Papst Franziskus bei der Ankunft auf Lesbos
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"Wir brauchen Hilfe": Ein kleines Mädchen appelliert an den Papst
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Papst Franziskus im Flüchtlingslager Moria
Papst Franziskus im Flüchtlingslager Moria
Papst Franziskus im Flüchtlingslager Moria
Papst Franziskus im Flüchtlingslager Moria
Erinnerung an ertrunkene Flüchtlinge
Erinnerung an ertrunkene Flüchtlinge
Abreise in eine bessere Zukunft: Papst Franziskus nimmt zwölf Flüchtlinge mit.
Abreise in eine bessere Zukunft: Papst Franziskus nimmt zwölf Flüchtlinge mit.

17.04.2016

Papst erschüttert von Besuch auf Lesbos "Heute war es zum Weinen"

Papst Franziskus hat von der griechischen Insel Lesbos aus zu Solidarität mit Flüchtlingen aufgerufen. Er selber ließ direkt Taten sprechen - und nahm zwölf syrische Flüchtlinge nach Rom mit. Die Not der Menschen sei für ihn "zu stark" gewesen. 

Papst Franziskus hat seinen fünfstündigen Solidaritätsbesuch auf der griechischen Flüchtlingsinsel Lesbos beendet. Nach einem Gebetsgedenken für die Opfer der Flüchtlingsströme im Hafen des Hauptortes Mytilini begab er sich zum internationalen Flughafen der Insel. Dort traf er nacheinander zu persönlichen Begegnungen mit dem Athener Erzbischof Hieronymos II. und dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. zusammen. 

"Heute war es zum Weinen", sagte er am Samstagabend nach Vatikanangaben auf dem Rückflug von seiner Begegnung mit Flüchtlingen auf Lesbos. Der Eindruck der Not und des Leidens der Menschen in dem Hotspot auf der griechischen Ägäis-Insel sei für ihn "zu stark" gewesen, wiederholte er mehrfach.

Appell an Europa 

Franziskus äußerte zwar Verständnis für Ängste im Zusammenhang mit Flüchtlingsströmen. "Europa muss sich dringend um eine Politik der Aufnahme und Integration bemühen", mahnte er jedoch unter Hinweis auf islamistische Terroristen, die in Europa geboren und nicht in die Gesellschaft integriert wurden. Europa habe in der Vergangenheit unterschiedliche Völker aufgenommen, die die Kultur des Kontinents bereichert hätten, betonte er. Diese Integrationsfähigkeit gelte es wiederzuentdecken.

Angesichts der Debatte über sein vor wenigen Tagen erschienenes nachsynodales Schreiben "Amoris laetitia" (Die Freude der Liebe) bekräftigte der Papst, es habe tatsächlich neue konkrete Möglichkeiten der Integration von wiederverheirateten Geschiedenen in der Kirche eröffnet. Wegen der weit gefassten Formulierungen des Schreibens nach den beiden Familiensynoden waren Zweifel aufgekommen, ob es den Betroffenen mehr Spielraum für eine volle Teilhabe am kirchlichen Leben als bisher gewährt.

Not beachten 

Mit den orthodoxen Kirchenführern zusammen hatte der Papst zuvor das Flüchtlingslager Moria besucht und eine gemeinsame Erklärung unterzeichnet. Anschließend sprach er nochmals mit dem griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras. 

"Wir hoffen, dass die Welt diese Situationen tragischer und wirklich verzweifelter Not beachtet und in einer Weise reagiert, die unserem gemeinsamen Menschsein würdig ist", sagte er im Flüchtlingslager Moria. Bei dem gemeinsamen Besuch mit dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. und dem Athener Erzbischof Hieronymos II. sagte er, die Kirchenführer seien nach Lesbos gekommen, um den Flüchtlingen zuzuhören und an ihrem Schicksal Anteil zu nehmen. "Als Männer des Glaubens möchten wir unsere Stimmen vereinen und offen in eurem Namen sprechen."

Anschließend begaben sich der Papst, der Patriarch und der Erzbischof in ein Zelt mit mehreren hundert Flüchtlingen. Sie schüttelten viele Hände und hörten sich über Dolmetscher die Schilderungen vieler Schicksale an. Ein Mann warf sich laut weinend dem Papst zu Füßen und erbat seinen Segen. Franziskus segnete und umarmte den Mann.

Schmerz alles zurückzulassen 

"Ihr kennt den Schmerz, alles zurückgelassen zu haben, was euch lieb war, und nicht zu wissen, was die Zukunft bringen wird", sagte der Papst in seiner Ansprache an die knapp 3.000 Flüchtlinge. Gemeinsam mit den beiden anderen Kirchenführern sei er gekommen, um "die Aufmerksamkeit der Welt auf diese schwere humanitäre Krise zu lenken und ihre Lösung zu erflehen". 

Papst Franziskus hat auf seinem Rückflug von Lesbos in seiner Maschine zwölf syrische Flüchtlinge nach Rom mitgenommen. Es handele sich um drei muslimische Familien mit insgesamt sechs Kindern, bestätigte Vatikansprecher Federico Lombardi am Samstag in Mytilini. Parallel teilte der Vatikan den Vorgang kurz vor dem Abflug des Papstes mit. Franziskus begrüßte die Flüchtlinge persönlich auf dem Flughafen der Insel.

Die Flüchtlinge seien bereits vor dem Inkrafttreten des Abkommens zwischen der EU und der Türkei in die Aufnahmelager auf Lesbos gekommen, hieß es aus dem Vatikan. Die Initiative des Papstes sei nach Verhandlungen des Vatikan mit den zuständigen italienischen und griechischen Behörden zustande gekommen. Der Vatikan werde für Aufnahme und Versorgung der Flüchtlinge sorgen. Zunächst würden sie in Rom von der katholischen Gemeinschaft Sant'Egidio untergebracht und betreut.

"Die Flüchtlinge sind keine Zahlen"

In einem Tweet des Papstes vom Samstag heißt es: "Die Flüchtlinge sind keine Zahlen, sie sind Personen: Sie sind Gesichter, Namen, Geschichten - und als solche müssen sie behandelt werden." Auf dem Hinflug hatte Franziskus die gegenwärtige Flüchtlingskrise als "die schlimmste Katastrophe seit dem Zweiten Weltkrieg" bezeichnet.

Die Flüchtlinge selbst rief Franziskus auf, die Hoffnung nicht sinken zu lassen. Zugleich dankte er dem griechischen Volk, das trotz eigener Schwierigkeiten großherzig auf die Not der Flüchtlinge reagiert habe. Bei der Ankunft im Flüchtlingslager schüttelten die Kirchenführer entlang der Absperrung vielen jugendlichen Flüchtlingen die Hände. "Wir wollen Freiheit", stand auf einem Plakat. Sprechchöre skandierten "Freedom! Freedom".

"Historischer Besuch" 

Franziskus war am Morgen zu seinem rund fünfstündigen Flüchtlingsbesuch auf Lesbos eingetroffen. Bei seiner Ankunft wurde der 79-Jährige vom griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras empfangen. Mit angespanntem und ernstem Gesicht stieg Franziskus die Gangway hinab. Nach einem Händedruck und einigen freundlichen Worten mit Tsipras begrüßte Franziskus den Patriarchen sowie den Athener Erzbischof Hieronymos: Anschließend zog er sich mit Tsipras zu einem kurzen privaten Gespräch auf dem Flughafengelände zurück.

Tsipras dankte dem Papst für dessen "historischen Besuch". Trotz enormer eigener Schwierigkeiten hätten die Bewohner der griechischen Inseln den Flüchtlingen ihre Solidarität gezeigt. Darauf sei er "sehr stolz", so Tsipras. Dies gelte umso mehr, als einige "im Namen eines christlichen Europa Mauern errichten und die Überfahrt verletzlicher Menschen behindern".

Nach Angaben des Vatikansprechers forderten der Papst und Tsipras in einem persönlichen Gespräch ein entschlossenes Vorgehen gegen das Netz der Schlepper und Menschenhändler. Die gefährlichen Routen sollten geschlossen und "sichere Maßnahmen für eine Ansiedlung in Europa entwickelt" werden.

Grab für viele Menschen 

Patriarch Bartholomaios I. beklagte in seiner Ansprache, das Mittelmeer sei zu einem Grab für viele Menschen geworden. Das Flüchtlingsproblem sei nicht nur ein Problem für den Nahen Osten, für Griechenland und Europa, sondern für die ganze Welt, sagte Bartholomaios I., und wörtlich: «Die Welt wird danach beurteilt, wie sie euch behandelt hat.» Der Patriarch rief zum Gebet für ein baldiges Ende der Konflikte im Nahen Osten auf.

Weiter sagte das Oberhaupt der Weltorthodoxie: "Wir haben geweint, als wir sahen, wie das Mittelmeer zu Grab für eure Lieben wurde. Wir haben geweint, als wir die Sympathie und Sensibilität der Menschen auf Lesbos und anderen Inseln gesehen haben. Aber wir haben auch geweint, als wir die harten Herzen unserer Brüder und Schwester gesehen haben, die die Grenzen verschlossen und die Schulter abgewandt haben."

"Bankrott der Menschlichkeit und der Solidarität"

Der Athener Erzbischof Hieronymos II. übte Kritik am internationalen Umgang mit den Flüchtlingen. Europa habe in den vergangenen Jahren gegenüber diesen Menschen einen "Bankrott der Menschlichkeit und der Solidarität" gezeigt. Zur Stunde gedenken die drei Religionsführer im Hafen der Inselhauptstadt der Opfer der Flüchtlingsströme. Dabei wollen sie Blumengebinde ins Meer werfen. Die Zeremonie markiert den Schlusspunkt des Kurzbesuchs. Gegen 16.30 Uhr wird Franziskus in Rom zurückerwartet.

Bartholomaios I. bezeichnete den ökumenischen Besuch im Vorfeld als einen Solidaritätsappell; es brauche mehr Einsatz für Bedürftige. Die Visite von Papst Franziskus werde "die Herzen von Millionen bewegen". Ausdrücklich lobte Bartholomaios I. die Bevölkerung von Lesbos, die den Flüchtlingen ihre Häuser und Herzen öffne.

Bereits am Vorabend war Bartholomaios I. auf der Insel eingetroffen. Zwischen ihm als Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie und Hieronymos II. war noch am Abend ein Austausch geplant. Das Verhältnis zwischen der Nationalkirche Griechenlands und dem Patriarchat von Konstantinopel war in der Vergangenheit nicht spannungsfrei.

Gegen 16.30 Uhr wird Franziskus in Rom zurückerwartet.

Im Juli 2013 hatte der damals neu gewählte Papst aus Argentinien seine erste Reise auf die italienische Insel Lampedusa unternommen, damals eine Hauptetappe der Flüchtlingsströme. Der Gang «zu den Rändern der Gesellschaft» ist der erklärte Schwerpunkt seines Pontifikates

(KNA, epd, dpa)

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