Rainer Maria Kardinal Woelki
Rainer Maria Kardinal Woelki
Weihbischof Rolf Steinhäuser
Weihbischof Rolf Steinhäuser
Weihbischof Dominikus Schwaderlapp
Dominikus Schwaderlapp, Weihbischof in Köln
Weihbischof Ansgar Puff
Weihbischof Ansgar Puff

24.09.2021

Auszeit für Woelki - Weihbischöfe bleiben Rom hat entschieden

Papst Franziskus schickt den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki auf eigenen Wunsch in eine mehrmonatige Auszeit. Diese beginnt Mitte Oktober und dauert bis zur Fastenzeit 2022. Die Weihbischöfe Puff und Schwaderlapp bleiben im Amt. 

Begründet wird der Schritt mit einer Vertrauenskrise im Erzbistum Köln, die bei der Missbrauchsaufarbeitung auch durch "große Fehler" Woelkis in der Kommunikation entstanden sei. Bis zu seiner Rückkehr soll Weihbischof Rolf Steinhäuser die größte deutsche Erzdiözese verwalten und für "Versöhnung und Erneuerung" sorgen.

Zugleich wies der Heilige Stuhl Darstellungen zurück, der Kardinal habe durch das Zurückhalten einer ersten Missbrauchsstudie vertuschen wollen. "Die Entschlossenheit des Erzbischofs, die Verbrechen des Missbrauchs in der Kirche aufzuarbeiten, sich den Betroffenen zuzuwenden und Prävention zu fördern, zeigt sich nicht zuletzt in der Umsetzung der Empfehlungen der zweiten Studie." Für die Mittagszeit ist eine Reaktion des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, angekündigt.

Weihbischöfe bleiben im Amt

Weiter teilte der Vatikan mit, dass die Weihbischöfe Dominikus Schwaderlapp (54) und Ansgar Puff (65) ihre Ämter wieder aufnehmen dürfen. Sie hätten zwar in ihren früheren Funktionen vereinzelt Fehler begangen, nicht aber die Absicht gehabt, Missbrauch zu vertuschen oder Betroffene zu ignorieren. Puff werde sofort seien Dienst wieder aufnehmen, so der Vatikan. Schwaderlapp werde wunschgemäß ein Jahr lang als Seelsorger in der kenianischen Erzdiözese Mombasa arbeiten, bevor er wieder in Köln tätig werde.

Die Diözese am Rhein wird seit gut einem Jahr von einer Vertrauenskrise erschüttert. Der Unmut über den Erzbischof war gewachsen, nachdem er ein Gutachten über den Umgang mit Fällen sexualisierter Gewalt mit Verweis auf rechtliche Gründe stornierte.

Es wuchs der Eindruck, Woelki wolle etwas vertuschen. Ein zweites Gutachten, das kirchlichen Führungskräften 75 Pflichtverletzungen im Umgang mit Fällen sexualisierter Gewalt nachweist, brachte keine Befriedung. Schwaderlapp werden acht Fehler vorgehalten, Puff nur ein Vergehen.

Woelki im Gutachten entlastet

Woelki selbst wurde juristisch entlastet. Doch diese Freisprechung stieß nicht auf Akzeptanz. Vielmehr appellierten Kritiker an ihn, gerade auch als langjähriger Vertrauter des früheren Kölner Kardinals Joachim Meisner moralische Verantwortung für das System zu übernehmen. Einen Rücktritt lehnte Woelki mehrfach ab.

Mitte Juni schickte Papst Franziskus zwei Gesandte nach Köln, um die Situation vor Ort zu überprüfen. Auf Basis ihrer Ergebnisse traf der Papst seine Entscheidung. Dabei ging es auch um die Rolle weiterer Verantwortungsträger, etwa des Hamburger Erzbischofs Stefan Heße (55), der seinen Rücktritt angeboten hatte. Vergangene Woche lehnte der Papst dieses Gesuch ab.

Wörtlich äußerte sich Kardinal Woelki am Freitagmittag im Garten des erzbischöflichen Hauses vor Journalisten: "Sie haben wahrgenommen und gehört, dass ich in der vergangenen Woche ein längeres Gespräch mit dem Präfekten der Bischofskongregation hatte und ebenfalls ein längeres Gespräch mit dem Heiligen Vater. In diesem Gespräch hat mir der Papst deutlich gemacht, dass er sehr auf mich zählt, dass er auf mich baut. Und er hat explizit die Aufarbeitung, die Entschiedenheit und die Entschlossenheit, mit der wir versucht haben, den sexuellen Missbrauch in unserem Bistum aufzuarbeiten, hervorgehoben und gewürdigt. Natürlich habe ich Fehler gemacht bei der Aufarbeitung. Ich habe Fehler gemacht mit Blick auf die Kommunikation. Und dafür übernehme ich selbstverständlich die Verantwortung. Das tut mir leid. Das bedauere ich. Es tut mir insbesondere leid mit Blick auf die Betroffenen, von denen mir einige auch gemeldet haben, dass sie gerade dadurch erneut traumatisiert worden. Das tut mir aufrichtig von Herzen leid und weh. Das Ganze hat auch zu einer Vertrauenskrise im Bistum geführt. Auch das bedauere ich insbesondere mit Blick auf die Menschen, die das in ihrem Innern verletzt hat, die mit Blick auf ihren Glauben womöglich auch verstört sind und Zweifel bekommen haben. Ich habe in dem Gespräch mit dem Heiligen Vater ihm dann auch schon von einem länger in mir gereiften Gedanken berichtet, nämlich dass ich gerne eine längere Auszeit nehmen würde, um die Geschehnisse und die Ereignisse der vergangenen Monate für mich einzuordnen, geistlich aufzuarbeiten, sie ins Gebet zu bringen, um auch Wege für mich zu finden, die in die Zukunft weisen können, wie wir hier miteinander im Erzbistum zukünftig als Kirche von Köln unterwegs sein können und unterwegs sein wollen. Der Papst fand diesen Gedanken sehr gut. Er hat mich darin unterstützt und gestärkt und mir eine solche Zeit dann auch zugestanden, die ich etwa von Mitte Oktober an bis zum Beginn der österlichen Bußzeit mir nehmen werde. Ich bin dem Papst dafür sehr dankbar. Danke für Ihr Interesse und alles Gute. "

Die apostolische Nuntiatur vermeldet im Wortlaut:

Vom 7. bis 14. Juni 2021 haben S.Em. Anders Kardinal Arborelius, Bischof von Stockholm, und S.E. Mons. Johannes van den Hende, Bischof von Rotterdam, im Auftrag des Heiligen Stuhls eine Apostolische Visitation des Erzbistums Köln durchgeführt, um sich ein umfassendes Bild von der komplexen pastoralen Situation im Erzbistum zu verschaffen und gleichzeitig auch eventuelle Fehler des Erzbischofs, S. Em. Rainer Maria Kardinal Woelkis, als auch der Weihbischöfe S.E. Mons. Dominikus Schwaderlapps und S.E. Mons. Ansgar Puffs im Umgang mit Fällen sexuellen Missbrauchs zu untersuchen. Letztere hatten dem Heiligen Vater, im Zusammenhang der Veröffentlichung der bekannten Studie über den Umgang mit Fällen sexuellen Missbrauchs im Erzbistum Köln, Ihren Verzicht auf das Amt des Weihbischofs angeboten.

Papst Franziskus hat die Ergebnisse der Apostolischen Visitation aufmerksam zur Kenntnis genommen. Auf Grundlage der von den Visitatoren erhobenen Informationen und der anschließenden Bewertung der Ergebnisse durch die Behörden der Römischen Kurie sind in ihm die folgenden Entschlüsse gereift:

Was die genannten Weihbischöfe betrifft, hat der Heilige Vater entschieden, ihren Amtsverzicht nicht anzunehmen. Bei beiden Bischöfen sind in Ihren früheren Verantwortlichkeiten vereinzelt Mängel in der Behandlung von Verfahren festzustellen, nicht aber die Intention, Missbrauch zu vertuschen oder Betroffene zu ignorieren. S.E. Mons. Ansgar Puff wird seinen regulären Dienst unmittelbar wiederaufnehmen. S.E. Mons. Dominikus Schwaderlapp hat darum gebeten, vor seiner Rückkehr in den Dienst als Weihbischof im Erzbistum Köln, für ein Jahr als Seelsorger in der Erzdiözese Mombasa, in Kenia, arbeiten zu dürfen. Der Heilige Vater hat dieser Bitte entsprochen.

Im Hinblick auf den Erzbischof von Köln, S.Em. Rainer Maria Kardinal Woelki, hat sich kein Hinweis darauf ergeben, dass er im Umgang mit Fällen sexuellen Missbrauchs rechtswidrig gehandelt hat. Die Behauptungen, der Kardinal habe, insbesondere durch das anfängliche Zurückhalten einer ersten Studie, vertuschen wollen, wird durch die inzwischen publizierten Fakten und die durch den Heiligen Stuhl geprüften Dokumente widerlegt. Die Entschlossenheit des Erzbischofs, die Verbrechen des Missbrauchs in der Kirche aufzuarbeiten, sich den Betroffenen zuzuwenden und Prävention zu fördern, zeigt sich nicht zuletzt in der Umsetzung der Empfehlungen der zweiten Studie, mit der er bereits begonnen hat.

Dennoch hat Kardinal Woelki in der Herangehensweise an die Frage der Aufarbeitung insgesamt, vor allem auf der Ebene der Kommunikation, auch große Fehler gemacht. Das hat wesentlich dazu beigetragen, dass es im Erzbistum zu einer Vertrauenskrise gekommen ist, die viele Gläubige verstört.

In der vergangenen Woche hat Papst Franzikus den Erzbischof von Köln zu einem langen Gespräch empfangen. Der Heilige Vater zählt auf Kardinal Woelki, er anerkennt seine Treue zum Heiligen Stuhl und seine Sorge um die Einheit der Kirche. Gleichzeitig ist offenkundig, dass Erzbischof und Erzbistum einer Zeit des Innehaltens, der Erneuerung und Versöhnung bedürfen. Das hat Papst Franziskus dazu veranlasst, Kardinal Rainer Maria Woelki, auf dessen eigenen Wunsch, eine geistliche Auszeit zu gewähren, beginnend Mitte Oktober bis zum Beginn der Österlichen Bußzeit des kommenden Jahres. Bis zu seiner Rückkehr wird S.E. Mons. Rolf Steinhäuser als Apostolischer Administrator sede plena die ordnungsgemäße Verwaltung sicherstellen und vor allem Sorge dafür tragen, dass das Erzbistum seinerseits in einen geistlichen Prozess der Versöhnung und Erneuerung findet.

Indem sich der Heilige Vater in diesem Anliegen betend mit Erzbischof Kardinal Woelki und mit dem Erzbistum Köln verbindet, spendet er von Herzen den Apostolischen Segen.

(KNA, DR, VN)