Albrecht von Boeselager
Albrecht von Boeselager
Malteserorden
Malteserorden

19.02.2017

Großkanzler der Malteser über die Machtkämpfe im Orden "Kardinal Burke ist de facto suspendiert"

Nach turbulenten Wochen ist der Malteser-Orden durch das Eingreifen des Papstes wieder zur Ruhe gekommen. Der wieder eingesetzte Großkanzler von Boeselager blickt im domradio.de-Interview auf die Affäre und verrät, wie es nun weitergeht.

domradio.de: Vor welchen Aufgaben stehen Sie jetzt innerhalb des Ordens?

Albrecht von Boeselager (Großkanzler des Malteser-Ordens): Die wichtigste Aufgabe ist jetzt, so schnell es geht wieder Ruhe herzustellen, damit wir uns wieder ganz auf unserer eigentliche Aufgabe konzentrieren können, nämlich unsere Hilfsprojekte in der Welt zu fördern und weiter auszubauen und das Ordensleben wieder zur Ruhe zu bringen. Dafür ist viel Kommunikation notwendig.

domradio.de: Haben die Vorgänge der vergangenen Wochen Auswirkungen auf den Orden gehabt? Zum Beispiel auf das Spendenaufkommen?

von Boeselager: Zum Glück relativ wenig. Unsere Organisation ist sehr dezentral, deswegen konnten die Aufgaben in den meisten Fällen vollkommen unbeeinflusst weitergeführt werden. Die Spenden hat es nur in einem sehr geringen Umfang beeinflusst. Ich hoffe, dass wir den Effekt umdrehen können, indem wir die gesteigerte öffentliche Wahrnehmung ins Positive drehen.

domradio.de: Wie waren die Vorwürfe gegen Sie entstanden? Was steckte dahinter? Sie haben sich ja im Nachhinein als falsch erwiesen.

von Boeselager: Es gab tatsächlich Projekte, bei denen Kondome verteilt wurden. Diese Vorfälle wurden durch ein internes Audit von den Zuständigen selber aufgedeckt und eingestellt. Das Ganze wurde als ein Vorwand genommen, um gegen mich vorzugehen. Die Vorwürfe gegen mich, ich hätte diese Vorgänge bewusst gefördert oder initiiert oder sogar vertuscht und eine Aufarbeitung verhindert, sind alle in sich zusammengefallen.

domradio.de: Der Großmeister hatte eine Rolle in der Organisation, die ihn in die Isolation geführt hat, wie ist es dazu kommen?

von Boeselager: Es ist seit drei, vier Jahren zu einer zunehmenden Entfremdung zwischen dem Großmeister und der Ordensregierung gekommen, die im Generalkapitel vor zweieinhalb Jahren dazu geführt hat, dass die von ihm gewünschten Kandidaten nicht gewählt wurden, sondern nur andere Personen in die wichtigen Ämter geführt wurden. Das hat dann dazu geführt, dass der Großmeister versucht hat, das rückgängig zu machen und zum Beispiel mich wieder aus dem Amt hinauszudrängen. Da spielen auch Persönlichkeitsstrukturen eine Rolle, auf die ich nicht näher eingehen möchte.

domradio.de: Der Vatikan hat dann eingegriffen. Einige Kreise werfen dem Papst nun vor, er habe die Souveränität des Ordens verletzt.

von Boeselager: Ich halte diesen Vorwurf für vollkommen unbegründet. Erstens ist der Heilige Vater nicht auf eigene Initiative tätig geworden. Die Rücktrittsforderung gegen mich wurde ja damit begründet, dass der Heilige Vater meinen Rücktritt wünsche, das war aber nicht der Fall. Es war eine falsche Behauptung über eine Haltung des Heiligen Vaters, da musste der Papst das richtigstellen. Dann ist von vielen Seiten des Ordens an den Heiligen Vater appelliert worden, tätig zu werden, um die Dinge zu korrigieren. Der Papst ist also letztlich auf Wunsch des Ordens selber tätig geworden und er hat dabei sehr darauf geachtet, dass gerade die Souveränität des Ordens nicht angegriffen oder beeinträchtig wird. Er hat den Großmeister um den Rücktritt gebeten und der Rücktritt ist nach dem Ordensrecht vollzogen und angenommen worden. Die Ernennung des Delegaten des Heiligen Vaters ist ausdrücklich auf die geistliche Seite des Ordens beschränkt und hat mit seinen Tätigkeiten als Souverän nichts zu tun.

domradio.de: Welche Rolle spielte Kardinal Burke als Patron des Ordens? Ihm wird vorgeworfen, er hätte den Orden zu einer Art konservativen Speerspitze gegen Franziskus machen zu wollen.

von Boeselager: Welche Intentionen Kardinal Burke hatte, weiß ich nicht. Ich gehe davon aus, dass er überzeugt war, dass ich für die Verteilung von Verhütungsmitteln jeder Art verantwortlich war, das gewollt habe und mich bewusst gegen die Lehre der Kirche gestellt habe. Woher er diese Überzeugung hatte, weiß ich nicht, aber ich glaube es ist inzwischen nachgewiesen, dass ich mir nichts vorzuwerfen habe.

domradio.de: Kann dann überhaupt noch zusammen weitergearbeitet werden?

von Boeselager: Das muss sich in der Zukunft zeigen, jetzt ist erst einmal Erzbischof Becciu zuständig und de facto der Sprecher und Vertrauensmann des Papstes bei uns. Das heißt, dass die Amtsausführung Kardinal Burkes als Kardinalpatron de facto suspendiert ist. Ich habe mit ihm seit dem Eingreifen durch den Papst keinerlei Kontakt mehr gehabt. 

domradio.de: Was sind nun die nächsten Schritte?

von Boeselager: Im April wird der Große Staatsrat der Malteser-Ritter zusammentreten. Dann wird entweder ein Statthalter für ein Jahr oder ein neuer Großmeister gewählt. Danach kann auch eine Debatte über eine neue Verfassung des Ordens beginnen. Die Amtszeit von Kardinal Becciu endet, sobald ein neuer Großmeister im Amt ist.

Das Interview führte Jan Hendrik Stens.

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