Thomas Sternberg im Gespräch
Thomas Sternberg im Gespräch

02.02.2021

Sternberg sieht katholische Kirche in "sehr großer Krise" Unzufriedenheit "bis in unsere Kerngemeinde"

Missbrauch, Vertuschung sowie steckengebliebene Reformen: Wegen dieser Themen befindet sich die katholische Kirche nach Einschätzung des Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken in einer "sehr großen Krise".

In einem Interview der evangelischen Zeitschrift "zeitzeichen" (Februar) fügte Thomas Sternberg hinzu: "Ob es die größte ist, da bin ich als Altkirchenhistoriker vorsichtig. Aber es ist fraglos eine große Krise, bei der mehrere Entwicklungen im Moment zusammentreffen."

Steckengebliebene Reformen

Dazu gehörten "die zu Recht wahrzunehmende Empörung über das Missbrauchsgeschehen auch von Klerikern sowie deren Vertuschung über lange Jahre", aber auch ein "verbreiteter Unmut in der katholischen Bevölkerung über steckengebliebene Reformen und Reformprozesse", die seit Ende der 1970er-Jahre "im Grunde unter einem Deckel waren". Dies gelte etwa für die Partizipation von Frauen an allen geistlichen Ämtern.

Es habe "verheerende Konsequenzen, wenn man wichtige Debatten nicht führt, sondern versucht, sie wegzudrücken", betonte Sternberg. Das betreffe auch die Sexualmoral und die Zölibatsfrage. Dies alles habe zu einer großen Unzufriedenheit geführt, "die bis in unsere Kerngemeinde hineinreicht". Sie werde "nicht von außen herangetragen, sondern das berührt das Allerinnerste unserer Kirche".

Sternberg wandte sich gegen den Eindruck, als gäbe es zwei etwa gleich große Blöcke von Konservativen und Reformorientierten. "Die Gruppe derer, denen die ganze Richtung nicht passt, ist sehr klein. Die weit überwiegende Mehrheit des Synodalen Wegs will Reformen", sagte der ZdK-Präsident.

Keine nationalen Alleingänge

Mit Blick auf den laufenden Reformprozess Synodaler Weg erklärte Sternberg: "Wir wollen keine nationalen Alleingänge machen, wir wollen keinen Sonderweg, sondern einer globalen Institution angehören." Der Vorwurf, hier solle eine Nationalkirche installiert werden, gehe "völlig an der Realität vorbei".

Das zeige sich auch darin, dass Beobachter aus den Nachbarländern eingeladen seien und die Beratungen international wahrgenommen würden. "Überall, auch in den USA, wird auf uns geschaut, teilweise argwöhnisch", so Sternberg.

(KNA)

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