Papst Franziskus begrüßt Priester im Vatikan
Papst Franziskus begrüßt Priester im Vatikan

04.08.2019

Papst schreibt an Priester weltweit "Ich höre nicht auf, für euch zu danken"

In einem Brief bringt Papst Franziskus seine Dankbarkeit für die Arbeit der Priester zum Ausdruck. Gerade in "diesen schwierigen Zeiten" dürften sie sich nicht entmutigen lassen. Auch zum Thema Missbrauch äußerte sich der Papst.

Vor dem Hintergrund des Missbrauchsskandals hat Papst Franziskus katholischen Priestern weltweit den Rücken gestärkt und sie vor Resignation gewarnt. Viele von ihnen würden lächerlich gemacht oder für Vergehen beschuldigt, die sie nicht begangen hätten.

In dieser Situation brauchten sie Ermutigung und Unterstützung durch ihre Bischöfe, heißt es in einem am Sonntag veröffentlichten umfangreichen Brief des Papstes. Weltweit arbeiten nach Vatikanangaben 414.600 Priester.

Papst fordert Umdenken in Machtfragen

Nachdrücklich rief Franziskus zu einem neuen Umgang mit Macht sowie mit geistlichem und sexuellem Missbrauch in der Kirche auf. Wenn in der Vergangenheit die Unterlassung zu einer Form der Antwort auf die "Kultur des Missbrauchs" geworden sei, so gehe es jetzt um Umkehr, Transparenz, Aufrichtigkeit und Solidarität mit den Opfern.

In letzter Zeit sei der "stille oder zum Schweigen gebrachte Schrei" von Missbrauchsopfern katholischer Amtsträger vernehmbarer geworden.

Franziskus sprach von einer "Zeit des Leidens im Leben der Opfer", aber auch für deren Familien und für die ganze Kirche. "Ohne den von einigen unserer Brüder verursachten Schaden zu leugnen oder zu verkennen, wäre es ungerecht, viele Priester nicht anzuerkennen, die beständig und tadellos alles, was sie sind und haben, zum Wohl der anderen aufwenden", schrieb der Papst.

"Wir alle brauchen den Trost"

Seinen Brief veröffentlichte Franziskus am 160. Todestag des französischen Geistlichen Jean-Marie Vianney (1786-1859), bekannt als "Pfarrer von Ars" und Schutzheiliger der katholischen Pfarrer. Das mehrseitige Schreiben erschien in acht Sprachen, auch auf Deutsch.

Katholische Priester arbeiteten wie der Pfarrer von Ars "an der Front" und hielten ohne Aufhebens täglich den Kopf hin, schrieb der Papst. Zugleich mahnte er sie, ihre Grenzen anzuerkennen und nicht aus Mutlosigkeit und Vereinzelung einer "süßlichen Traurigkeit" anheimzufallen. "Wir alle brauchen in schwierigen Zeiten den Trost und die Kraft von Gott und von den Brüdern und Schwestern."

Franziskus sprach von einer "gesegneten Unsicherheit", die von der Neigung befreie, sich "auf die eigenen Kräfte zu verlassen und sich den anderen überlegen zu fühlen", weil man bestimmte Normen einhalte.

In Zeiten der Trostlosigkeit und der Apathie dürfe man sich nicht von den anderen Priestern oder der Gemeinde isolieren. "Noch weniger dürft Ihr Euch in geschlossene und elitäre Gruppen zurückziehen. Das erstickt oder vergiftet am Ende den Geist", schrieb der Papst.

"Ich höre nicht auf, für euch zu danken"

Im Namen des ganzen Gottesvolkes spreche Franziskus als Bruder und Vater zu seinen Priestern. Mit ihrem Leben bezeugten sie "das Mitgefühl und die Barmherzigkeit, die nur Jesus uns geben kann". Zum Abschluss seines Brief schreibt der Papst: "Ich höre nicht auf, für Euch zu danken: für Eure Hingabe und Eure Sendung."

(KNA, DR)

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