Vor dem Freiburger Münster fordern Frauen Geschlechtergerechtigkeit in der Kirche
Vor dem Freiburger Münster fordern Frauen Geschlechtergerechtigkeit in der Kirche
Mahnwache Maria 2.0 vor dem Münsteraner Dom
Mahnwache Maria 2.0 vor dem Münsteraner Dom

13.05.2019

Katholikinnen demonstrieren für Gleichberechtigung "Männerdominanz muss enden"

Rund 400 Aktivistinnen nutzen die Freiburger Priesterweihe für ein klares Zeichen: Sie fordern Priesterinnen. Andernfalls habe die Kirche keine Zukunft. Erzbischof Burger sagt: Die Botschaft ist angekommen.

"Auch ich kann Priester!", hat eine Aktivistin auf ihr Plakat geschrieben - "Jesus ist den Frauen immer auf Augenhöhe begegnet" eine andere: Auf dem Freiburger Münsterplatz haben am Sonntag rund 400 kirchlich engagierte Katholikinnen für Gleichberechtigung und eine vollständige Aufarbeitung von Missbrauchsfällen protestiert. "Die Zeit einer männerdominierten Kirche muss enden. Es geht nicht um theologische, sondern um kirchenpolitische Entscheidungen", sagt Demo-Mitorganisatorin Eveline Viernickel.

Bischof Burger: "Diese Spannung muss ich aushalten"

Während die rund 400 rot gekleideten Aktivistinnen singen und ihre Forderungen deutlich machen, läuft im Freiburger Münster der Festgottesdienst, bei dem Erzbischof Stephan Burger sechs Männer zu Priestern weiht. Das katholische Kirchenrecht schließt Frauen von der Weihe - zur Diakonin oder zur Priesterin - aus. Und so macht Burger in seiner Predigt und in an die Gottesdienstteilnehmer verteilten Handzetteln deutlich, dass er Enttäuschung und Frust der Frauen zwar verstehen könne, ihm aber kirchenrechtlich die Hände gebunden seien.

Rom habe wiederholt deutlich gemacht, dass es keine Priesterinnen geben könne, so Burger. Und auch Papst Franziskus habe zuletzt betont, "in absehbarer Zeit" nicht über eine mögliche Erlaubnis zu Diakoninnenweihe entscheiden zu wollen. "Diese Spannung kann ich nicht auflösen, ich muss sie aushalten", so der Bischof.

Während die Prozession mit den neuen Priestern, Gottesdienstteilnehmern sowie dem männlichen Führungspersonal des Erzbistums das Münster durchs Hauptportal verlässt und dort auf die protestierenden Frauen trifft, sucht Burger das Gespräch mit den Organisatorinnen.

Teilnehmer waren auch Männer

"Wir erwarten, dass Sie Ihr Wort und Ihr Gewicht bei der Bischofskonferenz und in Rom auf die Waagschale legen", fordern diese. Und betonen gleichzeitig, weiter gemeinsam für die Kirche und für den christlichen Glauben arbeiten zu wollen. Ein bloßes Weiter so und ein Vertrösten auf ungewisse Zukunft dürfe es bei der Frauenfrage aber nicht mehr geben.

Burger antwortet, er sei froh über das Engagement der Katholikinnen. "Eine Kirche ohne Frauen ist undenkbar. Ich werde alles tun, um Frauen vor Ort weiter zu fördern. Ich habe ihre Botschaft verstanden." Nach einem freundlichem Händedruck reiht sich der Bischof dann wieder in die Prozession ein, die durch das Spalier der rotgekleideten Demonstrantinnen geht. Auch Männer beteiligten sich an der Aktion. Sie tragen als Zeichen der Trauer schwarze T-Shirts.

Die Freiburger Proteste sind Teil der bundesweiten Aktion "Maria 2.0". Ausgehend vom Bistum Münster sind an diesem Wochenende Katholikinnen in zahlreichen Gemeinden in einen "Kirchenstreik" getreten. Sie unterbrechen eine Woche lang ihr reguläres Engagement und ihre Arbeit für die Kirche.

Initiative aus dem Bistum Münster

In Münster gab es am Sonntag eine zentrale Mahnwache auf dem Domplatz, zu der mindestens 500 Frauen kamen. Initiatorin Lisa Kötter sprach von einer "unzeitgemäßen und ungerechten Benachteiligung der Hälfte der getauften Kinder Gottes" in der katholischen Kirche. Am Ende zogen die Teilnehmer zum nahen Bischofshaus und baten singend um das Kommen des Heiligen Geistes.

Die Rufe nach Veränderungen in der katholischen Kirche sind zuletzt immer lauter geworden. Die katholischen Bischöfe haben daraufhin einen Dialogprozess zu wichtigen Zukunftsfragen angekündigt.

"Bloße Gespräche reichen uns aber nicht mehr", sagt die Freiburger Aktivistin Sigrid Striet. Die Kirche könne nur dann ihre Glaubwürdigkeit zurückgewinnen, wenn Frauen geweiht würden und damit ein Zeichen der vollen Gleichberechtigung gesetzt werde. "Dass es aber noch immer keine Bereitschaft gibt, die klerikalen Strukturen grundlegend zu verändern, das macht mich wütend, darum protestiere ich heute."

Die Organisatorinnen sprechen vom letzten Versuch. Zu viele ehemals kirchlich Engagierte hätten sich schon abgewandt. Und dann singen die Demonstrantinnen: "Wenn viele gemeinsam träumen, ist das der Beginn einer neuen Wirklichkeit!" Und Organisatorin Viernickel kündigt an, nicht klein beizugeben. "Die Montagsdemonstrationen haben auch eine Weile gebraucht, bis sie ihr Ziel erreichten."

Volker Hasenauer
(KNA)

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