Netflix-Serie "Squid Game" auf dem Fernseher
Netflix-Serie "Squid Game" auf dem Fernseher

15.10.2021

Netflix-Serie "Squid Game" wirft viele moralische Fragen auf (K)ein Grund zur Sorge?

Die Serie "Squid Game" ist aktuell die erfolgreichste Produktion des Streaming-Anbieters Netflix. Menschen treten dort in scheinbar harmlosen Kinderspielen gegeneinander an, um ein Preisgeld zu gewinnen. Doch wer verliert, zahlt mit dem Leben.

DOMRADIO.DE: Kurz vorab zur Story der Serie. Knapp 500 Menschen haben sich extrem hoch verschuldet und wissen nicht, wie sie das Geld wieder reinbekommen sollen. Um an Geld zu kommen, duellieren sie sich in eigentlich harmlosen Kinderspielen, um ein Preisgeld in Millionenhöhe zu gewinnen. Der Verlierer stirbt dann aber. Die Serie kommt aus Südkorea. Dort ist sie wegen der gesellschaftlichen Kritik sehr gut angekommen. Um welche Kritik geht es da?

Fabian Apel (Mitglied des christlichen Podcasts "Popcornpilger"): Das Ganze ist eine Parodie oder eine Persiflage auf das kapitalistische System. Man strampelt sich mehr oder weniger freiwillig ab, um an das Geld zu kommen. Und interessanterweise fehlt auch jegliche Solidarität unter den Teilnehmern selbst. Es gibt zwar immer wieder Grüppchenbildung und Teambildung, aber auch abseits der eigentlichen Spiele herrscht unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern große Brutalität und Kämpfe untereinander, weil letztendlich jeder für sich alleine kämpfen muss.

DOMRADIO.DE: Ist es nicht auch moralisch fragwürdig, dass Menschen in einer finanziell prekären Lage bei dem Versuch an Geld zu kommen, sterben müssen?

Apel: Da gibt es, glaube ich, gar keine zweite Meinung zu, dass das ein Gesellschaftssystem ist, das sich keiner von uns hier wünschen kann. Die Serie funktioniert in Südkorea deshalb so gut, weil die Gesellschaft noch viel mehr als bei uns hier in Deutschland oder in Europa gespalten ist.

Es gibt dort sehr viele Menschen, die extreme existenzielle, finanzielle Probleme haben. Es ist auch kein Zufall, dass der Film "Parasite", der vor zwei Jahren den Oscar gewonnen hat, im Grunde das Gleiche thematisiert und auch aus Südkorea kommt.

DOMRADIO.DE: Das Problem an der Sache ist auch, dass die Serie nachgespielt wird. Teilweise harmlos, teilweise aber auch mit üblen Folgen. Kinder auf Schulhöfen, wie wir aus Belgien gehört haben, spielen das "Squid Game" und verprügeln sich, wenn jemand das Spiel verliert. War das irgendwie vorhersehbar oder eskaliert das Ganze jetzt?

Apel: Ich würde das nicht so dramatisch sehen. Natürlich ist es schlimm, wenn sich Kinder im Nachspielen eines Films oder einer Serie verletzen. Allerdings glaube ich nicht, dass das ein generelles Problem ist. Es wird natürlich auch im Zusammenhang mit Computerspielen immer diskutiert. Aber da gibt es nicht umsonst den Jugendschutz und die Eignung. Da sind die Erziehungsberechtigten in der Verantwortung, dafür zu sorgen, dass ihre Kinder die entsprechenden Inhalte nicht konsumieren.

Nehmen wir die sehr erfolgreiche Kino-Reihe "Hunger Games - Die Tribute von Panem". Sie hat im Grunde einen ähnlichen Inhalt: Jugendliche, Kinder, die gegeneinander in tödlichen Spielen antreten müssen. Diese Filme haben damals, was das Verletzungspotenzial von Kindern angeht, die das nachspielen, keine Diskussion ausgelöst.

DOMRADIO.DE: Gehen Christen vielleicht anders an so eine Serie heran? Mit Ethik und Moral im Hinterkopfl?

Apel: Wichtig ist sich die Frage zu stellen, warum diese Serie so erfolgreich ist. Warum schauen sich viele Menschen auf der Welt diese Serie an? Meiner Meinung nach ist sie nicht besonders gut. Die Charaktere sind eher flach gezeichnet, die Dialoge sind sehr überzeichnet.

Manchmal überkommt mich da ein befremdliches Gefühl und ich glaube, der Erfolg geht darauf zurück, dass gerade diese Spielszenen eine ganz besondere Ästhetik haben, die sehr ansprechend ist.

Aber ich glaube eben auch, dass dieses Gefühl in einer Tretmühle gefangen zu sein, nicht mehr weiterzukommen und auf die Ultima Ratio Gewalt zurückgreifen zu müssen, um überhaupt das tägliche Überleben sichern zu können, etwas ist, was uns als Christinnen und Christen Sorgen machen muss.

Das Interview führte Michelle Olion.

(DR)

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