Rainer Maria Kardinal Woelki
Rainer Maria Kardinal Woelki

25.09.2017

Kardinal Woelki zum Stand der Ökumene Öffentliches Bekenntnis statt versöhnter Verschiedenheit

Der Kölner Erzbischof, Rainer Maria Kardinal Woelki, zieht zum Ende des Reformationsjahres eine kritische Bilanz des ökumenischen Verhältnisses zwischen evangelischer und katholischer Kirche in Deutschland.

In allen Lebensbereichen hätten Katholiken und Protestanten miteinander zu tun und auch im öffentlichen Bereich werde auf strenge Parität geachtet, schreibt Kardinal Woelki in einem Gastbeitrag für die Oktober-Ausgabe der "Herder Korrespondenz". Gemeinsame Plattformen und Arbeitskreise der Christen verschiedener Konfessionen seien "Ausweis des beiderseitigen Bemühens, sich in die Perspektive des Gesprächspartners hineinzuversetzen und Missverständnisse und Einseitigkeiten auszuräumen." Woelki erinnert an die gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre vom 31. Oktober 1999 als "Höhepunkt der Konvergenzökumene".

Evangelium mit verbindlicher Ethik

Bei aller Freude über die gegenseitige Wertschätzung durch gemeinsam getragene Projekte von Caritas, Diakonie und Bildungsarbeit gehöre zu einer ehrlichen Bilanz aber auch das Benennen von Anfragen und Sorgen, so Woelki weiter. "Es gibt – so scheint mir – einen zunehmenden Dissens in moral- und sozialethischen Fragen." Als Beispiele nennt der Kölner Erzbischof die Stichtagsverschiebung für den Import getöteter Embryonen, die Präimplantationsdiagnostik (PID), die "Ehe für alle", aber auch die Beurteilung von Abtreibung und Sterbehilfe. "Wenn hinter diesem Befund die Überzeugung steht, dass sich aus dem Evangelium gar keine verbindliche Ethik ableiten lasse, dann muss man ehrlicherweise von einer ethischen Grunddifferenz zwischen beiden Konfessionen sprechen." Wahrheit sei kein Konstrukt des einzelnen Subjekts.

Weiterhin kritisiert Woelki den Begriff "Konfession der Freiheit", mit dem EKD-Mitglieder das eigene Bekenntnis charakterisierten. Dieses Selbstverständnis könne sich nicht auf Martin Luther berufen, denn dieser habe dem "Gehorsam gegenüber Papst und Bischöfen den Gottesgehorsam, nicht aber die Freiheit autonomer Selbstbestimmung" entgegengestellt. Auch sei die Kontrastierung "zwischen einer demokratisch geordneten Kirche einerseits und einer hierarchisch verfassten Kirche andererseits" unzutreffend, weil jede Kirche sich auf Jesus Christus und damit auf eine vorgegebene Wahrheit berufe.

Modell der "versöhnten Verschiedenheit" ohne Fortschritte

Das protestantische Modell einer "versöhnten Verschiedenheit" der Konfessionen, welches seit der Leuenberger Konkordie von 1973 (Abendmahlsgemeinschaft verschiedener Konfessionen) von vielen Theologen empfohlen würde, habe zuletzt kaum Fortschritte gebracht, kritisiert der Kardinal weiter. Wer grundlegende Unterschiede in "sich wechselseitig bereichernde Dimensionen" umdeute, dürfe sich über den Vorwurf des Etikettenschwindels nicht wundern.

Einheit der Kirche könne nicht auf einer unsichtbaren oder endzeitlichen Ebene angesiedelt werden. "Ihre Einheit muss die Verschiedenheit zwar nicht aufheben, aber doch in einem Bekenntnis versöhnen", formuliert Woelki und nennt einige Beispiele wie den Begriff des Messopfers, das besondere Priestertum sowie die Lehre von der Apostolischen Sukzession. Wenn Protestanten und andere Kritiker der katholischen Position überzeugt werden könnten, dass diese "immer schon Bestandteil der eigenen Tradition" gewesen ist, wären die Gegensätze und Unterschiede kein Grund mehr zur Trennung.

Christus, nicht die Konfession, lädt ein

Den Begriff der "eucharistischen Gastfreundschaft" hält Woelki für nicht unproblematisch. Er wecke die Vorstellung, der Einladende sei nicht Christus, sondern eine Konfessionsgemeinschaft. Doch eine solche könne nicht eine andere zur "Feier der Einheit in Christus" einladen, solange im Christusbekenntnis zwischen den Konfessionen unterschieden würde. Solche Bekenntnisse würden weniger durch Gastfreundschaft, sondern durch die "Bekehrung aller Beteiligten zu Christus" versöhnt.

Besonders in den konfessionsverschiedenen Ehen würde der Verlust der sichtbaren und sakramentalen Einheit schmerzlich erfahren, wenn beide Ehepartner an ihrer jeweiligen Herkunftskonfession festhielten. Nicht selten gelangten solche Paare auch zur Überwindung des Trennenden. Der Kölner Erzbischof spricht hier von der eucharistischen Einheit als Frucht eines zuvor gegangenen Weges und verweist dabei auf die Äußerungen von Papst Franziskus, der während eines Besuchs der evangelischen Gemeinde in Rom zu einem konfessionsverschiedenen Paar gesagt hat: "Sprecht mit dem Herrn und geht weiter!" Dennoch habe Woelki "größten Respekt" vor konfessionsverschiedenen Eheleuten, die nicht vorwegnähmen, was noch nicht möglich sei.

Die Nichtzulassung zum Empfang der Eucharistie bedeute jedoch keine Trennung von Christus. "Wer auf Grund seiner Konfessionsverschiedenheit nicht zum Empfang der Eucharistie zugelassen ist, kann trotzdem tiefer mit Christus verbunden sein als ein Katholik, der täglich die Eucharistie empfängt", versucht Woelki keine Missverständnisse aufkommen zu lassen. Der Grad der sakramentalen Übereinstimmung mit dem Bekenntnis der eigenen Kirche sei nicht entscheidend für den Grad der Christusverbundenheit. Dennoch achte die Kirche ihrer Mission wegen darauf, "dass ihre Mitglieder nicht öffentlich das Gegenteil von dem leben, was sie als verbindliches Bekenntnis oder verbindliche Lebensregel verkündet."

Ökumene des öffentlichen Bekenntnisses

Dringlicher denn je sei eine "Ökumene des öffentlichen Bekenntnisses", fordert daher Kardinal Woelki. "Wie viel wäre schon gewonnen, wenn in Deutschland beide großen Konfessionen in Fragen der Sozial-, Wirtschafts- und Bioethik erneut mit einer Sprache sprächen." Ähnlich äußerte sich der Erzbischof bereits am vergangenen Sonntag anlässlich des Abschlusses der Kölner Domwallfahrt. Der Fortschritt in der Ökumene bestünde nicht in Konsenspapieren. Auch wenn diese für die Theologie wichtig seien, so plädierte Woelki für eine tiefere Gemeinschaft mit Christus, die sich dann hoffentlich eines Tages auch in einer vollen Kirchengemeinschaft auswirken werde.

Jan Hendrik Stens
(DR)

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