Michaelertor in Bratislava
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Denkmal der Heiligen Kyrill und Method
Denkmal der Heiligen Kyrill und Method
Aussicht auf die Burg von Bratislava, die Altstadt und den Martinsdom in Bratislava, Slowakei
Aussicht auf die Burg von Bratislava, die Altstadt und den Martinsdom in Bratislava, Slowakei

11.09.2021

Geschichte der Slowakei untrennbar mit Christentum verbunden Slawenapostel und Kirchenverfolgung

Die Slowakei zählt heute zu den katholischen Hochburgen in Europa. Dass das Christentum in der gesamten Geschichte der Region eine prägende Rolle gespielt hat, zeigt ein historischer Spaziergang durch die Jahrhunderte.

Die Geschichte der Slowakei und der Slowaken ist vom Christentum nicht zu trennen. Die Donau trennte das antike Römische Reich, in dem das Christentum allmählich Fuß fasste, von den heidnischen Völkern im Norden. Erst zu Beginn des 9. Jahrhunderts wird der christliche Einfluss auch dort fassbar. Mit der Christianisierung der Slawen begannen fränkische Priester des lateinischen Ritus. Daran erinnert bis heute das Emmeram-Patrozinium des Doms von Nitra.

Zu einer ersten slawischen Staatsbildung kam es mit dem Großmährischen Reich (833-906). Es hatte zwei Zentren: nordwestlich im heutigen Tschechien - besonders in Velehrad, Stare Mesto, Mikulcice und Pohansko -, das andere im Südwesten der Slowakei, mit den wichtigsten Städten Nitra, dem heutigen Bratislava, Devin und Kopcany. Um sich vom fränkischen Einfluss abzugrenzen, erbat Fürst Rastislav vom oströmischen Kaiser die Entsendung von Missionaren.

Kyrill und Method

863 brachten die aus Thessaloniki stammenden Brüder Kyrill und Method, die zuvor auf der Krim gewirkt hatten, die Tradition der Ostkirchen ins Gebiet des Großmährischen Reiches - bei gleichzeitiger Respektierung der westlichen Tradition. Belege dafür sind Übersetzungen liturgischer Bücher des byzantinischen wie auch des lateinischen Ritus ins Altkirchenslawische. Im Lauf von 200 Jahren gewann zwar der lateinische Ritus die Oberhand; vor allem in der Ostslowakei hat sich der byzantinische Ritus aber bis heute erhalten.

Ab der ungarischen Landnahme des Karpatenbeckens 896 war die heutige Slowakei Bestandteil ihres Reiches. Das Doppelkreuz des heutigen Staatswappens Ungarns hat eine lange heraldische Vorgeschichte, mit einem Schwerpunkt im damaligen Oberungarn, etwa in Nitra und Pressburg. Der 1848 in Wien gegründete Slowakische Nationalrat verwandte das Doppelkreuz dann erstmals als Symbol des slowakischen Volkes.

Die nationale Erweckung der Slowaken im 19. Jahrhundert verlief weitaus schwieriger als jene der Tschechen. Hatten diese nur einen einzigen unmittelbaren Gegner, nämlich die Deutschen, so mussten sich erstere gegen die Ungarn und ihren bis zum Ersten Weltkrieg immer weiter wachsenden Nationalismus als auch gegen die Tschechen erwehren.

Einen bedeutenden Anteil an der Nationwerdung hatte der niedere katholische Klerus, der in Ermangelung eines slowakischen Bürgertums in die Bresche sprang. Die Städte waren von Deutschen und Ungarn dominiert und die Bischöfe bis zuletzt überwiegend ungarische und deutsche Adlige. Nicht minder wichtig waren lutherische Pfarrer, die den Slowaken vom Studium in Deutschland die Aufklärung sowie Johann Gottfried Herders Begeisterung für die Slawen vermittelten. Das Evangelische Lyzeum in Preßburg wurde zu einer Keimzelle des nationalen Aufbruchs.

Während Tschechen, Polen und Ungarn auf ein altes Schrifttum in ihrer Sprache zurückblicken konnten, mussten die Slowaken erst klären, ob sie überhaupt auf einer eigenen Schriftsprache beharren oder das Tschechische übernehmen wollten. In der Revolution von 1848 meldeten sich die Slowaken erstmals politisch mit liberalen Forderungen zu Wort. Sie verlangten neben der Umwandlung Ungarns in einen Bundesstaat auch eine völlige Gleichstellung der Slowaken in allen Bereichen wie Ämtern und Schulen. Die Petition wurde von der ungarischen Regierung umgehend zurückgewiesen.

Einen Höhepunkt der nationalen Spannungen markierte das Massaker im Dorf Cernova, heute ein Stadtteil von Ruzomberok, im Oktober 1907. Es richtete die internationale Aufmerksamkeit auf die katastrophale nationale Lage der Slowaken und anderer nichtmagyarischer Völker. Die Stimmung begann gegen Ungarn zu kippen.

"Hlinkas Slowakische Volkspartei"

Mit Andrej Hlinka (1864-1938) betrat ein prägender Geistlicher die politische Bühne der Slowakei. Als Realpolitiker unterstützte er 1918 den Beitritt der Slowakei zur neugegründeten Tschechoslowakei, in deren Parlament er die ab 1925 auch seinen Namen tragende "Hlinkas Slowakische Volkspartei" bis zu seinem Tod vertrat.

In den letzten Jahrzehnten des alten Königreichs Ungarn bis 1918 war das Schulwesen der Slowaken dramatisch magyarisiert worden. Von 2.000 slowakischen Volksschulen zu Beginn der 1870er Jahre gab es 1912 nur mehr 377. Das dadurch entstandene Vakuum wurde nun vielfach durch tschechische Lehrer gefüllt. Sie brachten liberale Ideen mit, die in der noch weitgehend bäuerlich geprägten slowakischen Gesellschaft auf Widerstand stießen. Immer stärker wurde so die Dynamik der Gleichsetzung von Christentum und Katholizismus; die ökumenische Komponente der Nationwerdung im 19. Jahrhundert trat in den Hintergrund. Beides gilt bis heute.

Andrej Hlinkas Szepter übernahm im August 1938 sein politischer Zögling, der Priester Jozef Tiso (1887-1947). Schon bald stieg er zum Präsidenten und 1942 zum Führer (vodca) der souveränen Slowakischen Republik auf, die unter seiner Mitwirkung und Betreiben Adolf Hitlers im März 1939 ausgerufen wurde. Tisos Zulassung der Deportationen und damit Ermordung von insgesamt rund 70.000 Juden wurde vom Vatikan kritisiert, was Tiso jedoch nicht anfocht.

Nach der sowjetischen Besetzung der Slowakei 1945 floh Tiso nach Bayern. Von der dortigen alliierten Militärregierung wurde er an die Tschechoslowakei ausgeliefert und 1947 als Kriegsverbrecher hingerichtet. In rechtsgerichteten Parteien wie der "Volkspartei - Unsere Slowakei" oder der "Republika" wird Tiso bis heute verehrt; einzelne Geistliche fordern sogar seine Seligsprechung.

Die Machtergreifung der Kommunisten 1948 erschwerte gerade in der Kirche eine Aufarbeitung solcher Probleme - und in mancher Hinsicht gilt das bis heute. Der Diskurs, der etwa in Deutschland durch die Meinungs- und Medienfreiheit zögerlich, aber doch anlief, war hier nicht möglich; für die Kirche ging es nun ums nackte Überleben. So sind bis heute soziale Gesinnung und "ein guter Slowake zu sein" wichtige kirchliche Messlatten für Politiker sehr verschiedener politischer Couleur.

Wolfgang Bahr
(KNA)

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