA)

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