Mitglieder der LGBT demonstrieren gegen die Diskriminierung Homosexueller.
Mitglieder der LGBT demonstrieren gegen die Diskriminierung Homosexueller.

23.10.2020

US-Konservative kritisieren Papst für Äußerung zu Homosexuellen "Verwirrend und sehr gefährlich"

"Verwirrend und gefährlich", sagen die einen - einen "großen Schritt vorwärts" sehen die anderen. Kurz vor den US-Wahlen sorgt die Papst-Forderung nach rechtlicher Absicherung für homosexuelle Paare für Aufsehen.

Die Papstworte zu homosexuellen Partnerschaften sorgen für unterschiedliche Reaktionen unter US-Katholiken. Der Bischof von Tyler in Texas, Joseph Edward Strickland, verurteilte die jüngsten Äußerungen des Papstes als "verwirrend und sehr gefährlich". Dem Papsttum fehle es an Klarheit, erklärte Strickland, der zu den lautesten Papstkritikern in der US-Bischofskonferenz zählt.

"Die Aussage des Papstes steht in klarem Widerspruch zu der seit langem bestehenden Lehre der Kirche", erklärte der Bischof von Providence im Bundesstaat Rhode Island, Thomas Tobin. Franziskus habe "seine Grenzen überschritten", sagte der in den US-Medien oft befragte konservative Pfarrer Gerald Murray, der eine Gemeinde in New York führt. Er erwarte, dass das Plädoyer des Papstes die "Spaltungen in der Kirche noch verschärfe".

"Ehe ist im Naturgesetz verankert"

Auch der Herausgeber der Website "Catholic Thing", Robert Royal, verurteilte die Äußerung. Nun könne jeder seinem Bischof, der in dieser Frage die katholische Lehre vertrete, sagen, "dass der Papst damit nicht einverstanden" sei.

Katholiken, die nach der Lehre der Kirche leben, «sind überzeugt, dass die Ehe im Naturgesetz verankert ist», kommentierte der Präsident der konservativen Gruppe CatholicVote, Brian Burch. Die Haltung des Papstes stehe «in direktem Widerspruch zur Lehre der katholischen Kirche», so der Soziologe der Katholischen Universität von Amerika, Donald Paul Mullins.

Der Präsident des theologischen Seminars der Southern Baptist, der größten protestantischen Kirche in den USA, Albert Mohler, hielt Franziskus vor, die Wahrheit, Lehre und moralische Logik seiner eigenen Kirche zu untergraben. Gemessen am Einfluss der katholischen Kirche in der Welt werde dies "das christliche Zeugnis zu Ehe und Sexualität und Geschlecht schwächen".

Zustimmung von jesuitischer Seite

Zustimmung erhielt Franziskus dagegen vom Chefredakteur des Jesuiten-Magazins «America», James Martin. Dies sei ein "großer Schritt vorwärts bei der Unterstützung der LGBTQ durch die Kirche", so der Bestseller-Autor. Martin hatte in dem Buch "Building a Bridge" (Eine Brücke bauen) für eine Annäherung zwischen der Kirche und lesbischen, schwulen, bisexuellen, Trans- und Queerpersonen geworben.

Franziskus habe "das integrative, akzeptierende Wesen des Christentums" hervorgehoben, lobte Guthrie Graves-Fitzsimmons vom liberalen Think Tank "Center for American Progress". Carolyn Woo vom Wahlkampf-Team "Katholiken für Biden" sagte, die Betonung der "Würde der Menschen" in Franziskus' Worten passten zu den Werten, "die die Demokraten verfechten".

Wie wird Franziskus reagieren?

Die Religionswissenschaftlerin am Manhattan College Natalie Imperatori-Lee bekundete die Hoffnung, dass die Kirche nun Entlassungen von LGTBQ-Mitarbeitern beenden werde. "Vorsichtig optimistisch" zeigte sich die Geschäftsführerin der katholischen LGBTQ-Gruppe "DignityUSA", Marianne Duddy-Burke: Sie warte ab, wie der Vatikan auf Franziskus reagiere, erklärte sie.

In einer Szene des am Mittwoch in Rom vorgestellten Films "Francesco" befürwortet der Papst - deutlich wie nie - eingetragene zivile Partnerschaften für homosexuelle Paare. "Homosexuelle haben das Recht, in einer Familie zu leben", sagt Franziskus in der Doku des russischen Regisseurs Jewgeni Afinejewski. Auch sie seien Kinder Gottes und sollten rechtlich abgesichert sein. "Was wir brauchen, ist ein Gesetz, das eine zivile Partnerschaft ermöglicht", so das Kirchenoberhaupt. Dafür habe er sich schon früher eingesetzt.

Bernd Tenhage
(KNA)

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Lieblingsorte im Kölner Dom

Dompropst, Dommusiker, Domlektorin, Domdechant und andere mehr: Sie alle haben uns ihre Lieblingsorte im Kölner Dom verraten.

Tageskalender

Radioprogramm

 29.11.2021
06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO - Der Morgen

  • Droht ein Advents-Lockdown?
  • Adventliche Mittagsgebete und Lichtfeiern in St. Laurentius (Wuppertal)
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Nachmittag

15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Nachmittag

19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Schabbat Shalom: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland – der Podcast

Jeden Freitag nehmen uns junge Jüd:innen in diesem Podcast mit in die Welt des Judentums. 

Himmelklar Podcast

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…