Kurienkardinal Kurt Koch (l.) und Papst Franziskus
Kurienkardinal Kurt Koch (l.) und Papst Franziskus
Kurienkardinal Kurt Koch
Kurienkardinal Kurt Koch

27.04.2017

Kardinal Kurt Koch zur Papst-Reise nach Ägypten "Gottvertrauen vom Papst ist ansteckend"

In Ägypten trifft der Papst neben Staatspräsident al-Sisi auch den koptischen Papst Tawadros II. Kardinal Kurt Koch, Vorsitzender des Ökumenerates von Papst Franziskus, begleitet den Papst. Kardinal Koch im domradio.de-Interview.

domradio.de: Welchen Stellenwert hat diese Reise nach Ägypten, gerade im Bezug auf die Kopten, die dort in einer nicht einfachen Situation leben?

Kardinal Kurt Koch (Vorsitzender des Ökumenerates): Es ist sehr wichtig, die Beziehungen, vor allem die Freundschaftsbeziehung zwischen Papst Franziskus und dem koptisch-orthodoxen Papst Tawadros, zu vertiefen und auch die Solidarität zu zeigen in der schwierigen Situation, in der die koptischen Christen leben.

domradio.de: Die Situation ist wirklich nicht einfach. Die Kopten haben erst zwei Anschläge am Palmsonntag erlebt, dann den Angriff auf das Kloster auf der Sinai-Halbinsel. Kann man sagen, dass es eine angespannte Situation ist, in der Sie mit dem Papst dort hinreisen werden?

Koch: Es ist natürlich eine angespannte Situation, aber wir müssen es im Gesamten sehen. Kein Land ist heute mehr sicher, wenn ich an Berlin, an Paris, an Stockholm denke. Der Terrorismus ist heute weltweit. Insofern ist die Gefahr überall präsent, aber natürlich in Ägypten in besonderer Weise. Es ist aber gerade dort wichtig, ein Zeichen der Solidarität und der Verbundenheit zu setzen. Die Mission des Heiligen Vaters ist natürlich auch einen Beitrag für den Frieden in Ägypten, im Zusammenleben der verschiedenen Menschen, zu leisten.

domradio.de: Das heißt, es spielt für die Christen in Ägypten eine große Rolle, was der Papst dort sagen wird?

Koch: Ganz sicher. Die Kopten sagen mir immer, wir haben eine lange Geschichte im Zusammenleben zwischen Christen und Muslimen und wir wollen das weiter führen und uns im Zusammenleben nicht stören lassen von diesen Terroristen.

domradio.de: Welche Rolle spielt denn der Dialog mit den Muslimen? Papst Franziskus trifft ja auch muslimische Vertreter.

Koch: Für den Bereich bin ich nicht zuständig, aber ich glaube, es ist natürlich sehr wichtig, gerade in einem Land wie Ägypten, wo die Mehrheit muslimisch ist und die Christen eigentlich in der Minderheit sind, den Dialog mit den Muslimen zu führen, um die Beziehungen zu vertiefen und zu schauen, wie man zu einem friedlichen Zusammenleben kommt.

domradio.de: Papst Franziskus wird auch mit dem ägyptischen Staatspräsident al-Sisi aufeinander treffen. Welches politische Gewicht hat das Wort des Heiligen Vaters?

Koch: Der Papst kommt auch auf Einladung des Präsidenten nach Ägypten. Insofern ist es sehr wichtig, dass der Papst mit dem Präsidenten zusammentrifft und seine Friedensbotschaft, seinen Beitrag zu einem guten Zusammenleben, einbringen kann. Ich hoffe auch, dass das für die ganze Gesellschaft in Ägypten fruchtbar sein wird.

domradio.de: Sie begleiten den Papst als Ökumene-Beauftragter im Vatikan. Welchen Stellenwert hat diese Reise im ökumenischen Miteinander?

Koch: Die Beziehungen zu vertiefen, die da sind. Es sind ja schon längere, gute Beziehungen. Ich denke, es war ein positives Zeichen, dass Papst Tawadros seine erste Auslandsreise nach Rom zum Papst gemacht hat. Bei diesem Besuch haben sie ja auch beschlossen, dass sie täglich füreinander beten und das der 10. Mai immer ein Tag der Freundschaft zwischen Rom und Alexandrien, zwischen der katholischen und der koptisch-orthodoxen Kirche, sein wird. Diese Reise wird diese freundschaftlichen Beziehungen vertiefen und stärken.

domradio.de: Papst Franziskus ist bewusst nicht mit einem gepanzerten Fahrzeug unterwegs, trotzdem wurden die Veranstaltungsorte aus Sicherheitsgründen geändert. Sie begleiten den Papst, was macht das mit Ihnen persönlich? Haben Sie Sicherheitsbedenken? Fahren Sie mit einem mulmigen Gefühl da hin?

Koch: Nein. Ich glaube die Organisatoren in Ägypten werden sich alle Mühe geben. Das Gottvertrauen, dass der Papst hat, ist ansteckend und nicht die Angst. Der Papst geht voll Vertrauen und sagt, ich muss dieses Zeichen setzen in dieser Situation. Der Platz wurde ja auch nicht nur aus Sicherheitsgründen gewechselt, sondern damit mehr Leute dort Platz haben, damit mehr Menschen teilnehmen können. Das ist ein positives Zeichen, dass viele Menschen die Begegnung mit dem heiligen Vater suchen und bei der heiligen Messe dabei sein wollen.

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch.

(DR)

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