Mapuche-Vertreter in Temuco
Mapuche-Vertreter in Temuco
Franziskus feiert Messe im Land der Mapuche
Franziskus feiert Messe im Land der Mapuche

18.01.2018

Mapuche-Vertreter kritisiert Papst Franziskus "Lau, doppelsinnig und ungenau"

Das Treffen von Papst Franziskus mit Vertretern der Volksgruppe der Mapuche in Chile stößt nicht nur auf Lob. Ein prominenter Sprecher der Mapuche zeigt sich enttäuscht: "Der Vortrag des Papstes war ziemlich lau, doppelsinnig und ungenau."

Das sagte Mapuche-Sprecher Aucan Huilcaman gegenüber der argentinischen Tageszeitung "La Nacion" (Donnerstag) in Bezug auf die Rede von Papst Franziskus bei dessen Besuch in Temuco. Franziskus habe sich am Mittwoch in Temuco nur mit Mapuche getroffen, die "Produkte der Dominanz und des Kolonialismus" seien.

Vor allem habe es der Papst unterlassen, über das Recht der Mapuche auf ihr Land zu sprechen. Darin lägen aber die Ursachen des Konflikts mit Unternehmen und Siedlern. Huilcaman kritisierte zudem, dass er keine Gelegenheit gehabt habe, persönlich mit dem Papst zu sprechen.

Zu Einheit und Solidarität aufgerufen

Papst Franziskus hatte die Völker Chiles zu Einheit und Solidarität aufgerufen und jede Gewalt im Kampf um Anerkennung verurteilt. "Gewalt verwandelt die gerechteste Sache in eine Lüge", sagte er bei einem Gottesdienst nahe Temuco im Süden des Landes. "Man kann nicht Anerkennung verlangen, indem man den anderen vernichtet", warnte das Kirchenoberhaupt. Seit Beginn des Papstbesuchs am Montag waren in der Provinz Araukanien Brandanschläge auf zwei Helikopter und sechs Kapellen verübt worden.

Zu Beginn seiner Predigt begrüßte der Papst die rund 150.000 Menschen in der Sprache der Mapuche. Dann lobte er die Schönheit der von Bergen, Wäldern und Flüssen geprägten Landschaft: Hier sei es einfach, in jeder Kreatur Gottes Hand zu erkennen. Gleichzeitig prangerte Franziskus die "Ungerechtigkeiten der Jahrhunderte" an, unter der die einheimische Bevölkerung der Mapuche und anderer Völker zu leiden hätten.

Presseschau zum Papstbesuch in Chile

Auch am vierten und letzten Tag der Reise von Papst Franziskus nach Chile bestimmt das Kirchenoberhaupt aus Argentinien die Berichterstattung in den Medien in dem südamerikanischen Land.

Die Zeitung "La Tercera" zeigt am Donnerstag auf Seite eins ein Bild des Papstes beim Zusammentreffen mit Vertretern der Mapuche im südchilenischen Temuco und titelt: "Der Papst in Araukanien: Gewalt ruft Gewalt hervor." Weiter unten heißt es: "Der Chef der katholischen Kirche hatte ein Mittagessen mit elf Repräsentanten der Region. Unter den Teilnehmern gab es Mapuche und Opfer der ländlichen Gewalt."

Im weiteren Teil der Zeitung berichtet "La Tercera" über fehlende Begeisterung für den Papstbesuch. Unter einem Foto, das ein nur halb gefülltes Arenal in Maipu zeigt, berichtet das Blatt über die Überraschung der aus dem Vatikan mitreisenden Journalisten wegen des ausbleibenden Enthusiasmus.

Die Zeitung "El Mercurio" bringt ein ähnliches Bild auf Seite eins und schreibt: "Der Papst verurteilt die Gewalt und fordert eine Kultur der gegenseitigen Anerkennung." Auch die Regionalzeitung "El Austral" blickt auf den Besuch in Temuco zurück: "Ein historischer Besuch, der Papst trifft sich mit 200.000 Menschen auf der Militärbasis Maquehue und ruft in seinem Gottesdienst zum Frieden in der Region auf."

In Argentinien berichtet die Zeitung "Clarin" über den Gottesdienst in Temuco: "Der Papst reist ins Herzland der Mapuche und fordert ein Ende der Gewalt. Franziskus widmet seine Messe in Temuco den Opfern der Diktatur von Augusto Pinochet."

Auch die Zeitung "La Nacion" berichtet ausführlich über die Papstreise: "Die Botschaft von Franziskus spaltet das Wasser unter den Politikern in Araukanien." Zugleich analysiert im Blatt Mapuche-Sprecher Aucan Huilcaman die Papstrede mit den Worten: "Der Vortrag des Papstes war ziemlich lau, doppelsinnig und ungenau." Huilcaman drückte im Gespräch mit "La Nacion" sein Unverständnis und seine Wut darüber aus, nicht vom Papst empfangen worden zu sein. "Die Mapuche, mit denen sich Franziskus getroffen hat, sind typische Produkte der Dominanz und des Kolonialismus." Der Papst habe es unterlassen, über das Recht auf das Land zu sprechen. Dort lägen jedoch die Ursachen der Spannungen.

In Peru blicken die Zeitungen derweil auf den am Donnerstag beginnenden Besuch des Papstes: "Papst Franziskus kommt heute nach Peru, große Erwartungen der Katholiken" schreibt die Online-Ausgabe von "El Comercio" am Donnerstagmorgen. Die Zeitung "Correo" kommentiert auf der Titelseite: "Der Papst beginnt seine historische Reise um 17.20 Uhr am Nachmittag. Millionen Katholiken in Lima, Puerto Maldonado und Trujillo bereiten sich vor, um ihn zu empfangen."

(KNA)

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